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Nervus: Tough Crowd

Nervus kämpfen weiterhin gegen Schubladen und Diskriminierung
Wertung: 7,5/10
Genre: Indie Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 35:22
Release: 27.09.2019
Label: Big Scary Monsters

Nervus sind nicht bekannt für leichte Kost. Fronterin Em Foster nutzte das Debüt „Permanent Rainbow“ als Katharsis, mit dem im Frühjahr 2018 veröffentlichten „Everything Dies“ stieß die Truppe dann in die ökologischen und sozialen Abgründe der Menschen vor und auf der aktuellen Scheibe „Tough Crowd“ soll genau diese Thematik vertieft werden – allerdings ohne den allerorts vorherrschenden erhobenen Zeigefinger, stattdessen mit einem Quäntchen Hoffnung und dem Wunsch, dass jeder Mensch sein Potential sehen möge, zumindest im Kleinen etwas ändern zu können.

„Tough Crowd“ beinhaltet ein Potpourri aus Anklagen gegen Diskriminierung und Faschismus, aus Depressionen und Lichtblicken, die den Hörer keineswegs runterziehen, sondern aufbauen sollen – mit seiner locker-flockigen Melodie schafft zumindest der Opener „Flies“ das schon mal ganz gut, eingebaut sind außerdem wirbelnde Gitarrensoli, die von dezent in den Hintergrund gespielten Schreien unterfüttert werden, außerdem hört man hier und da ein Klavier; Nervus lassen sich mal wieder zu nichts überreden und ziehen ihr Ding ohne Rücksicht auf Verluste durch.

Ein durchaus aggressiv betitelter Track wie „Piss“ kann dann auch nicht so richtig Angst machen, obwohl Nervus sich hier durchaus ein bisschen mehr in Richtung Punkrock wagen; immerhin hat man verzerrte Vocals mit eingebaut, die aber durch den blumigen Refrain ziemlich schnell wieder zerpflückt werden. Das ist dann wohl der genannte Hoffnungsschimmer, den die Truppe einstreuen wollte – ein bisschen mehr offenkundiger Zorn hätte dem kompletten Album aber sicherlich auch ganz gut getan.

Durchaus lärmig wird‘s dann bei „Fake“, hier kriegen wir wieder ordentlich Verzerrung und gut gelaunte Dissonanzen auf die Ohren gepackt, was den Nervösen gar nicht mal schlecht zu Gesicht steht. Hier kommt genau die oben genannte Aggression durch die Lautsprecher, die man bei anderen Songs der Band vergeblich erwartet. Ganz nebenbei produzieren Nervus dann auch noch Ohrwürmer wie „I Can‘t Dance“ (das übrigens meines Wissens nichts mit Genesis oder Phil Collins zu tun hat), bei dem man die Beine nur ganz schwer stillhalten kann, mit dem eindringlichen „Burn“ schaffen die Vier dann sogar einen Gänsehauttrack mit starkem Text („We don‘t need heroes, we need faith“ – sicherlich auch ein super Text für ein zukünftiges Bandshirt). Obwohl hier deutlich auf die Bremse getreten wird, gehört der Track zu den Top-Anspieltipps der Platte.

„Tough Crowd“ reiht sich nahtlos an den Vorgänger „Everything Dies“ und kann im Geiste für ein deutlich schöneres Artwork noch ein Pluspünktchen einheimsen. Ansonsten bleibt vieles gleich: Nervus sind weiterhin eine Band, die sich nur schwer in Schubladen stecken lässt – am meisten Raum bietet da noch die Alternative-Schublade mit ihren weiten Fächern. Auch thematisch bleibt die Truppe sich treu, angeführt von Songwritern und Kämpferin Em Foster, die sich auch weiterhin für Gleichberechtigung und gegen die Unbillen dieser modernen Welt einsetzt. Eigentlich schon deswegen eine Truppe, die man unterstützen sollte.

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