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Napalm Death: Apex Predator - Easy Meat

Auch Album Nummer 15 knallt ordentlich
Wertung: 8/10
Genre: Grindcore, Punk, Metal
Spielzeit: 40:05
Release: 26.01.2015
Label: Century Media

Eine Band, die seit drei Jahrzehnten kontinuerlich Musik fabriziert, ist selten genug – wenn all die Jahre nicht nur Songs geschrieben, sondern auch mit tieferem Sinn und Inhalt gefüllt wurden, kann man das schon mal gesondert erwähnen. Seit ihrem 1987er Erstling „Scum“ haben die Briten Napalm Death sich im Grindcore, Punk, Hardcore und Metal einen Ruf erspielt, dem die Herren auch im Jahr 2015 immer noch gerecht werden wollen. Alt werden möchte das Quartett nicht, stattdessen widmen sie sich auf ihrem aktuellen Rundling „Apex Predator – Easy Meat“ dem Thema Sklaverei, das nicht etwa in die Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts führt, sondern ganz klar in die heutige Zeit, die Zeit der Textilfabriken und Kinderarbeit.

So rotzig wie zu ihren früheren Zeiten sind Napalm Death freilich nicht mehr, dafür wird aber das Tempo nur zögerlich gedrosselt, Barney Greenways Vocals kriechen gewohnt fies aus den Boxen und wie üblich entwickelt sich im Verlauf des Albums eine verstörende Soundkulisse, die absolut durchdacht wirkt, ohne steril zu sein.

Dabei sieht es zu Beginn gar nicht nach einem typischen Napalm-Album aus: Der Opener und Titeltrack schlägt zwar mit fast vier Minuten zu Buche, kann also kaum als knackiges Intro bezeichnet werden, dafür wird hier aber eine fast doomige Atmosphäre mit langsam hallendem Sprechgesang und fast nicht vorhandener Instrumentierung aufgebaut. Ein bisschen Brainstorming ist schon erforderlich, bevor man hier Parallelen zu den Landsmännern Killing Joke ziehen kann – diese arbeiten zwar vermehrt mit Electro-Einflüssen, die Stimmung ist aber ganz ähnlich wie bei Jaz Colemans wahnwitzigen musikalischen Irrfahrten.

Bereits „Smash A Single Digit“ schlägt dann wieder mit knapp anderthalb Minuten und ordentlich Gitarrengefrickel heftig zu, hier klingen die Briten dann schon eher wie auf ihren letzten Veröffentlichungen. Auch die Struktur erkennt man wieder: Die meisten Songs bewegen sich so zwischen zwei und dreieinhalb Minuten – kurz, knackig, angepisst, wie man den Vierer kennt. Da klingen Tracks wie „Stubborn Stains“ erstaunlich frisch dafür, dass die Mitglieder ja nun wirklich nicht mehr die Allerjüngsten sind. Auch den Groove haben Napalm Death keineswegs verloren: „Timeless Flogging“ geht geradewegs in die Beine oder wahlweise in den Kopf, je nachdem, ob man mehr auf Pogen oder Headbangen steht.

„Dear Slum Landlord...“ betritt dann wieder dieses leicht doomige Terrain, das einen bei einer solchen Band irgendwie ein wenig gruselt. Schneller können sie definitiv besser, und da wird hier auch ein geniales Zwischenstück geschaffen, ein kurzer Ausraster, der aber eine dicke Gänsehaut produziert. Besonders muss hier Drummer Danny Herrera hervorgehoben werden, der im Hintergrund eine wahnsinnig geile Stimmung aufbaut.

Ob mit unglaublich fiesem Gekeife wie bei „Beyond The Pale“, hardcore-lastigem Geballer und sogar klarem Gesang („Hierarchies“) oder beim Grind-Geknüppel im vorletzten „One-Eyed“ – Napalm Death klingen tatsächlich kein bisschen alt oder eingestaubt. Sie rütteln auf, sie schütteln einen durch und sie gehen mit dem Kopf durch die Wand – auch 2015!

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