Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Neal Morse: Sola Scriptura

Unglaublich vielschichtig
Wertung: 7/10
Genre: Prog Metal
Spielzeit: 75:58
Release: 23.02.2007
Label: InsideOut Music GmbH

Ich will mich ja nicht beschweren, ich hatte auch schon Promos mit weniger als vier Liedern. Ich entsinne mich da dunkel an ein eisiges Album einer ebenso kalt betitelten Band... ach nein, die hatten sogar noch zwei Lieder mehr. Hörte sich aber trotzdem an wie ein langes Lied.

Auch dass Neal Morse mich zwanghaft versucht zu missionieren und mich das Cover ungut an den Lutherfilm erineert, der in einer einzigen Kirche spielte und diese durch den sinnlosen Einsatz mitten in den Raum gestellter Türen zu überspielen versuchte, kann ich weitesgehend noch verzeihen (trotzdem, Luther hat den Boden auf Knien geschrubbt!).

In einer zunehmend “böser” werdenden Jugendkultur ist der Versuch “zurück zu den Wurzeln” vielleicht doch ganz erfrischend. Was aber wirklich anstrengend ist, ist in den vier Grundliedern die Brüche herauszuhören - wir erinnern uns dunkel: Progmetal stand für “Wer braucht denn die Weitertaste, ich schreib’ Dir ein ganzes Lied”.

Ach so, von wem ich da eigentlich schreibe? Der Mann, der hauptverantwortlich ist, heisst wie seine Band Neal Morse. War auch schon immer recht fleissig und kann eine Diskographie von 5 Werken aufweisen. Das könnt Ihr auch? HA, nee! Der hat nämlich auch noch bei Spock’s Beard und bei Transatlantic gespielt und somit wird die Liste auf 14 Werke plus Neuling verlängert. Ihr staunt, ich auch, aber der Mann hat es einfach drauf. Jetzt hatte der nur ein Problem und zwar kann er trotz Keyboard- und Gitarrenknowledge nicht so viel mit Drums oder einem Bass anfangen und wenn schon mal Gäste da sind, läd man auch noch eine Gitarrenkoryphäe ein. In diesem Fall Paul Gilbert.

Also noch mal. Die CD besteht aus vier Liedern, “The Door, “The Conflict”, “Heaven in my Heart” und “The Conclusion”. Diese sind jeweils noch in Einzelstücke unterteilt, aber dazu später.

Am Anfang geht’s los mit richtig viel Gitarre, sehr einladend ist auch das Keyboard dazu, da will man die Tür schon weiter öffnen, eine nette Begrüssung (“Introduction”) ist das.

Ich habe jetzt geraten, dass danach “In the name of God” anfängt, weil so eine Vorstellung ja eigentlich nicht besonders lange dauern sollte. Das Stück wird ebenfalls wieder von einem verflixt schnellem Gitarrensolo eingeleitet, wechselt sich mit einem orgelähnlichen Keyboard ab, wobei man das Gefühl hat, dass Morse hier einfach stumpf auf die Akkorde haut. Gilberts Antwort ist natürlich wieder ein schneller Gitarrenpart, von dem man bald einen Ohrwurm bekommt und es findet sich, oh Wunder!, eine Art Refrain.

Man hört also fasziniert dem Herren an der Gitarre zu - und fragt sich plötzlich, wo der aufgeführte Drummer eigentlich ist. Mike Portnoy, da stehts doch. Und wenn man ganz genau hinhört, dann fällt er einem doch noch auf. Ganz irgendwo mitten den Instrumentgeflechten und Musikschlingen sitzt Portnoy und trommelt. Und das wirklich toll - wenn man sich vornimmt, ihn zu hören.

Auch wenn ich jetzt nicht sicher sagen kann, wohin es gehört, der Gesang, der zu “Mercy for Sale”, das erste Mal, dass das Mikro benutzt wird, überzeugt mich gleich, weiter gut zuzuhören. Ein bisschen wehklagend, aber trotzdem gut singt Morse da. Auch wenn die technische Verzerrung am Ende nicht hätte sein müssen.

