Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Nebelsarg: Grabwächter

Ein Album ohne Hand und Fuß
Wertung: 3/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 39:12
Release: 17.11.2010
Label: Eigenproduktion

„Grabwächter“ heißt das deutschsprachige Debüt der Black Metaller von Nebelsarg. Grab, Nebel, Sarg: Die Truppe spart nicht mit düsteren Black-Metal-Assoziationen – zumindest, was ihre Titel angeht. Denn obwohl sich Nebelsarg von den äußeren Eindrücken her eindeutig dem schwarzen Metall verschrieben haben, kann es beim Hören des Albums zu einem Kampf mit dem Gewissen kommen.

Die Musik auf „Grabwächter“ ist in ihrer Struktur sehr einfach. Weder die Durchschnittsriffs, noch das gleichbleibende Drumming holen irgendetwas an düsterer Atmosphäre heraus. Die Musik von Nebelsarg klingt durch ihren gleichbleibenden, gefühllosen Stakkato-Stil in weiten Teilen teilnahmslos, und auch der klirrende, flache Sound hält nicht das, was die Titel-Assoziationen versprechen.  

Nebelgeist geben zwar musikalisch auch mal ordentlich Gas wie bei „Das 2. Ich“ oder „Opferrache“, leider endet dies aber meist in einem wilden Durcheinander. Die Truppe hält mit ihren Instrumenten voll drauf, vergisst dabei aber Musik zu machen und verliert sich so in ihrem eigenen Wirrwarr. An diesen Stellen wirken die Lieder nicht nur einfach, sondern geradezu konzeptlos und laienhaft. Durch die fehlende technische Unterstützung kommt dabei zudem der angedeutete Druck in der Musik leider nicht zur Entfaltung.

Wie man anhand des Line-Ups bemerken kann, scheinen für Nebelsarg aber ohnehin die Vocals wichtiger zu sein. Mit Ausnahme des Drummers hat jedes Bandmitglied seine Finger - oder besser seine Stimme - in den Vocals und rührt darin ordentlich herum. Was dabei herauskommt, ist ein abwechslungsreiches, breites Repertoire an verschiedenen Stilen, die von Nebelsarg in allen Kombinationsmöglichkeiten eingesetzt werden. Das hohe Keifen wie beispielsweise in „Jesus Freaks“ oder die mächtigen kehligen Growls wie in „Das 2. Ich“ machen einiges her und können sich durchaus hören lassen. Wo es aber leider wiederum hapert, ist die auf den Stakkato-Stil der Instrumente abgestimmte Rhythmik. Instrumente wie auch der Gesang wirken dadurch steif und festgefahren.  

Neben den typischen Black-Metal-Vocals können Nebelsarg aber auch mit cleanem Gesang aufwarten. Dieser ist zwar einigermaßen gelungen, fällt aber sehr aus dem Black-Metal-Stil heraus und fügt sich dadurch nicht gut in das Album ein. Zudem mildert sein heller, klarer Klang Stücke wie „Nah am Fenster“ enorm ab. Das Gefühl von Black Metal geht an diesen Stellen gänzlich verloren.

Bleiben zu allem Unglück noch die Lyrics: Was will uns die Band eigentlich sagen? Anscheinend nichts, denn fast ausnahmslos sind die Texte von Nebelgeist einfalls- und inhaltslos. „Wasser des Vergessens“ erzählt beispielsweise vom Untergang von Atlantis. Dabei werden weder Zauber, noch mystische Sagen oder Verschwörungen zum Thema. Nein, die Kernaussage ist und bleibt bis zum Schluss: Atlantis ist untergegangen! Na, Mensch.

Aber auch mit den etwas aussagekräftigeren Liedern tut man sich schwer. Zwar wird hier mehr Inhalt geboten, die Themen sind aber meist abgegriffen und stehen in keinem Bezug zu Black Metal („Nah am Fenster“). Das alles wäre noch hinnehmbar, wenn die Lyrics in den meisten Fällen nicht so unpoetisch und kitschig wären: „Hallo, ich bin die Angst“ und „Gestatten ich bin Leviathan, reinigend und Prinz der Hölle“ kommt einem da schon mal in „Das 2. Ich“ entgegen und wirkt eher unfreiwillig komisch, als authentisch und düster. Aber auch bei „Wir sind unbesiegbar, wir sind der pure Hass. Niemand kann uns noch schlagen, uns macht es tierisch Spaß.“ kann man sich aufgrund dieses viel zu simplen, durchschaubaren Reimes und der albernen Aussage nur die Hände vor die Ohren halten.  

Ein gutes Haar muss man aber doch noch an Nebelsarg lassen. Das Stück „Fallout“ ist durch die passenden Streicher und die erfrischende E-Gitarre unvergleichlich kreativer. Dass dies der Einfluss des Gast-Songwriters Morgh ist, der nur bei diesem Stück seine Finger im Spiel hatte, scheint nicht allzu abwegig. Warum er kein Bandmitglied ist, bleibt weiterhin fraglich.

Abschließend beschäftigt einen vor allem aber eine ganz andere Frage: Was habe ich da gehört? War das wirklich Black Metal? Aber wo ist dann all der Schrecken und Hass hin? Angesichts des braven Klangs des Clean-Vokalisten könnte man sich auch gut etwas wie „Dark Rock“ vorstellen, wobei „Das 2. Ich“ eher für ungewollten Fun Metal steht.
Egal welches Genre dieses Album bekleidet, eins ist es leider nicht: das Gelbe vom Ei.

comments powered by Disqus

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann