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Nashgul: Cárcava

Auch Spanien hat den Grindcore im Blut
Wertung: 8,5/10
Genre: Grindcore
Spielzeit: 29:59
Release: 12.10.2016
Label: Selfmadegod Records

Eine halbe Stunde für 14 Tracks? Dabei kann es sich eigentlich nur um Grindcore handeln! Und tatsächlich bieten die Spanier Nashgulauf ihrer zweiten Full-Length seit der Gründung 2001 mit dem schönen Namen „Cárcava“ ausschließlich ultraböses, vor sich hin blubberndes Geschredder, durchsetzt mit mörderisch tief gestimmten Gitarren – keine Schnörkel, kaum Melodien. Grindcore eben. Alle, die da nicht so sehr drauf stehen, können sich jetzt getrost spannenderen Dingen zuwenden.

Zeit gelassen haben sich die Galizier schon, denn das Debüt mit dem wunderbaren Titel „El día después al fin de humanidad“ wurde bereits 2009 veröffentlicht, dazwischen und davor hat sich der Fünfer hauptsächlich Auftritten auf Split-Alben hingegeben. Ausgestattet mit einer Gitarre, einem Bass, einem Schlagzeug und einem Brüllwürfel an vorderster Front, ist die Truppe eigentlich recht dünn aufgestellt, fabriziert aber Krach für drei Combos, da fällt auch kaum die fehlende zweite Gitarre ins Gewicht. „Sänger“ Alex brüllt und kreischt eh alles in Grund und Boden, was sich ihm auch nur ansatzweise in den Weg stellt – durchsetzt ist das Ganze immer mal wieder von eingespielten Samples, beispielsweise beim finalen „Premature Burial (Live Like A Dead)“, das mit seinem Flirren wie eine UFO-Szene aus einem B-Movie klingt.

Gestartet wird aber mit „Progeria inducida“ – und einem Sample, bei dem vermuten könnte, dass es aus einer amerikanischen Übung für den möglichen Atombomben-Angriff stammt. Gruselig verzerrt wird die Stimme des Sprechers gegen Ende, dann springt auch schon Alex aus dem Gebälk hervor und startet den akustischen Amoklauf. Auch im folgenden „Bethlem royal“ wird noch mal gesampelt – diesmal eine kurze Erklärung zur Elektrokrampftherapie und deren Anwendung bei akut schizophrenen Patienten –, bevor der eigentliche Song fast schon ein wenig doomig startet. Natürlich ist der Track vorbei, bevor man ihn richtig bemerkt hat – wenn alle Tracks so nahtlos ineinander übergehen, kann man „Cárcava“ gut und gerne als eine einzige lange Lärmbelästigung betrachten. Wenn ich richtig höre, ist zumindest ein Teil der Texte auf Spanisch, was dem Ganzen nochmal einen überraschend anderen Groove gibt.

Hier Anspieltipps auch nur benennen zu wollen, gleicht eigentlich schon Sisyphus-Arbeit, wenn man sich aber ein wenig Zeit nimmt, kann man durchaus einige Highlights erkennen: „Matriz de manipulación“ und „Cyberpunk Scum“ sind zum Beispiel beides Tracks, bei denen ein wenig Rock’n’Roll eingestreut wird; so klingt es, als hätten sich Napalm Death mit Motörhead gepaart, auch das eine oder andere Gitarrensolo verstärkt diesen Eindruck. Auch „Taxidermia“ fällt als Ton gewordener Schlaganfall durchaus in die Reihe der Nashgul-Songs, die sich einem unwiderruflich einprägen – da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinhören soll: Kettensägen, Sirenen, Gebrüll, also ergeben sich die Trommelfelle einfach still und heimlich und werden Fans, um nicht völlig niedergemetzelt zu werden.

Nashgul kriegen es auf „Cárcavan“ ganz gut hin, den Hörer völlig zu plätten. Bevor man nun gar nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist, entscheidet man sich rasch für 8,5 Punkte – Grindcorefans dürften sich hier auf jeden Fall über jeden Song freuen, als Dauerkost für den Rest der Welt ist die Platte aber einen Tick zu schwer. Allerdings: Nashgul schaffen es mit minimalen Veränderungen maximale Wirkung zu erzeugen. Technisch könnten hier also auch andere Metalfans ein paar interessante Spielereien entdecken.

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