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Naglfar: Téras

Auf die Band ist einfach Verlass
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Black Metal
Spielzeit: 44:35
Release: 23.03.2012
Label: Century Media

Die veröffentlichungsfreudigste Band war Naglfar noch nie. In den 20 Jahren ihres Bestehens kommen die Schweden inklusive ihrer neuen Scheibe „Téras“ auf gerade einmal sechs Full-Length-Alben und nachdem man zumindest bei den letzten drei Platten jeweils einen Zweijahresabstand hatte, hat es diesmal geschlagene fünf Jährchen gebraucht, um den Nachfolger des 2007er Outputs „Harvest“ auf die Menschheit loszulassen. Doch wie immer gilt: Qualität vor Quantität und in dieser Hinsicht wurde man von Naglfar stets verwöhnt, denn als schlecht darf man keine einzige Veröffentlichung der Black-Metaller bezeichnen. Allerdings sind viele der Meinung, die Jungs hätten bereits mit ihrem Debüt „Vittra“ ihr bestes Werk eingespielt, und dass alles danach zwar sehr gut sei, aber eben nicht mehr diese sensationelle Klasse erreiche, sieht man mal vom 2003 erschienenen „Sheol“ ab.

Nach jener Platte wiederum verließ zum Entsetzen der Schwarzkittel-Community Frontmann Jens Rydén die Gruppe, für ihn übernahm ab dort Bassist Kristoffer Olivius die Vocals und es steht außer Frage, dass der Mann einen ausgezeichneten Job abliefert. An ihm liegt es nicht, dass „Pariah“ und „Harvest“ zwar starke Alben waren und sind, aber eben nicht das überirdische Niveau von „Vittra“ und „Sheol“ erreichen – vielmehr ist es einfach so, dass man Meisterwerke dieses Kalibers nicht am laufenden Band produziert.

Mit der vorliegenden Langrille „Téras“ verhält es sich ähnlich wie mit den beiden Vorgängern. Es handelt sich erneut um ein gutes bis streckenweise sehr gutes Album, das erwartungsgemäß aber auch diesmal nicht an „Vittra“ und „Sheol“ heranreicht. Die Band hat nicht gerade übermäßige Überraschungen auf der Pfanne, aber auch das war nicht zu erwarten. Dafür punktet sie mit ihrer unglaublichen musikalischen Klasse (andere Combos, gerade in diesem Genre, würden dafür töten) und dem Händchen für gutes Songwriting.

Es ist beinahe einzigartig, wie schlüssig, locker und genial zwischen melodischen Momenten, getragener Erhabenheit und wütender Raserei gewechselt wird – die Art, wie Naglfar das betreiben, wird nur noch von alten Dissection erreicht. Natürlich lauern gerade die melodischen Momente häufig im Verborgenen, warten aber nur darauf, entdeckt zu werden. Hat man sich in Geduld geübt und ein paar Durchläufe hinter sich, wird man jedenfalls einmal mehr mit Gitarrenspielereien allererster Güte belohnt; einfach fantastisch, was Andreas Nilsson und Marcus E. „Vargher“ Norman da erneut vom Stapel gelassen haben. Welches andere Gitarrendoppel der Szene schafft es bitte noch, solche melodischen Elemente zu verwenden, doch diese so subtil zu platzieren, dass kein bisschen Härte oder Authentizität verloren gehen würde, und so verspielt zu klingen und ein derart hohes technisches Niveau zu besitzen, ohne dass die Gefahr der Effekthascherei bestünde?

Insbesondere in den etwas leichter zugänglichen Stücken à la „III: Death Dimension Phantasma“, „Bring Out Your Dead“ oder „An Extension Of His Arms And Will“ (bereits zuvor auf einer gleichnamigen EP erschienen) finden sich diese typischen Naglfar-Melodien wieder, eingebettet in eine ebenso einzigartige, faszinierende Atmosphäre, doch auch bei aggressiveren Nummern wie den sich größtenteils in Transrapid-Temporegionen abspielenden „Pale Horse“, „Come Perdition“ oder „Invoc(H)ate“ wird einem erst nach einigen Rotationen richtig bewusst, was für geile Einfälle da eigentlich hinter stecken. Auch der zermalmende Track „The Monolith“, der aufgrund seiner bösartigen, kriechenden Langsamkeit sicherlich etwas aus dem Rahmen fällt, und das abschließende, achtminütige Midtempo-Epos „The Dying Flame Of Existence“ sind es wert, erwähnt zu werden.

Als Naglfar-Fan braucht man sich keine großen Gedanken machen, sondern kann einfach zuschlagen. Auf die Band ist Verlass; sie ist und bleibt eine der musikalisch besten Black-Metal-Bands und überzeugt auch auf „Téras“ mit abwechslungsreichem Songwriting und großer Spielfreude. Letztere gilt auch für Soilwork-Drummer Dirk Verbeuren, der das Schlagzeug aufnahm (Naglfar haben schon seit einiger Zeit keinen festen Schlagwerker mehr im Line-Up) und insgesamt einen tollen Job hinlegt, wenngleich es bei zwei oder drei Stellen – kaum zu glauben – tatsächlich mal etwas holprig klingt. Über diesen kleinen Makel kann man jedoch problemlos hinwegsehen, die Basis jedenfalls muss dieses Album besitzen. Das Coverartwork ist übrigens ebenfalls beängstigend cool geworden.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann