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Neska Lagun: Fluchtpunkt

Insgesamt noch zu wenig druckvoll
Wertung: 6,5/10
Genre: Post-Hardcore, Screamo
Spielzeit: 26:34
Release: 27.09.2019
Label: Midsummer Records

Die Berliner Post-Hardcore-Combo Neska Lagun hat nach knapp vier Jahren Schattendasein als Band nun im Herbst letzten Jahres ihr Debüt „Fluchtpunkt“ veröffentlicht. Drei (!) Gitarristen, alle drei auch für die Vocals zuständig – da macht es nur Sinn, dass die Jungs sich dreisprachig in die Herzen der Fans brüllen. Auf „Fluchtpunkt“ herrschen zwar deutschsprachige Texte vor, Spanisch und Englisch sind jedoch ebenfalls vertreten.

So weit so gut. Nun machen Neska Lagun gar nicht so viel anders als viele andere Genrekollegen, der Funke will aber noch nicht so hundertprozentig überspringen. Ein bisschen zu überanstrengt wirken die Vocals zum Teil, da lässt sich jetzt auch schwer ausmachen, welchem der drei Teilzeitvokalisten dies geschuldet ist. Instrumental machen die Berliner zumindest alles richtig: Da beißen sich flirrende Gitarren durch wilde Drumpassagen, gepaart mit manischem Geschrei, und in „Flüchtig“ darf man gar einer schwarzmetallischen Gitarreneinlage beiwohnen.

Der Song, der aber sicherlich am meisten auffällt, ist das finale „Lightbeat“, das als einziger Song auf Englisch und fast schon im akustischen Gewand daherkommt. Heiserer Gesang sorgt für den passenden Gänsehautfaktor, und die Platzierung hinter dem brachialen „Flüchtig“ setzt einen schönen Kontrapunkt.

Der Opener „Küste“ schafft es nicht ganz, das Album schwungvoll zu beginnen, zu verfrickelt sind die Strukturen, zu wenig Dampf kommt da aus den Boxen, obwohl die Melodiebögen schon für Pluspünktchen sorgen können. „Karoshi“ kann dann gleich zu Beginn schon deutlich mehr Gas geben, wird aber durch die perlenden Gitarren direkt ausgebremst, was schade ist – gemessen am Intro hätten Neska Lagun hier eine richtige Abrissbirne parat gehabt. Die zweite Songhälfte kann dann nochmal was retten, prescht richtig schön nach vorne, wird aber deutlich zu schnell abgewürgt.

Mit „Weiter“ ist der Truppe dann ein wirklich starker, düsterer Track gelungen, der durch die Kombination von warmen Melodien und dem hysterischen Geschrei durchaus auch gerne mehrmals gehört werden kann. Mit „Montañas“ haben die Berliner sich dann an einen spanischen Song herangetraut, der überraschend klar und hoffnungsvoll beginnt und sich so vom Rest der Tracklist hervorhebt. Interessant ist die Wahl allemal, schließlich kommt man eher selten an spanischsprachigen Post-Hardcore. Ausreichend Druck können Neska Lagun jedoch auch hier nicht aufbauen, um den Track in die Anspieltippliste zu bringen.

Insgesamt liegt mit „Fluchtpunkt“ zwar eine ganz interessante Platte mit neuen Aspekten des Post-Hardcore vor, so richtig können die Berliner aber auch nach mehreren Durchläufen nicht zünden. Einzelne Songs wie – ausgerechnet – das ruhigere „Lightbeat“ wissen zu überzeugen und auch Tracks wie „Karoshi“ oder „Montañas“ haben ihre starken Momente, im Ganzen bieten die Hauptstädter aber noch zu wenig Durchdrehpotential. Da darf gerne noch mehr kommen, bis dahin behalten wir die Truppe mal im Hinterkopf.

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