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Mystigma: Andagony

Solide eingespielte Routine
Wertung: 5/10
Genre: Metal/Rock
Spielzeit: 55:26
Release: 01.10.2010
Label: Echozone

In Zeiten, in denen alle sechs Monate ein „Superstar“ gegen den nächsten ausgetauscht wird, werden Beständigkeit und Durchhaltevermögen zu scheinbar vergessenen Tugenden. Insofern muss man schon deswegen der vor 16 Jahren als Tears Of Mystigma gegründeten Band aus NRW Respekt zollen. Mit „Andagony“ legt sie nun ihren zweiten Longplayer als Mystigma vor. Satte 13 Songs plus Video serviert das Quartett darauf dem Hörer. Und auch das zeichnet die Band um die Bäumer-Brüder Thorsten (Gesang) und Jörg (Gitarre) als Überlebende einer Dekade aus, in der noch keiner ahnen konnte, dass Online-Tauschbörsen und illegale Downloads das Konsumentenverhalten entscheidend verändern würde:

Statt kompletter Alben werden zunehmend einzelne Songs gehört, was wiederum die Lebenserwartung von Karrieren am Musikmarkt rapide sinken lässt. Wer es indes schafft, gegen den Trend sein eigenes Ding durchzuziehen, beweist damit nicht nur künstlerisches Selbstbewusstsein. Schließlich liegt darin die explizite Aufforderung, sich mit Werk und Interpret auseinanderzusetzen, anstatt sich nur ein weiteres Mal von gefälligem Hintergrundrauschen berieseln zu lassen. So gesehen sind Mystigma wunderbar retro. - Früher war ja nicht alles schlecht.

Dennoch präsentieren die Westfalen mit „Andagony“ ein Album, das alles enthält, was man heutzutage von ihrem Genre erwarten kann: Atmosphärische Kracher und melodische Songs wie den Opener „Quicksand“ oder die auch als Video enthaltene Single „Vision Incomplete“, die manch einer, ehe er sich versieht, mitsummt. Ein Rhythmus-Mix aus Schlagzeug mit Schub und gluckernden Sequencern, extra düstere Gitarrenriffs (tiefer gelegt bis zum Black-Sabbath-Gedenk-Cis), dazu Thorsten Bäumers rauer Bariton, getragen auf einem dichten Strom wuchtiger Streicher. Mystigma wissen eben, wie man bewährte Zutaten aus rund zwei Jahrzehnten Gothic Metal zu einem wirkungsvollen Cocktail zusammenbraut. Kompetenzen, die eine Band, die selbst nahezu genauso lang existiert, zweifelsohne authentischer verkaufen kann als Szene-Frischlinge, die „Gothic“, „Wildhoney“, „Bloody Kisses“ oder Love Like Bloods „Exposure“ erst im Nachhinein kennengelernt haben.

Doch ebenso wie beispielsweise Paradise Lost kranken die Nachfahren aus NRW an diesem einen Sound: So druckvoll die einzelnen Songs auch aus den Boxen tönen, so eintönig wird das Album spätestens zur Hälfte der Spielzeit. Die dichten Klangstrukturen lassen dem Hörer nur selten Raum zum Durchatmen, bevor die Band wieder losbrettert. Bäumers belegte Stimme, im Einzelfall noch als „charismatisch“ zu bezeichnen, klingt insgesamt eine Spur zu angestrengt, während seine Gesangslinien tonal - ebenso wie das durchschnittliche Metrum der Songs - nur wenige Ausreißer erkennen lassen. Zwar gelingt es der Band, die riffbetonten Strophen ein ums andere Mal in eingängigen Refrains münden zu lassen, aber gerade dadurch währt das im Presse-Info der Band vollmundig attestierte „Ohrwurmpotenzial“ nicht länger als der Song selbst. Für beinharte Szene-Fanatiker sicher ein weiteres Highlight des Jahres. Für Hörer mit mehr Distanz jedoch allenfalls solide eingespielte Routine.

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