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MyGrain: Planetary Breathing

Erfrischender, weitestgehend vertrauter Cocktail mit modernen Nuancen, der nie die eigentliche Geschmacksrichtung verliert
Wertung: 8/10
Genre: Modern Metal / Progressive Metal
Spielzeit: 53:30
Release: 29.09.2013
Label: Spinefarm Records / Soulfood

Womöglich liegt es ja daran, dass myGrain nicht im berüchtigten Finnvox-Studio aufgenommen haben, dass "Planetary Breathing" nicht sofort wie ein weiterer Abklatsch typisch finnischer Metal-Kunst klingt. Vielleicht ist es der etwas organischere Sound, eventuell die progressivere Herangehensweise, die den Vergleich zu Kapellen wie Sonaata Arctica im Keim ersticken. Und eventuell sind es diverse heftigere Eruptionen, die das neue Album des finnischen Sextetts zeichnen, die schließlich dazu führen, dass die Band trotz so vieler charakteristischer Suomi-Fragmente nicht sofort in den gleichen Kessel wie 99 Prozent der Konkurrenz geschmissen wird.

Nichtsdestoweniger ist die Herkunft von myGrain respektive "Planetary Breathing" in sehr vielen kleinen Facetten vorgezeichnet. Da sind beispielsweise die Keyboard-Stakkatos in "Waking Up The Damned", die sofort Erinnerungen an die ersten beiden Children Of Bodom-Platten hervorrufen. Oder das verspielte Arrangement im Titelsong, welches hier und dort an Scar Symmetry und Konsorten erinnert. Und zudem stoßen auch die bekannten Power-Metal-Acts der finnischen Szene schnell ins Gedächtnis, wenn das Tempo in Stücken wie "Black Light Supernova" oder "Dreamscape" mal ein bisschen angezogen wird oder eine anständige Hookline den Sound veredelt.

Bei myGrain ist grundsätzlich alles drin, was der Metal im nordeuropäischen Seen-Staat in den letzten beiden Dekaden hervorgebracht hat: vertrackte Strukturen, zielstrebige Melodiebögen, ein beeindruckender Wechsel aus Clean-Vocals und derben Growls und überdies auch ein gewisser Eigensinn, der aber nicht sofort auch mit Eigenständigkeit gleichzusetzen ist. "Planetary Breathing" vermengt all diese Zutaten zu einem erfrischenden, aber weitestgehend vertrauten Cocktail, der mit vielen modernen Nuancen flankiert wird, trotz aller außergewöhnlichen Wendungen innerhalb der Songs aber nie die eigentliche Geschmacksrichtung verliert - und dies trotz kontrastreicher Kompositionen wie "Ambivalentine" und "The Final Skyline".

Eine einzige Schwierigkeit hat "Planetary Breathing" aber dennoch: Es gibt keine klar definierte Zielgruppe, es sind stattdessen eher die Allrounder gefragt. Die Scheibe ist ein dickes Bündel verschiedenster Einflüsse, die den Liebhaber des leichter verdaulichen Progressive Metals ebenso ansprechen sollte wie den Freund der modernen Sparte. Eindeutige Vergleichsmöglichkeiten gibt es hingegen nicht, nur eben klare Parallelen zu den unterschiedlich ausgerichteten Vertretern der finnischen Metal-Szene - und wer diese liebt, sollte dieses Album ebenfalls mögen.

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