Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

neànder: eremit

Eine atemberaubende Klanglandschaft
Wertung: 10/10
Genre: Instrumental Doom Metal, Post-Rock, Sludge, Black Metal
Spielzeit: 40:42
Release: 09.10.2020
Label: Through Love Records

Erst im Februar letzten Jahres erblickte mit „neànder“ das Debütalbum der gleichnamigen Band das Licht der Welt, ein düster-melancholischer Instrumentalbrocken, der leichtfüßig Doom, Black, Sludge und Post-Rock miteinander verschmelzen ließ und nur haarscharf an der perfekten Bewertung vorbeischrammte. Mit „eremit“ steht nun das Zweitwerk in den Startlöchern, passend betitelt zur aktuellen Weltsituation, in der wir zeitweise alle gezwungenermaßen ein bisschen eremitischer leben als wir es uns wahrscheinlich wünschen würden.

Zuletzt hat die Truppe, die unter anderem aus Mitgliedern von Earth Ship und Patsy O'Hara besteht, das monumentale „atlas“ als Single veröffentlicht, ein fast zwölf Minuten langer Stampfer, der schon zu Beginn durch die Kombination aus unheilschwangeren Drums und rasselnden Gitarren besticht und sich ausdauernd im Sumpf von Sludge- und Doom-Anteilen wälzt. Aufgelockert durch Tempowechsel und ätherisch anmutende Licks, die durch die dreifache Gitarrenfront bereitgestellt werden, gerät der Song zu einer absolut hörenswerten Reise, auf die man sich einlassen muss: Da macht sich beim düsteren Voranschreiten des Tracks ein beklemmendes Gefühl im Brustkorb breit, der Kloß im Hals schnürt die Luft ab und auch die Gänsehaut lässt sich bald nicht mehr auf das geöffnete Schlafzimmerfenster schieben. Kurz: „atlas“ ist ein rundum perfekter, ja grandioser Song geworden und besticht nicht nur als würdiges Finale, sondern hebt die Band auch auf ein ganz neues songschreiberisches Niveau, in dem das „Fehlen“ der Vocals sich als größte Stärke herauskristallisiert. Ein Grund übrigens, wieso „atlas“ trotz seiner finalen Position auf der Tracklist hier als Erstes beschrieben wird.

Dagegen muss sich der Rest der Platte aber beileibe nicht verstecken: Zwar startet der Vorläufer zu „purpur“ ein bisschen arg schleppend, dafür dröhnt der Track selbst dann mit ordentlich Wumms aus den Boxen, obwohl auch hier erst mal an Geschwindigkeit gespart wird. Die unheilvolle Stimmung, auf die neànder mittlerweile ein Patent zu haben scheinen, kann sich aber auch hier schon voll und ganz entfalten. Immer wieder erhält der Track zusätzliche Weite durch die clever gestrickten Gitarrenspuren, die sich sphärisch durch die Spielzeit schlängeln und so dem Song ein fast schon hypnotisches Eigenleben verpassen. Ganz so fließend wie beim Vorgängeralbum gestalten sich dann aber nicht alle Übergänge: Da meinte man eben noch, sich von der purpurnen Gewalt kurz erholen zu können, da grätscht das Schlagzeug des Titeltracks ein bisschen unsanft in die Stille, zumal auch die Gitarren hier deutlich räudiger daherkommen. Auf Vinyl wirkt das Ganze vermutlich ein bisschen eleganter, ein regelrechter Störfaktor ist hier natürlich trotzdem nicht zu finden.

Gerade bei Stücken wie dem Titelsong fällt auf, dass neànder den Sludge-Anteil im Vergleich zum Debüt nochmals deutlich erhöht haben. Was vorher eher melancholisch daherkam, wabert jetzt mit der geballten Unruhe und Düsternis des Genres durch die Boxen, fast schon sumpfig kann man den Sound bezeichnen, ohne die bei all den famosen Details nötige Transparenz missen zu lassen. Dabei wirken die Tracks zu keiner Zeit auch nur im entferntesten „ähnlich“ – das wunderbare „Ora“ vermengt gar doomige Parts mit eindeutig aus dem schwarzmetallischen Sektor entliehenen, fast schon im Viking Metal verorteten, wunderschönen Gitarrenspuren, die einem beim Hören beinah die Tränen in die Augen treiben.

Einfach unfassbar gut, was neànder hier abliefern. Man kann, ja man muss sogar die volle Punktzahl auspacken und sich die Platte wieder und wieder zu Gemüte führen – einzelne Songs, am Stück, von vorne nach hinten, von hinten nach vorne; es gibt immer etwas Neues zu entdecken, neue Klanglandschaften zu erkunden und neue Bilder vor dem geistigen Auge heraufzubeschwören, die im vorherigen Durchlauf vielleicht noch verborgen geblieben sind.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna