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Narrow Head: 12th House Rock

Ein echter Grower - wenn man sich an die Stimme gewöhnt hat
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock, Grunge
Spielzeit: 51:41
Release: 28.08.2020
Label: Holy Roar/Run For Cover

Narrow Head aus Texas sind beim besten Willen keine einfache Band. Nicht nur, dass ihr im Sommer erschienener Zweitling „12th House Rock“ in Teilen frappierende Ähnlichkeiten mit The Smashing Pumpkins aufweist, die erklärtermaßen nicht zu den Lieblingsbands der Schreiberin dieser Zeilen gehören, thematisch beschäftigen sich die 13 aktuellen Songs auch mit zur Musik passenden düsteren Themen wie Depressionen, Verlust und Selbstmedikation. Eigentlich also kein Album, das man zwingend bei strahlendem Sonnenschein zu hören gedenkt – andererseits ist es aber nur folgerichtig, dass die zarten Strahlen beim Anhören durchs Fenster scheinen, denn auf „12th House Rock“ gibt es auch noch jede Menge hoffnungsvoller Momente.

Neben dem etwas gewöhnungsbedürftigen Sound, der wahlweise sumpfig und erschlagend durch die Boxen brodelt, kann durchaus auch die Stimme von Fronter Jacob Duarte dazu beitragen, das Hörerlebnis zu schmälern. Da muss man schon tief im Alternative Rock der Neunziger verwurzelt sein, um das nölig-nasale Gesinge auf Dauer durchzuhalten – aber auch hier gilt: Zur Musik der Texaner passt das wieder irgendwie ganz gut.

Da wird man beim forschen „Ponderosa Sun Club“ mit seinen bratenden Gitarren schon mal 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert, gleichzeitig reitet der Track auf einer Reihe wunderbarer Melodiebögen, während sich der Titeltrack als Verzerr-Orgie reinsten Wassers inszeniert und dann nahtlos in das dreckige „Hard To Swallow“ übergeht, bei dem zumindest die Instrumentalparts auch mal an die mächtigen Deftones erinnern (inklusive verzerrtem Geschrei). Der aufmerksame Leser ahnt es: Narrow Head bedienen sich an den düstersten Momenten der alternativen Neunziger und Anfangs-2000er – und mausern sich nach einigen Durchgängen tatsächlich zu einem Selbstläufer.

In ihren ruhigeren Momenten wie beim besoffen dahinschwebenden „Nodding Off“ klingen die Amis dann eine Spur zu nörgelig, viel mehr Spaß machen da Temponummern wie „Night Tryst“, bei denen vor allem das druckvolle Drumming gelobt werden muss, das sicherlich von einer transparenteren Produktion profitiert hätte. Den Grunge-Charakter kann man dem Sound aber so definitiv nicht absprechen.

Nachdem den Hörer die genervte Indifferenz bei „Delano Door“ förmlich anspringt (und zum vorzeitigen Skippen animiert), kann gottlob „Bulma“ wieder deutlich mehr Power durch die Boxen schicken; auch hier ist man fest in den Neunzigern verankert, fast fühlt man sich genötigt, Cordhosen und Flanellhemden rauszukramen – richtig nostalgisch kann man da werden, zumal der Song einen der stärksten auf „12th House Rock“ darstellt.

Man braucht schon einige Versuche, um sich mit der zweiten Scheibe der Texaner wirklich wohlzufühlen. Immer wieder nölt der Gesang so herzzerreißend anstrengend durch die Boxen, dass die Skiptaste einen unwiderstehlichen Charme auszuüben beginnt – das Gros der Scheibe kann aber überzeugen und wächst eher mit der Anzahl der Durchläufe. Ein echter Grower also, den die Jungs hier fabriziert haben, allerdings mit gewöhnungsbedürftigen Einsprengseln.

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