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My Extreme Hour: Aspiration

Postcore mit Potenzial
Wertung: 8/10
Genre: Postcore
Spielzeit: 33:37
Release: 01.12.2010
Label: Eigenproduktion

Man kann es eigentlich bald nicht mehr hören: Metalcore, Deathcore, Trancecore, Postcore,… wer da noch den Überblick behält und vor allem nicht völlig verzweifelt, der hat entweder Nerven aus Stahl oder ist einfach absolut Genre-resistent. Letzteres gilt auch für die Verfasserin dieser Zeilen, die sich – neben diversen anderen Musikstilen – erstmal grundsätzlich alles anhört, was auch nur annährend mit Core zu tun hat. Zu oft hätte man durch Scheuklappen schon großartige Bands verpasst – warum also Schubladen öffnen, wenn man direkt den ganzen Schrank einreißen kann?

So wie die drei Jungspunde von My Extreme Hour. Postcore haben die Münchner sich aufs Fähnchen geschrieben, aber das ist natürlich beileibe nicht alles. Screamo gibt’a obendrauf, eine ordentliche Schippe Metalcore und mit Gitarrist und Sänger Chris einen Vokalisten, der erfreulicherweise nicht Metalcore-mäßig vor sich hin shoutet, sondern mit eher heiserem Gebell dem Hardcore frönt. Der klare Gesang hat dann zwar wiederum irgendwie Garagen-Flair – und einen sehr drolligen bayrischen Dialekt - aber immerhin erkämpft man sich so den in der heutigen Metalszene so wichtigen Wiedererkennungswert.

Apropos Wiedererkennungswert: Ein Klavier-Intro wie das hier vorliegende gibt es zwar sicherlich schon auf 23.785 anderen Alben, aber schön anzuhören ist es immer wieder. Zumal der Track nahtlos in den ersten „richtigen“ Song, „With Closed Eyes“, übergeht. Dabei vermittelt einem die leicht romantische Schrift, in der die Tracklist gehalten ist, einen völlig falschen Eindruck – hier knallen Gitarre und Schlagzeug direkt ganz ordentlich und Chris schreit sich die Seele aus dem Hals. Dabei erinnert er zeitweise ein wenig an den ebenfalls bayrischen Kollegen Christ von Emil Bulls. Wie schon erwähnt fällt der klare Gesang etwas aus dem Rahmen, was aber nicht heißt, dass er schlecht klingt – die Tonlage passt nur irgendwie nicht so richtig ins Bild.

Dafür verstehen die Drei aber etwas von intelligentem Songwriting, wie spätestens „Everyone’s Spirit“ zeigt – Chris keift zu einer epischen Gitarrenmelodie drauflos, durchschnitten von wesentlich stimmigerem cleanem Gesang als noch zuvor. Schon beim zweiten Hören ertappt man sich dabei, wie man das gegen Ende zelebrierte „Run away from me“ mitshoutet – genial! Wenn das bei Live-Shows kein Kracher wird, dann weiß ich auch nicht. Dass Chris auch klar singend eine verdammt gute Stimme hat, beweist er zu Beginn von „You’ll Be Mine“ (das übrigens auch noch als leider relativ unnötige Akustiversion auf der Scheibe verwurstet wurde), bei dem er richtig schön allein mit seiner Gitarre agiert, bevor die Screams losgehen – sehr fein! Die Hintergrundscreams alleine wären beinahe schon ein wenig schwarzmetallisch einzuordnen, erhalten aber durch die Gitarre einen eher Deathcore-mäßigen Anstrich.

Einen leicht jazzig-funkigen Funken bekommt „Fail Faith“ durch die experimentelle Gitarre, was dem Song eine ganz witzige Dynamik verleiht, zu der man wahrscheinlich sogar tanzen kann, wenn man denn nicht gerade mit Haare schütteln beschäftigt ist. „A Little Piece Of Heaven“ ist dann genau das, was der Titel sagt, nämlich ein kleines Stück vom Core-Himmel mit wunderbaren Screams in den Strophen und einem ziemlich epischen Refrain, was der Combo zum Ende der Scheibe hin noch mal einen Anspieltipp und einen dicken Pluspunk einbringt.

Fazit: My Extreme Hour sind auf jeden Fall eine Band, die man in nächster Zeit im Auge behalten sollte. Die Jungs versuchen ambitioniert und mit hörbarer Spielfreude, neues Terrain zu betreten oder sich zumindest nicht in klischeehaften Wiederholungen anderer Core-Bands zu verlieren und das gelingt ihnen auf „Aspiration“ durchaus. Einziger Kritikpunkt ist in Teilen der klare Gesang, aber ich vermute, es bedarf lediglich der richtigen Abmischung, um auch dieses verhältnismäßig kleine Problem in den Griff zu bekommen.

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