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Myra: Godspeed

Ein gelungenes Stück Mosh-Kultur
Wertung: 8/10
Genre: Metal, Hardcore
Spielzeit: 43:18
Release: 14.05.2010
Label: European Label Group

Myra sind eine Band, die erst allmählich wirkt. Ihr erster Output „Myra“ ging gänzlich an mir vorbei, ihr erstes Full Length-Album „The Venom It Drips“ war zwar ambitioniert, aber irgendwie nicht ganz das Richtige – erst ihr aktuelles Scheibchen, „Godspeed“ mit Namen, weiß die Schreiberin dieser Zeilen zu überzeugen. Brutaler Hardcore mit ordentlich Death Metal-Anteil, walzende Gitarren und heisere Vocals, das sind der Stoff, aus dem Core-Träume sind – wobei man nicht mal mit Sicherheit sagen kann, ob man die Fünf nun einfach als „Deathcore“ abstempeln oder doch das wesentlich mehr Freiraum lassende Prädikat „Metal, Hardcore“ einschieben möchte.

Dabei reihen sich die Leipziger in die Riege der „grünen“ Metalbands ein – Sänger Sebastian Spillner ließ sich für eine Veganer-Kampagne ablichten und auf der Rückseite der aktuellen Platte prangt das Logo von PETA mit dem Slogan „Animal Liberation!“. Eine gute Sache ist das, das haben auch schon Heaven Shall Burn und Scarscab erkannt und vor allem ist es eine Sache, die es allemal wert ist, besprochen zu werden. Die Texte der Jungs befassen sich dementsprechend nicht nur mit den üblichen „Du wirst dafür bezahlen, was du mir vor 20 Jahren angetan hast“-Klischees, sondern mit den Fehlern, die die Menschen begehen – das sind einige, wie wir wissen und entsprechend deftig fällt der musikalische Output auf „Godspeed“ aus.

Als wäre Sebatians Stimme alleine nicht schon heftig genug, haben sich Myra für „Phobia“ auch noch prominente Hilfe in Form von War From A Harlots Mouth-Schreihals Nico ins Boot geholt. Was dabei herauskommt, ist mehr als brutal und ein wahrer Ohrenschmaus. Das gilt übrigens für alle zehn Stücke auf dem neuen Album, das eine recht ausgewogene Mischung aus Breakdowns, Moshattacken, ordentlichem Gebrüll und Gitarrensoli beinhaltet – genau das richtige für die hitzige Jahreszeit.

„Architects“ fungiert als Opener und präsentiert sich mit zuerst schleppender, dann regelrecht rasanter Dynamik, im Geiste sieht man, wie sich die Körper im Mosh verknoten und Haare bis zur Selbstaufgabe geschwungen werden – eine Art Startschuss, wenn man so will. Das Quintett keift ordentlich drauflos, ein bisschen Heaven Shall Burn-Feeling kommt bei „The Change And The Unchangeable“ auf, das nebenbei mit einem genialen Refrain und einem ebenso brillianten Gitarrensolo punkten kann.

Obwohl man das bei einem solchen Einstand kaum erwartet hätte, steigt der ein oder andere Ohrwurm im Soundgebräuch hoch – „Said And Done“ beispielsweise, das mit genauso viel Power auf den Hörer eindrischt wie die übrigen Stücke und ein wenig an Asking Alexandria erinnert. Der angesprochene Gastbrüller von War From A Harlots Mouth macht seine Sache bei „Phobia“ erwartungsgemäß gut, die beiden Sänger harmonieren wunderbar und schaukeln sich geradezu hoch; live dürfte der Track bestimmt abgehen wie Sau, erst recht wenn Myra es hinbekommen, ihren Kollegen mit auf die Bühne zu zerren.

Mit einem effektvoll dramatischen Gitarrenintro wird der Hörer auf „Wrath“ eingestimmt, das in bester Deathcore-Manier erstmal mit dem Kopf durch die Wand schlägt, um dann einen halben Break hinzulegen und das Tempo für einen kleine Moment zu drosseln, bevor die wilde Fahrt weitergeht. Einprägsam wird der Refrain wieder besonders durch die Gitarrenspur, die etwas im Hintergrund bleibt, und durch Gang-Shouts, die dem Song gut zu Gesicht stehen. Mit „The Wreckage“ und sirenenhaften Gitarren, die sich in einem schnellen Solo entladen, entlassen Myra den Hörer schlussendlich.

Fazit: Myra haben nicht die Spitze der Core-Evolution erklommen, dennoch liegt hier eine Platte vor, die über alle Zweifel erhaben ist. Die Gitarrenarbeit der Herren Rony Henkel und Heavy katapultieren die Songs ein ums andere Mal von „gut“ zu „sehr gut“, in einigen Fällen prägen erst sie den Ohrwurmcharakter der Stücke. Gepaart mit Sebastians kraftvollen Vocals bildet sich eine Wand, gegen die es erst einmal anzulaufen gilt, bevor sich die Songs vollständig erschließen – dann zündet ein Großteil allerdings wie eine Bombe.

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