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Naglfar: Cerecloth

Auch nach acht Jahren VÖ-Pause nix Neues
Wertung: 7,5/10
Genre: Melodic Black Metal
Spielzeit: 43:48
Release: 08.05.2020
Label: Century Media

Acht Jahre ist es schon wieder her, dass Naglfar ihre letzte Scheibe „Téras“ veröffentlicht haben – zwei Jahre bevor Deutschland das letzte Mal die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat. Und Götz Kühnemund war damals noch Chefredakteur vom Rock Hard. Nun ja, die Schnellsten sind sie nun mal nicht (auch wenn sie eine kurze Phase hatten, wo es neue Alben im Zweijahresrhythmus gab), dafür wurde man stets mit Qualität verwöhnt. Doch so gut „Pariah“, „Harvest“ und „Téras“, ihre letzten drei Scheiben, auch waren und sind – die schwedischen Schwarzwurzelheimer haben das Luxusproblem, dass sie immer wieder an ihren Überwerken „Vittra“ und „Sheol“ gemessen werden.

Und um es gleich zu spoilern: Auch mit ihrem siebten Studiolangeisen kommt die Truppe nicht an jene Großtaten heran. Schlimmer noch: „Cerecloth“ enttäuscht nach den ersten ein, zwei Durchgängen gar. Verändert wurde im Prinzip gar nichts – allerdings: Wer hat bei dem Trio schon bahnbrechende Innovationen erwartet, zumal Gitarrist Andreas Nilsson die Scheibe mit „The usual death and destruction“ umschrieb, was suggeriert, dass im Hause Naglfar auch diesmal nicht das Rad neu erfunden wurde.

Der Großteil der Schwarzmetallfraktion dürfte ohnehin nicht allzu sehr an Neuerungen der Marke „Outside the box“ interessiert sein und sich wahrscheinlich eher als bestens bedient betrachten. Es wird munter geknüppelt – der eröffnende Titeltrack bewegt sich bereits in Hochgeschwindigkeitsregionen, das rasende „The Dagger In Creation“ setzt da sogar noch mal einen drauf und auch „A Sanguine Tide Unleashed“ prügelt dem Hörer ordentlich die Scheiße aus dem Leib.

Natürlich ist die Band immer noch schlau genug, um zu wissen, dass es zwischendurch ein paar Verschnaufpausen braucht, zumal das kriechende Böse mindestens genauso wirkungsvoll ist wie das, das mit voller Kraft zuschlägt. So präsentiert sich „Like Poison For The Soul“ als sinistere Midtempo-Hymne, „Cry Of The Seraphim“ bewegt sich bis auf eine kurze Uptempo-Sequenz ebenfalls in relativ gemäßigten Temporegionen und setzt zudem auf prägnante, Fanfaren-artige Gitarren.

Gerade die Gitarren waren bei den Schweden immer das, bei dem es sich besonders lohnte, genau hinzuhören. Stets beherrschten sie wie einst ihre offensichtliche Lieblingsband Dissection die Kunst, bei aller Aggressivität, Geschwindigkeit und Härte zahlreiche versteckte Melodien einzubauen, die sich erst nach ausgiebiger Beschäftigung mit der Platte richtig offenbaren. Auf „Cerecloth“ ist das nicht anders, man sollte sich also von den ersten unter Umständen unbefriedigenden Durchläufen nicht entmutigen lassen. Das starke „Vortex Of Negativity“ (cooler Titel) pendelt gekonnt zwischen Raserei, Mid- und Downtempo und bietet eingängige Licks, in das bereits erwähnte „The Dagger In Creation“ wurde ebenfalls in gelungener Manier eine harmonische Passage eingewoben und das epische Finale „Last Breath Of Yggdrasil“ verknüpft mächtige Gitarrenwände, pfeilschnelle Riffs und düstere Melodien.  

Die Stimmung ist dabei gewohnt unheilschwanger und finster und das Geschrei und Gekeife von Sänger Kristoffer Olivius macht einem auch 2020 Angst und Bange; sich derart fies und hasserfüllt wie dieser Kerl die Seele aus dem Leib zu kotzen, gelingt nicht jedem Black Metal-Fronter. Passend natürlich auch das schaurige, geisterhafte Coverartwork, das die Essenz der Musik und die Attitüde der Band perfekt einfängt.

Also doch alles gut? Nicht ganz, denn auch wenn die Hooklines sich auf Dauer doch irgendwann festsetzen, denkt man ein bisschen wehmütig an solch grandiose Ohrwürmer wie einst „Black God Aftermath“, „Of Gorgons Spawn Through Witchcraft“ oder „The Mirrors Of My Soul“ – solch starke Songs sind auf „Cerecloth“ leider nicht zu finden. Auch die Produktion ist ein wenig unausgegoren und verwaschen, der Gesang insgesamt zu sehr in den Hintergrund gemischt. Eine Enttäuschung ist das Album letztlich nicht, dazu agieren Naglfar musikalisch weiterhin zu clever und sind der Konkurrenz allein wegen ihrer handwerklichen Fähigkeiten größtenteils klar überlegen. Einen Tick mehr Kreativität hätte es allem erwartbaren Dissection-Worshipping zum Trotz nach acht Jahren dennoch sein dürfen und zieht man beispielsweise die neue Platte der Genrekollegen von Dark Fortress, die sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen, als Vergleich heran („Spectres From The Old World“ erschien im Februar), hinkt „Cerecloth“ klar hinterher.

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