Auch wenn man sich nach zehn Minuten “The Door” ein bisschen weniger Kitsch wünscht und der Gesang irgendwie doch noch an Gospel erinnert und auch weicher wird, doch, am Mikro ist Neal gut aufgehoben. Insgesamt ist “The Door” also eher der rockige Teil der CD, mal schauen, wie’s weitergeht.

“The Conflict”-Erstling “Do you know my name” gefällt am Anfang sehr gut durch die harte Gitarre, aber dann passt das Solo mal so gar nicht rein und wenn der Gesang nicht so hoch werden würde, könnte man das Stück im ersten Moment auch noch Mansonfans verkaufen. Vor allem die Strophen erinnern sehr an den Stil des Schockrockers, die Sophranteile eher an Modern Talking und die Gitarrensoli an einen frustrierten Gitarristen, von dem doch alle wissen, wie toll er spielt, auch ohne, dass er es jedes Mal beweisen muss.

“Party to the lie” ist schon fast poppig, nicht desto trotz interessant anzuhören und dank dem Genuschel verstehe ich nur “God” und “Lie” und einige Bruchstücke - gut so. Tolle Melodie, die nicht durch einen Text zerstört werden kann!

In “Underground” geht’s noch mal um die Wurst, also um richtig viel Gitarre, “Two down one to go” zeigt noch mal, wer besser langsame Stücke singen kann: in den “uuuh”-Parts schlägt der Sänger definitiv jeden männlichen Superstar und auch der Rest des Stückes, wenngleich ein wenig langatmig, ist doch recht gut gelungen.

Wirklich gespannt war ich ja auf “Heaven in my heart”, weil es wirklich nur ein einziges Lied ist und weil im Vorfeld von “Luthers Lage vor dem Prozess in Worms” geschrieben wurde. Und wirklich, die Ballade ist richtig genial. Kaum Gitarre, ein wenig untermalende Keys und Drums und eine Gänsehautstimme (mit zugegebenermassen “Jesus will...”-Text, aber okay) - auch in den tieferen Tonlagen. Ich bin platt. Auch wenn das Lied am Ende durch Chöre ein bisschen ausfranst und zu dick aufgetragen wird - super umsetzt.

Beendet wird die CD mit dem Lied “The Conclusion”, liebe beinharte Porgmetalliebhaber, dreht doch jetzt mal ganz laut auf. Als Gitarrenungelernte habe ich zwar gar nichts zu melden, aber langsam macht mir Herr Gilbert Angst. Ich hoffe nach wie vor, dass er richtig viele Gitarren eingespielt hat, sonst kann ich mir diese Töne nicht erklären. In “Randys Jam” ist also viel Metal, “Long Night’s Journey” gleicht das wieder ein bisschen aus, mir gefällts natürlich durch den intelligenten Gebrauch von Keyboards und Gesang, warum es eine “Re-Introduction” gibt, bleibt wohl länger ungeklärt, vielleicht weil das Thema wirklich gut war. Musikalisch gesehen. Oder weil’s was von Ostern hat. Man findet nämlich Herrn Portnoy von ganz alleine - in einem kurzen aber beeindruckendem Drumsolo. Wow!

Wirklich zu Ende geht es mit “Clothed with the Sun”, wobei ich wieder an Gospel und Whoopi Goldberg denken muss. Die Tür geht einer überraschend dünnen Stimme von Morse zu - und man denkt beim letzten Knatschen, bevor das Schloss zufällt: Das kannst Du aber besser!

Mein Fazit: Dennoch, ein unglaublich vielschichtiges Werk, bei dem sich wieder die Frage stellt, wie man das in einem Jahr Arbeitszeit bewältigen kann.

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging