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Nervecell: Preaching Venom

Nicht das Gelbe vom Ei
Wertung: 5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 45:23
Release: 23.10.2009
Label: Lifeforce Records

Nervecell stammen aus Dubai - und die dortige offizielle Sprache ist arabisch, auch wenn das Englische in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Alltagssprache sehr weit verbreitet ist. Trotz des orientalischen Hintergrunds der Band, ist ihre Musik klar an den westlichen Traditionen orientiert, so findet man kaum morgenländische Klangfolgen auf dem, gänzlich auf Englisch gesungenen neuen Album „Preaching Venom“. Dass man jedoch bei aller Mühe eben doch nicht wirklich aus dem Westen kommt, zeigt bereits der Bandname – denn „Nervecell“, was wohl Nervenzelle bedeutet, ist nicht gänzlich korrekt – biologisch spricht man im Englischen wie im Amerikanischen von der „neurocyte“, im anatomischen Sprachgebrauch ist bei den Amerikanern weiterhin das „neuron“ üblich, während die Briten auch „neurone“ schreiben. Wenn dann doch einmal, der ebenfalls im anatomischen Zusammenhang gültige Begriff „nerve cell“ verwendet wird, trennt man ihn laut orthografisch korrekter Schreibweise in zwei Wörter auf. Aber natürlich kann das auch als absichtliche, künstlerische Freiheit verstanden werden.

Stilistisch bewegen sich die Scheiche aus ihren Harems heraus in Richtung Westen und gucken sich dort von Bands wie Revocation oder Emeth einiges ab. Irgendwo zwischen Death und Thrash Metal mit einer Prise Grindcore lassen sich die Songs einordnen, die vom Songwriting häufig extrem ähnlich aufgebaut sind, allerdings zum Ende hin immer mit anständigen, recht angenehm klingenden Soli überzeugen, welche die sonst so düstere, durch Blasts initiierte Stimmung etwas auflockern. Oftmals wird lediglich der Fakt registriert, dass die drei festen Bandmember, Rajeh "James" Khazaal (Vocals, Bass), Barnaby "Barney" Ribeiro (Rhythmus-Gitarre) und Rami Mustafa (Lead-Gitarre) zur Zeit in Dubai beheimatet sind – dass jedoch kein einziger dieses Dreierpacks ursprünglich aus diesem Emirat stammt, weiß jedoch kaum jemand. So ist Rajeh eigentlich Libanese, Barnaby hingegen halb Inder, halb Portugiese und Rami stammt aus Jordanien. Session-Schlagzeuger David Haley, der auf dem Album zu hören ist, kommt bekanntermaßen aus Australien.

Generell ist es unnötig, einzelne Songs herauszupicken und detaillierter zu beschreiben, da ein jeder klingt wie der nächste und der vorige: Anstrengende Snare und Bassdrum-Blasts treffen auf durchlaufende Riffs, die nur selten mal einen Break als Verschnaufpause gönnen und der tiefe, gutturale Gesang variiert ebenfalls kaum. Zwar sind die Instrumente technisch versiert gespielt, allerdings vermisst man hier eine sich aufbauende Spannung, mal wirklich neue Riffs oder einfach etwas Exquisites.

Auch wenn das Line-Up, der Bandname und der Ursprung von Nervecell so speziell sind wie es nur geht – musikalisch kommen hier nur altbackene, traditionelle Songs rüber, die zwar recht ordentlich umgesetzt sind, allerdings wahrlich nur die härtesten Fans noch hinter dem Ofen hervorlocken, die sich an allen anderen, besseren Platten dieser Richtung bereits sattgehört haben. Der entscheidende Funke will einfach nicht überspringen, dafür klingt es einfach zu alt und zu sehr nach einer Kopie verschiedener, bekannterer Bands – übrigens dürfte sogar das Frontcover des Albums an eine westliche Band erinnern: An Chimaira und deren Album „Resurrection". Allerdings stammen auch beide Artworks vom gleichen Artisten.

Im Endeffekt kann man der Band zwar eine solide Leistung bescheinigen und sich „Preaching Venom“ problemlos neben anderen CDs bekannterer Bands ins Regal stellen – allerdings wird sie dort ziemlich sicher verstauben. Die Songs reißen zu wenig mit, haben zu wenig Wiedererkennungswert, sind zu wenig originell, als dass man dieses Album noch lange in Erinnerung behielte. Schade, denn Potential ist doch vorhanden.

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