Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

neànder: neànder

neànder bewegen sich nah an der Perfektion
Wertung: 9,5/10
Genre: Doom, Post-Rock, Black Metal, Stoner, Instrumental
Spielzeit: 36:45
Release: 22.02.2019
Label: Through Love Records

Instrumentalbands haben es zumindest bei der Schreiberin dieser Zeilen von Grund auf ein bisschen schwerer als solche mit SängerIn. Man hat weniger Bezugspunkte und kann sich schlechter orientieren, außerdem besteht deutlich häufiger als bei Vocals die Gefahr, sich zu langweilen oder den Faden zu verlieren. Die Berliner neànder haben es aber sogar geschafft, mich zum Kauf einer Vinyl zu überreden – mit einer Mischung aus Doom, Post-Rock, Ambient und irgendwie auch Black Metal vereinen die Herrschaften eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann (bis auf einen begnadeten Sänger, nur noch mal am Rande).

In bisheriger Anonymität und mit reichlich kruden Songtiteln wirbelten die Musiker, von denen man nur weiß, dass sie bereits „alte Hasen“ im Musikgeschäft sind, gleich mit ihrem selbstbetitelten Debüt ordentlich Staub auf und das völlig zu Recht: „neànder“ mag zwar „nur“ fünf Songs beinhalten, diese verströmen aber eine derartige Tiefe, Weite und emotionale Leere, dass man sich die Scheibe eigentlich den ganzen Tag im Dauerlauf anhören könnte. Da muss man auch bei einem Blick auf die Tracklist nicht vor neunminütigen Epen zurückschrecken, denn durch die beinahe fließenden Übergänge wirkt die Scheibe sowieso wie aus einem Guss.

Die lila Vinyl Limited Edition ist mittlerweile ausverkauft, ein schwarzes Zweitpressing gibt‘s aber noch für die letzten Kaufwütigen, und es lohnt sich über alle Maßen: Gestartet wird mit dem bärenstarken „Khàpra“, bei dem man kaum glauben kann, dass die Truppe aus dem schnöden Berlin kommt statt beispielsweise aus dem geheimnisvollen Island. Die Gitarren füllen vorsichtig die Leere und verbreiten dabei eine derartige Sehnsucht, dass man automatisch einen Kloß im Hals bekommt. Verzweiflung und Zorn machen sich zunehmend breit, die Band entweicht aus der doomigen Samtigkeit und wagt sich mit einem Kopfsprung in Black-Metal-Gefilde, man hat unwillkürlich Bilder von einer blutigen Hetzjagd durch einen finsteren Wald vor dem geistigen Auge – und genau das ist das Tolle an neànder: Sie regen die Phantasie an und lassen das auch noch wie Zufall aussehen.

„Thũjen“ nistet sich dann nach einem überraschend aggressiven Start in der Stoner-Richtung ein, kommt sogar stellenweise mit einem fast ohrwurmigen Riff daher – die Überleitungen sind dann so perfekt, dass man erst mal gar nicht bemerkt, dass der nächste Track angefangen hat. neànder weben den Hörer in ein derart dichtes Sound-Gespinst, dass man darüber alles andere vergessen kann.

Das mit drei Minuten fast schon kurz geratene „iimago“ wirkt dann ungleich ruhiger, fast zärtlich, aber nicht weniger drängend als seine Vorgänger. Dennoch hat man das Gefühl, ein wenig Entspannung in dem Song zu finden; zumal gleich im Anschluss das finale „Møder“ seinem Namen alle Ehre macht, ein fieser, dreckiger Song mit Sludge-Kante, der zur Mitte sogar etwas wie eine Ruhephase zum Innehalten bietet, bevor sich die Gitarren wieder als massive Wand vor dem Hörer auftürmen.

neànder ist mit ihrem Erstling (!) ein wunderbares Album gelungen, für das es eigentlich keine weiteren Worte braucht, zumal man nur schwer eine Erklärung findet, wieso die Platte einen derartig mitnimmt. „neànder“ ist ein Ritt durch sämtliche düsteren Metal- und Rockstile, der zu keiner Sekunde irgendwie zusammengewürfelt wirkt, sondern stets intelligent und durchdacht, aber mit tiefen Emotionen daherkommt. Die Band hat mittlerweile ihre erste Tour angekündigt – wenn dabei nur halb soviel Atmosphäre transportiert wird wie auf Platte, sollte man sich die Shows keinesfalls entgehen lassen.

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging