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Negură Bunget: Zi

Für die Verhältnisse dieser Band leider nicht allzu überzeugend
Wertung: 6/10
Genre: Folk/Black Metal, Ambient
Spielzeit: 48:48
Release: 30.09.2016
Label: Lupus Lounge (Prophecy Productions)

Erst Anfang letzten Jahres legten Negură Bunget mit „Tău“ den ersten Rundling ihrer geplanten Albumtrilogie über ihre Heimat Transsylvanien vor, im langsam ausklingenden 2016 geht nun die zweite Platte „Zi“ (was laut Website der Truppe sowohl für „Day“ als auch für „Say“ steht) an den Start. Befasste sich die erste Scheibe mit Landschaft und Natur, werden auf der vorliegenden Langrille die Einwohner, ihre Traditionen, Rituale und ihre Entwicklung beleuchtet. Die Dritte (die, bleibt man dem Veröffentlichungsmodus treu, vermutlich im nächsten Jahr oder Anfang 2018 erscheinen wird), soll dann die spirituelle Komponente zum Thema haben.

Wie bereits damals im Review zu „Tău“ erwähnt, ein ehrgeiziges Unterfangen, das zwar zu der Band wunderbar passt, aber eben auch stets die Gefahr birgt, sich in überambitioniertem Aktionismus zu verzetteln. Allerdings waren Negură Bunget immer eine Band, die auf Authentizität Wert legt und die zu heimatverbunden ist, als dass sie ein solches Großprojekt halbherzig angehen würde.

„Tău“ konnte dennoch nicht auf ganzer Linie überzeugen, wobei die Erwartungshaltung nach den zum Teil überragenden Vorgängern auch entsprechend hoch war. Man musste sich schon in die Platte reinhören, was bei „Zi“ nicht so viel anders ist – genauer gesagt, ist das Album sogar noch schwerer zugänglich, zumal die Black-Metal-Elemente weiter reduziert und in Sachen Ambient- und Folk-Passagen dafür noch mal ein, zwei Schippen draufgepackt wurden. Vor allem das über elfminütige letzte Stück „Marea Cea Mare“ ist von spacigen Keyboards und sphärischen, dezent im Hintergrund agierenden Gitarren sowie treibenden, kraftvollen, aber doch angenehm zurückhaltenden Drums getragen, während darüber – mal abwechselnd, mal zusammen – eine (klare) Männer- und eine Frauenstimme schweben.

Ohne Frage atmosphärisch und ein wunderbares Stück Musik zum Träumen, Entspannen, Sich-darin-fallen-lassen, aber nur das deutlichste Beispiel dafür, dass, wer schon vom Vorgänger enttäuscht war und fand, dass dort zu wenig harte Gitarren und Blastbeats auftauchten, mit Teil zwei der „Transilvanian Trilogy“ sicherlich noch weniger glücklich werden wird.

Schon der erste Track „Tul-ni-că-rînd“, immerhin sechs Minuten während, beinhaltet praktisch keinerlei Metal-Ingredienzen, vielmehr geht das Ganze als überlanges Intro durch. Die wie gewohnt etwas schräg dargebotenen, traditionellen Blas- und Streicherinstrumente, unterfüttert von diskreten Percussions, kommen umgehend zum Einsatz, dazu erklingen rituell anmutende Gesänge. Sicherlich nicht schlecht gemacht, vor allem mit der langsam anschwellenden Steigerung, die auf einen Ausbruch hinarbeitet, aber letztlich doch einfach zu langgezogen.

Jener Ausbruch erfolgt auch nicht sogleich, denn die zweite Nummer „Grădina Stelelor“ beginnt ebenfalls eher zurückhaltend und folkig mit cleanen Gitarren und sanften Dulcimer-Einsatz, bevor der Härtegrad endlich merklich angehoben wird und man mittels klirrenden Gitarren und Blastbeats in schwarzmetallische Gründe vordringt. Am Ende kehren die Rumänen jedoch in ruhiges Terrain mit starkem Ambient-Vibe zurück, und obgleich das Anfangsthema auf der Gitarre wieder aufgegriffen wird, zeigt sich spätestens hier, dass „Zi“ natürlich kein Songalbum ist – bzw. noch weniger ist als die Alben zuvor.

Konventionelle Songstrukturen finden sich nicht wirklich, was im Prinzip relativ klar war und ja auch völlig in Ordnung ist, würde nicht vieles (zu vieles) auf der Platte etwas unspektakulär vor sich hinplätschern. „Brazdă Dă Foc“ folgt einem ähnlichen Aufbau wie „Grădina Stelelor“, will heißen: ein bisschen Black Metal, viel Folk, noch mehr Ambient, wobei letzteres einfach zu sehr überhandnimmt und am Ende nicht zwingend und überzeugend wirkt. „Baciu Moșneag“ weist noch mit Abstand den höchsten Härtegrad auf und bei den erhabenen Gitarrenmelodien kommt ein wenig Erinnerung an frühere Glanztaten auf. Auch das zum Teil rockigen Charakter besitzende „Stanciu Gruiul“ markiert eine der stärkeren Nummern, dank gefälliger Gesangslinien und einer hier mal wirklich gelungenen Symbiose von traditionellen und elektrisch verstärkten Instrumenten.

Trotzdem gilt zusammengefasst, dass „Zi“ nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann. Zu viel Berieselung, zu wenig Zwingendes, keine Momente, die einen als Zuhörer wirklich packen können – das war früher mal ganz anders. Mag sein, dass, wenn man die rumänischen Lyrics versteht, die Musik quasi auch „mehr Sinn“ ergibt, aber Negură Bunget können es auf jeden Fall besser. Hoffentlich zeigen sie dies dann auf dem dritten Album, dessen Thematik mit der Spiritualität sich für meine Begriffe sowieso am interessantesten anhört. Positiv immerhin, dass „Zi“ sehr gut produziert wurde, die Enttäuschung kann dies aber auch nicht verhehlen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann