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Nahemah: A New Constellation

Weltoffener Metal-Crossover mit Verstand und Gefühl
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Metal, Ambient
Spielzeit: 48:42
Release: 22.05.2009
Label: Lifeforce Records

Die aus dem spanischen Alicante stammende Band Nahemah machte ihre ersten Gehversuche im Musikgeschehen ab dem Jahr 1997 im Genre des Black Metal. Doch nachdem das Besetzungskarussell einige Runden gedreht hatte, fanden sich auch alsbald weitreichende musikalische Einflüsse in den Kompositionen der Band wieder. Zu nennen wären hier Einflüsse aus dem Bereich des Progressive Metal, des Post Hardcores, Doom Metals und auch das Ambient-Genre fand Einzug in die Musik der Spanier.  

Neben Parts voll Death Metal-orientierter Gewaltigkeit tragen eben die ätherischen, relaxten Passagen, in denen Cleanvocals nebst Keyboards, einem Piano oder einem Saxophon dominieren, dazu bei, dass sich diese CD geradewegs in die Herzen der Hörer spielt. 

So starten wir die moderne, musikalische Reise mit „Much Us“, in dessen Intro Gitarren erklingen, unter die sphärische Keyboardsamples gemischt wurden. Dazu erklingen dann – recht ungewöhnlich – markige Growls. Trotzdem bleibt die gesamte Textur recht relaxt, gerade auch wegen des überaus ausgeklügelten instrumentalen Zwischenstücks. Sogar das 70´er Jahre-Keyboard-Geplänkel stört hier in keinster Weise, es trägt vielmehr zu der relaxten und weltoffenen Grundstimmung bei. Ein starker Opener, der überrascht und überwältigt. 

Eine hochprozentige Spirituose stand Pate für den Titel des zweiten Track „Absynthe“. Fast genauso hoch wie die Prozentzahl dieses Getränks geht es hier eingangs auch tempomäßig zur Sache. Die atmosphärische Dichte ist in diesem Stück wiederum sehr hoch. Auf weiten Strecken dominieren hier die gegrowlten Vocals. In einem wunderschönen Break erklingt dann das Saxophon und hier wird die weltoffene Grundausrichtung der Musik von Nahemah deutlich. Von Grund auf schön und auch ergreifend folgen dann die Clean-Vocals, für welche die Band einen Extrapunkt verdient hat, da diese absolut das Herz berühren, ohne in irgendeiner Weise kitschig zu sein, nein, sie klingen einfach nur ehrlich und daher umso schöner.  

Mit “Follow Me” folgt das absolute Highlight dieses Albums: Was die Keyboards hier an Stimmung erzeugen, während sie vom Bass und den Drums begleitet werden, ist weltmeisterlich. Die Growls stellen hier wieder die härtere Schiene des Stücks dar, während immer wieder diese fluffigen Keyboards-Breaks das Ganze auflockern. Das absolute I-Tüpfelchen bilden auch hier wieder diese grandiosen Cleanvocal-Passagen, die, bestens in das Gesamtgefüge eingewebt, überhaupt nicht aufgesetzt wirken, sondern mit einer bemerkenswerten Dezenz involviert werden. Ein absolut überzeugendes und grandioses Stück, welches wiederum mit den Klängen des Saxophons aufgemotzt wird. Es ist unbeschreiblich genial zu hören, wie die Jungs die klassischen Instrumente einer Metalband mit einem Saxophon und einem Keyboard sowie Cleangesang kombinieren. Ein absolut wunderschöner Song, der jedem ans Herz gelegt sei.  

Forscher vonstatten scheint es im folgenden Song „Reaching The Stars“ zu gehen, doch auch hier bilden die Growls in der Strophe mit den Cleanvocals im Refrain eine perfekte Symbiose. Die Grundstimmung ist in diesem Stück einen ganzen Tacken düsterer als noch bei dem Vorgänger-Song. 

Gar treibend kann man das Tempo eingangs “The Perfect Depth Of The Mermaids” bezeichnen. Auch hier verzaubern die Cleanvocals wieder absolut und dies nicht nur wegen des bestens in Szene gesetzten Kontrasts zu den Growls. Nahemah bieten hier ganz hohe hartmetallische Kunst, die die Grenzen zu relaxter Weltmusik sprengt. Ein Song, bei dem man sich problemlos fallen und treiben lassen kann – perfekt zum Relaxen nach einem stressigen Arbeitstag. Dazu sind diese unbeschreibliche hochklassigen instrumentalen Klangteppiche einfach prädestiniert und unterstreichen einmal mehr die Klasse der Spanier.  

„Air“ – der Songtitel dieses Intermezzos ist Programm, denn das, was den Hörer bei Start des Songs erwartet, ist einfach wunderschön ätherisches, von dem Saxophon getragenes Instrumental – begleitet durch ein smooth aufspielendes Drumkit und begleitender Gitarre. Dazu eingespielte Sprachsamples und fertig ist ein weiteres Stück, von dem ich niemals für möglich gehalten hätte, dass ich das so gut finden würde. 

Unüberhörbar auch die Hammond-Orgelklänge eingangs „Under The Mourning Rays” und ich bin mehr als verwundert, dass mich diese nicht nur nicht stören, sondern dass sie hier einfach dabei sein müssen und mir neben dem Saxophon einen weiteren Flash bescheren. Der musikalische Ideen-Fundus der Spanier scheint schier unerschöpflich. 

Komisch fast, dass “The Trip” lediglich in dem ruhigen Instrumental-Part punkten will, in welchem von Metal so gar nicht wirklich etwas zu hören ist. 
Eine Lektion in Sachen Relax-Musik bekommt der Hörer mit “Smoke's Men” vorgelegt. Obwohl hier die Growls wieder die Oberhand übernehmen und im Hintergrund Sprachsamples zu hören sind, kann man sich problemlos in diesen Kompositionen fallen lassen. Ideale Chill-Musik der Spanier, obwohl ich den Ambient-Part gegen Songende für ein wenig zu ausgedehnt empfinde.

Die klangliche Reise in die Musikwelten der Spanier findet mit “Outer” ihr Ende: Ein relaxter Beat, dazu Synthiesamples und eine E-Gitarre bestreiten den Songbeginn und beweisen ein letztes Mal, welche schöne Kompositionen die Jungs aus dem Ärmel zu schütteln vermögen. Assoziationen zu Walgesängen kommen bei den Hintergrundgeräuschen auf. Lediglich das jähe Ende des Instrumentals reißt den Hörer aus den Traumwelten, in die er beim Hören dieses Werkes gelangt ist  

Fazit: Ich kann mich kaum erinnern, jemals etwas so Vollkommenes gehört zu haben, das sich aus so derart mannigfaltigen und unterschiedlichen Genres zusammensetzt. Wir haben es bei „A New Constellation“ mit einem vollkommen zeitgemäßen, modernen Album zu tun, das musikalische Genregrenzen sprengt und den Hörer absolut begeistert und ergriffen zurück lässt. Ich bin tief beeindruckt von diesem Album.  


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