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Nagelfar: Hünengrab im Herbst (Re-Release)

Transparenterer Sound als beim Original plus Bonussong
keine Wertung
Genre: Black Metal
Spielzeit: 59:23
Release: 27.03.2009
Label: Ván Records

„Hünengrab im Herbst“ von der deutschen Black-Metal-Combo Nagelfar – nicht zu verwechseln mit den Schweden Naglfar, wie an dieser Stelle noch einmal erwähnt sei – erschien ursprünglich bereits 1997, war das Debütalbum dieser Band und gilt heutzutage als unbestrittener Klassiker. Kein Wunder, schaffte es die Gruppe um Schlagzeuger Alexander von Meilenwald und Gitarrist Zorn doch auf eine ganz eigene Art und Weise, die Kunst des Schwarzmetalls zu zelebrieren. Die klaren, schaurig-schönen Gesangspassagen, die immer wieder im Wechselspiel mit dem Kreischgesang ertönen, unterstreichen nur die Tiefe, die dieser Band anheimwohnt und die deutschen, sehr poetischen Texte, die germanische Mythologie behandeln, tragen natürlich ebenso ihren Teil zu Nagelfars Ausnahmestatus bei. 

In erster Linie aber sind das unheimlich abwechslungsreiche Songwriting und die für eine Black-Metal-Band ziemlich vielschichtigen Arrangements die Hauptfaktoren, die diese Band auszeichnen: Hier erklingt eine Pianopassage, da eine Akustikgitarre und dort atmosphärische Keyboardsounds. Dies alles wurde jedoch selbstredend stets songdienlich und überlegt eingesetzt.

Im Opener „Seelenland“ – einem geradezu eingängigen Kracher – wird auch sofort die Atmosphäre deutlich, die diese Band vermittelt. Wütende, kompromisslose Blastbeats wechseln sich mit melancholischen, etwas gemäßigteren, von Keyboards unterstützten Sequenzen ab, das Gekreisch von Frontmann Jander wirkt dem Text entsprechend geradezu verzweifelt und der klare, aber tiefe Gesang im Hintergrund scheint diese Hoffnungslosigkeit nur zu bestätigen.

„Schwanengesang“ ist mit über 14 Minuten dann das erste überlange Epos auf „Hünengrab im Herbst“; eine erstklassige Komposition, die durch geniales, mitreißendes Riffing glänzt, mit teilweise obskuren Keyboardsounds überrascht und durch die zwischendurch eingestreuten akustischen Parts und die Midtempo-Passagen mit gesprochenem beziehungsweise clean gesungenem Text eine unglaubliche Dynamik und Spannung besitzt.

Der Titelsong wiederum ist ein durch das Piano und düsteren, hypnotischen Klargesang getragenes, unheilschwangeres Stück, das sich gegen Ende mit der Mantra-artig wiederholten Zeile „Ein Kreuz muss brennen“ kontinuierlich steigert, um schließlich zum nächsten Track „Bildnis der Apokalypse“ überzuleiten, bei welchem der Titel einmal mehr Programm ist: Es regiert in erster Linie Blastbeat-Raserei, die allerdings völlig problemlos von vereinzelten melancholischen Momenten unterbrochen wird.

Die beklemmende, apokalyptische Stimmung bleibt natürlich auch beim folgenden, fast zehnminütigen „Srontgorrth (Das dritte Kapitel)“ erhalten, welches mit Textzeilen des Kalibers „Der Frühling erstarb auf meinen Lippen“ und musikalischem Abwechslungsreichtum erneut beweist, wie scheinbar leicht Nagelfar Schönheit und Hässlichkeit in einem Stück unterbringen. Wirklich beeindruckend, welch einzigartige Atmosphäre diese Band zu kreieren in der Lage ist.

Abgeschlossen wird diese Klassikerscheibe letztlich in Gestalt von „Der Flug des Raben“, dem zweiten Viertelstunden-Epos nach „Schwanengesang“. Mit „Fressen der Raben“ gibt es im Gegensatz zum Original zwar noch einen Bonustrack auf diesem Re-Release zu hören, allerdings passt der nun wirklich überhaupt nicht zum Rest des Albums. Musikalisch viel spartanischer und roher arrangiert als die vorigen Stücke und vom Sound her deutlich schlechter, handelt es sich hier um einen alten Demosong, den man mit dazugepackt hat. Meiner Meinung nach stört das eher die Stimmung dieser grandiosen Scheibe, von der ich zwar „Schwanengesang“ als das absolute Highlight ansehe, die man aber trotzdem unbedingt am Stück genießen sollte.

Doch wie dem auch sei: Was bringt diese Wiederveröffentlichung nun eigentlich? Zumindest der Sound ist sicherlich transparenter als auf dem Original, ohne großartig an Authentizität einzubüßen, insofern können alle, die „Hünengrab im Herbst“ noch nicht ihr Eigen nennen, ohne Bedenken zugreifen. Über das neue Cover kann man geteilter Meinung sein, wobei die Sepiafarben im Booklet andererseits auch nicht ganz unpassend zur Atmosphäre dieser CD sind. Das ändert allerdings ohnehin nichts daran, dass die Musik genial ist und bleibt. Von einer Wertung sehe ich dennoch ab, da es sich nun einmal um einen Re-Release und keine neue Veröffentlichung handelt.

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