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Neal Morse: Songs From November

Eine Genreikone geht neue Wege
Wertung: 9/10
Genre: Singer-Songwriter
Spielzeit: 47:46
Release: 15.08.2014
Label: Inside Out

Neal Morse steht vor allem für eines. Progressive Rock. Wer von seinem neuen Soloalbum eine ähnliche musikalische Richtung erwartet, wird allerdings bitter enttäuscht. „Songs From November“ - der Großteil der elf Titel des Albums ist übrigens tatsächlich im Laufe des letzten Novembers entstanden - will nicht einfach an alte Muster anknüpfen und tut dies auch nicht. Gestehen wir dem Meister höchstselbst ein paar Zeilen der Erklärung zu:

„Ich höre viel unterschiedliche Musik für verschiedene Anlässe – Prog-Alben, wenn ich mich auf komplizierte Musik konzentrieren will, manchmal Jazz und Klassisches. Oft fühle ich mich jedoch auch zu Singer-Songwriter-Alben wie zum Beispiel von Jackson Browne oder Graham Nash hingezogen. Eines Tages dachte ich mir, dass ich selbst gerne mal so ein Album machen würde! „Songs From November“ ist dieses Album.“

Dem kann man nach mehreren Hördurchgängen nur zustimmen. „Songs From November“ ist ein melodisches und direktes Album geworden, das im Grunde so gut wie jedem gefallen sollte. Die elf Songs sind alle um die vier Minuten lang. Schon der leicht funkige Opener „Whatever Days“ kreiert eine angenehm positive Atmosphäre, die einem einfach nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Im Großen und ganzen behält das Album diese Marschroute dann auch bei, beispielsweise beim flotten „Song For The Free“, das, von einem marschähnlichen Schlagzeugrhythmus getragen, direkt und fröhlich nach vorn geht.

„Songs From November“ besitzt allerdings auch wesentlich getragenere, nachdenklichere Songs. „When Things Slow Down“ beispielsweise, oder „My Time Of Dying“, das sich, wie der Titel schon verrät, mit dem Tod auseinandersetzt. Trotz des ernsten Themas ist auch dieser Song aber keineswegs depressiv geraten. Neal Morse setzt sich hier einfach nur angenehm nachdenklich mit einem ernsten Thema auseinander. Und zwar mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Ernsthaft traurig wird es eigentlich nur bei „Tell Me Annabelle“. Wobei der Text auch hier nie ins Depressive abdriftet. Neben dem oft besungenen Thema Liebe, das natürlich auch hier nicht zu kurz kommt, überrascht Neal Morse mit „Daddy’s Daughter“ dann noch mit einer sehr persönlichen und absolut liebenswerten Hommage an seine Tochter.

Für „Wear The Chains“ packt der Komponist zum Schluss dann auch noch eine Prise Pathos aus. Das liebevolle Arrangement und ein paar Intensitätswechseln, in Verbindung mit einem durchdachten Songtext, machen diese Nummer zu einem Highlight auf einem generell starken Album. Wenn wir schon über Highlights reden, muss aber auch festgehalten werden, dass das andere Extrem auf „Songs From November“ vollkommen fehlt. Ausfälle gibt es nämlich keine. Dementsprechend sind auch die Anspieltipps mit Vorsicht zu genießen, da das Album durchgehend auf hohem Niveau unterhält und die Highlights hier kaum an musikalischer Qualität festzumachen sind, sondern schlicht und ergreifend auf persönlichen Vorlieben beruhen.

Fazit: Es braucht Mut, um sich aus seiner Komfortzone herauszubewegen. Glücklicherweise hat Neal Morse diesen Mut gefunden. Denn „Songs From November“ ist nicht einfach irgendein Singer-Songwriter-Album geworden, sondern ein verdammt gutes, das durchgehend eine positive Atmosphäre erzeugt und mit liebevoll perfektionierten Arrangements und wunderschönen Refrains zu überzeugen weiß. Natürlich müssen seine Fans auf diesem Ausnahmewerk auf komplexe Strukturen verzichten, gerade in ruhigen Momenten ist „Songs From November“ aber genau deswegen eine wunderschöne Untermalung, die nicht nur musikalisch, sondern auch mit dem einen oder anderen schlauen Gedanken beeindruckt.

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