Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

MyGrain: Orbit Dance

Maximal Standardkost
Wertung: 5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 44:50
Release: 23.06.2006
Label: Spinefarm Records

Spinefarm Records servieren uns im Juni auf einem Tablett namens „Orbit Dance“ ihren noch relativ jungen Newcomer MyGrain aus Helsinki, Finnland. Jung deshalb, weil die Band in der jetzigen Konstellation erst seit 2004 aktiv ist. 

Drei der fünf Protagonisten haben sich jedoch schon 1999 zusammengefunden und zockten mit anderen Mitmusikern unter dem Namen „New Science Band“ ein paar Töne zusammen. Doch das hat wohl nicht so funktioniert wie gedacht und aus New Science Band wurde kurzerhand MyGrain. Ein paar Internetanzeigen später wurde dann auch das Line-Up komplettiert, bei dem wohl der erste Preis für den fragwürdigsten Namen an den Drummer DJ Locomotive geht. Ich erspare mir hier jeglichen Kommentar.

Jedenfalls können MyGrain auf zwei Demo-CD´s zurückblicken, welche im Jahr 2004 und 2005 in die Mache genommen wurden. Letztere brachte ihnen dann den Deal mit Spinefarm Recods ein. Also eine kometenhafte Karriere ohne großartige Beackerung des Undergrounds. So kann´s gehen.

Besonders dann, wenn man sich melodischen Death Metal skandinavischer Prägung, gepaart mit amerikanischen Einflüssen auf die Fahnen geschrieben hat. Damit sollte die Frage der kometenhaften Karriere geklärt sein, oder? Schließlich liegt diese Mucke im Metalbereich derzeit voll im Trend (ja leider, das Wort muss man langsam benutzen). Und jedes Label versucht sich, mit der ein oder anderen Kapelle noch ein saftiges Stück vom Kuchen zu sichern. 

Handwerklich geht „Orbit Dance“ voll in Ordnung. Hier sind keine Anfänger am Werk, was die Präsentation der Mucke angeht. Jeder Einzelne versteht sein Handwerk, das will ich nicht in Frage stellen. Besonders der Keyboarder kann mit seinen mal dezenten, mal dominierenden Parts dazu beitragen, die Songs interessanter zu gestalten. Na ja, und fett produziert ist der Rundling allemal. Heutzutage eine Selbstverständlichkeit (oder sollte es jedenfalls sein). 

Was mich extrem stört, ist dieser berechenbare Faktor von „Orbit Dance“. Alles klingt so zielgruppenzugeschnitten und konstruiert. Kein eigener Charakter oder wenigstens eine eigene Note ist auszumachen. In Flames, Soilwork, Trivium grinsen bei fast allen Parts fett aus den Boxen. Dazu noch ein bisschen Fear Factory und in melancholischen Momenten fallen mir auch mal Crematory ein. Muss ich eigentlich erwähnen, dass hier mit dem Kontrast Grunz-Kreisch-Gesang/cleane Vocals gearbeitet wird? Ich mach dass dann mal hiermit der Vollständigkeit halber. Was aber zu erwähnen wäre, ist die Tatsache, dass MyGrain viel mehr cleane Vocals benutzen als die meisten Bands dieser Stilrichtung. Kann man gut finden oder nicht.

Mit „Plastic“, „Darkbound“ und „Hollowgram“ schaffen es MyGrain dann doch, sich ein bisschen hervorzutun. Alle drei Titel feuern richtig schön nach vorne los und warten mit starken Refrains und Melodieläufen auf. Bei „Plastic“ klingen dann auch die cleanen Vocals noch richtig schön voluminös und nicht nach einem trällernden Milchbubi. Aber die Ernüchterung folgte dann bereits mit dem zweiten Track. 

Bei „Hollowgram“ schleicht sich ein leichtes orientalisches Flair, sowohl in die Musik als auch in den Gesang ein. Macht in Verbindung mit dem coolen Riffing richtig Spaß. 

Ganz im Gegensatz zum Rest der Platte. Da wird maximal Standardkost geboten. Zum Teil driften Gesangsmelodien arg in poppige Gefilde ab. Und auch bei manchen Gitarrenfiguren dachte ich mir, dass man hier nach Lick´s gesucht hat, die bloß nicht anecken oder einen geneigten Hörer abschrecken könnten. Wie konstruiert halt und typisch für Trittbrettfahrer. Sorry, aber so kommt mir das vor.

Für Leute mit dickem Geldbeutel, die sich irgendwann bei ihren Enkeln damit beliebt machen wollen, dass sie sich jede Scheibe eines Genres gekauft haben, die sollten sicherlich mal ein Ohr riskieren. Oder der ein oder andere Gothic-Rocker stellt mal die Lauscher auf und gönnt dem Rundling einen Testlauf. Kann sein, dass die Scheibe was für euch ist. Manchmal melancholisch, gefälliger cleaner Gesang und doch nicht zu viel Metal. Alle anderen können ein paar Monate warten, bis es die Scheibe bei ebay für einen Bruchteil des Neuwertes gibt. Denn für 5,- Euro inkl. Versand hat man sein Geld dann nicht allzu schlecht angelegt.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend