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Nebelhexë: Dead Waters

Nichts für Schubladendenker
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Folk Metal / Experimental
Spielzeit: 42:11
Release: 12.06.2009
Label: Candlelight Records

Wäre Musik eine Droge, könnte man die Klänge von Nebelhexës „Dead Waters“ mit einem Opiat vergleichen, das mit einem Hauch LSD versetzt wurde. Diese Band versteht es, düstere getragene Gothic-Klänge mit Folklementen, einigen elektronischen Spielereien und ebenso ruhigen wie nervenaufreibenden Arrangements zu verbinden. Dabei klingt Sängerin Andrea wie eine angenehmere Version von Enya, was unter anderem erklärt, warum sich Nebelhexë so schlecht in Schubladen stecken lässt.

Obwohl auf dem Metallabel Candlelight Records zuhause (zusammen mit namhaften Bands wie 1349, Obituary oder Abigail Williams), bezeichnet Andrea Haugen ihre eigene Musik lieber als „Alternative“, um zu starke Einschränkungen zu vermeiden – auch wenn ihre Songtexte eher in die düster-morbide Richtung des Metal- und Gothic-Genres gehen. Ihre Lieder erzählen von erlebten wie erdachten Geschichten, Träumen, Magie, animalischen Instinkten und den alltäglichen Ängsten, die einen jeden in unserer heutigen Gesellschaft plagen. Schon ihre ersten beiden Alben „Laguz – Within The Lake“ und „Essensual“ richteten sich lyrisch esoterisch aus, enthielten aber – ebenso wie das frische dritte Werk „Dead Waters“ – auch eine gute Portion Selbstironie. Dass die Dame nicht nur über sich selbst lachen kann, sondern auch ungemein kreativ ist, zeigen auch ihre momentanen Projekte, denn sie ist nicht nur als Sängerin und Songwriterin bei Nebelhexë tätig, sondern arbeitet nebenher an ihrem zweiten Buch und schreibt eine Kolumne für eine norwegische Zeitung. Das frühere Fetischmodel bleibt der obligatorischen Dunkelheit auf ihrem aktuellen Album treu, hat sie sich doch in der Vergangenheit musikalisch schon unter anderem in einer Dark Ambient (Aghast) und einer Pagan Folk orientierten Band (Hagalaz´ Runedance) ausgetobt.

Zumindest Einflüsse aus dem Pagan-Genre wie auch aus der Welt des Ambient kann man auf ihrem aktuellen Album noch vereinzelt vorfinden. Schon der erste Song „Against The Wall“ wartet mit einer hypnotischen Tribal-Drum auf, deren Sound sich kontinuierlich durchs komplette Album zieht. In Kombination mit Andreas tiefem, angenehmem Gesang ergibt das eine beinah erotisierende Mischung, die, einmal gehört, so leicht nicht mehr vergessen werden kann. Fast schon übermäßig dynamisch klingt dagegen der Refrain von „19th Century Ghost“, der eine willkommene Abwechslung auf der sonst eher stimmungsvoll ruhigen Platte bildet. Überhaupt geraten die Songs von Nebelhexë immer eine klitzekleine Spur zu lang, sodass man jedes Mal verwundert aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und sich die Augen reibt, während man sich wundert, dass die Anlage schon wieder ein Lied weiter gesprungen ist. Das mit Gitarren versehene „Fallen“ besticht durch einige imposante Passagen – hier wirken weder E-Gitarren noch Flöten fehl am Platz. So etwas schafft kaum eine zweite Band.

Nebelhexë sind der lebende Beweis, dass harte Musik nicht unbedingt mit völlig überanstrengtem Gesang oder kreischenden Gitarrenriffs aufwarten muss – die Band geht trotz (oder gerade wegen) ihrer Ruhe mächtig unter die Haut, sorgt für einen wohligen Schauer und hinterlässt den Hörer in dem Gefühl, die letzte Stunde von der Außenwelt nichts mitbekommen zu haben.

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