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Nelson: Lightning Strikes Twice

Bon Jovi light in einer gelungenen Ausführung
Wertung: 7/10
Genre: US Stadionrock, AOR
Spielzeit: 54:28
Release: 05.11.2010
Label: Frontier Records

Tja, was soll man zu einer Band wie Nelson sagen? Die Nelson-Familie steht im Guinness Buch der Rekorde, weil drei aufeinander folgende Generationen einen Nummer-Eins-Hit in den Vereinigten Staaten hatten. In den USA sind sie Stars auf dem absteigendem Ast. In Japan sind sie nach wie vor Helden. Ihr großer Hit „(Can’t Live Without Your) Love And Affection” hat damals 1990 in Europa deutlich weniger Fans gefunden. Und zehn Jahre nach dem letzten richtigen Album gibt es nun „Lightning Strikes Twice“.

„Call Me“ ist der erwartete, auf die US-Charts abgestimmte softe Rocker mit Airplay-Garantie. Das ist gefällig und gut. Ob das in Europa für Begeisterungsstürme reichen wird, ist eher fraglich, auch wenn man unwillkürlich mit dem Bein mitwippt. Da gibt es keine Ecken und Kanten, das ist alles auf Hochglanz poliert und möglichst massentauglich.

„Day By Day“ macht dann noch deutlicher was mir schon beim ersten Track im Hinterkopf rumschwirrte: Das könnten auch Bon Jovi in einer Light-Version sein. Genau, man greift hier einige Fragmente auf, ohne aber insgesamt gesehen zu klauen, man ist eben nur extrem nah dran. Der Song gefällt und hätte auch auf einem der alten Alben der New Jersey-Rocker stehen können.

Gunnar und Matthew Nelson lassen keinen Zweifel aufkommen, dass man gewillt ist, Hits zu schreiben. Da bleibt nichts über von härteren Alben wie „Imaginator“, weswegen sie damals Zoff mit ihrem Plattenlabel hatten.

„Ready, Willing And Able“ ist ein schöner, härterer Rock'n'Roller, welcher aber auch schon das Kräftigste auf diesem Album darstellt. Der Refrain mag beim ersten Durchgang noch gefallen, aber nach weiteren neun Wiederholungen beginnt ein gewisser nervender Eindruck. Das gab es in den Achtzigern und Neunzigern hundertfach und nicht unbedingt schlechter.

„How Can I Miss You?“ ist ein leichter Ohrenschmeichler, bei dem zu Beginn die Gitarre fast nach einer Scorpions-Ballade klingt. Aber dann übernimmt der Gesang die Vorherrschaft und die aalglatte Melodie kommt ein wenig kerniger daher. Sorry, aber mehr als nette Hintergrundmusik bei einer Feier, bei der alle möglichen Musikgeschmäcker an Bord sind, ist das nicht.

„You're All I Need Tonight“ hat zwar eine starke Gitarre, welche aber zu weit in den Hintergrund gespült wurde, um möglichst charttauglich zu sein. Nette Radiomucke, zu genießen bei sommerlichem Wetter mit offenem Cabrioverdeck, wie geschaffen für die Strände in den Vereinigten Staaten. Nun ja, aber ein Blick aus dem Fenster zeigt mir die grausame Realität.

Wirklich gut wird es dann mit der lupenreinen Ballade „To Get Back To You“: Ein schönes Klavier und Streichereinlagen sorgen für viel Gefühl. Steve Lukather (Toto) steuert hier ein tolles Gitarrensolo bei. Da dürfen auch keine Flötentöne fehlen, auch wenn so ein wenig vorweihnachtliche Stimmung mit in den Track einfließt.

„When You’re Gone“ stinkt dagegen wieder mächtig ab. Nett und hörbar, mehr nicht, der Refrain wirkt wie schon zum dreiundsiebzigsten Male recycelt. Der Bon Jovi-Einfluss wird auch wieder größer und das Ganze führt zum Song „Take Me There“, der wieder deutlich balladesker ist und Weihnachtsliedimpressionen beinhaltet. Hört euch mal die Gitarrenpassagen an, die da zu Beginn kurz recht deutlich ein wenig nach „Happy Xmas (War Is Over)“ klingen. Das ist zwar dezent gehalten, aber nun ja, ist halt auch eine schöne Melodie. Dazu die fast versinkenden Backgroundchöre beim Solo, die die Melodie aufnehmen. Hallelujah!

„Come“ zeigt dann, wie hart die Jungs anno 2010 rocken können oder eher wollen. Das gefällt etwas besser, da die Melodie ins Ohr geht und sich auch für kurze Zeit ein wenig festsetzen kann. Zum Anspieltipp reicht es auf diesem Album allemal.

„In It For The Money“ könnte vom Titel her das Konzept für dieses Album sein. Nett vor sich hin rockend, entwickelt sich ein Bon Jovi-like Mitklatschsong. Fröhlich wird hier den Achtzigern gehuldigt. Durch den Backgroundchor wird ein wenig Gospel-Flair den hier klar hörbaren Blueselementen beigefügt. Das geht schon deutlich besser in die Ohren, auch wenn beispielsweise Cinderella mit ihrem „Heartbreak Station“-Album in einer ganz anderen Liga gespielt haben.

Als Ohrenschmeichler soll dann natürlich auch „Change A Thing“ dienen. Netter Schmusesong für den Hintergrund, mehr leider nicht. Den Abschluss bildet dann „Kickin’ My Heart Around”, der nochmal zeigt, dass man auch ein wenig mehr Dampf entfachen kann. Simple Songstruktur, Wechsel zwischen für Nelson im Jahre 2010 heftigen Passagen und leisen Episoden. Klingt nett, aber Powerballaden gibt es jedes Jahr hundertfach inspirierter aufgenommen.

Fazit: Als große Nummer angekündigt, wird das eher in Japan und den Vereinigten Staaten funktionieren. Ich bezweifle, dass man in Europa oder gerade Deutschland damit noch große Erfolge erzwingen kann. Eventuell kann man in die Charts einsteigen, aber wirklich Jubel kommt da nicht. Das Album ist nett, schön anzuhören, aber viel zu glatt und seelenlos. Man hört immer wieder Melodien, die einem irgendwie artverwandt erscheinen. Und ein gewisser Bon Jovi-Touch schwebt über allem. Schade, wenn Talent kaputt produziert wird und Politur das Hauptmittel im Aufnahmestudio gewesen zu sein scheint.

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