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My Dying Bride: Turn Loose The Swans (20th Anniversary Edition)

Lohnt sich wegen des Audiokommentars
keine Wertung
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 116:16
Release: 15.11.2013
Label: Peaceville

Nachdem sie ein Jahr zuvor ihr Debüt „As The Flower Withers“ veröffentlicht hatten, das von der Kritik wohlwollend aufgenommen wurde, mussten My Dying Bride 1993 in Form eines Nachfolgers beweisen, dass sie keine Eintagsfliege waren und sich in der Szene etablieren konnten. Dass die Band mittlerweile als einzige der damals aufstrebenden Doom-Death-Bands Anathema, Paradise Lost, Katatonia und eben MDB ihrem ursprünglichen Stil treu geblieben ist, konnte man damals noch nicht erahnen – allerdings hätte es damals wohl auch kein einziges Mitglied der genannten Combos für möglich gehalten, dass man überhaupt so lange existieren würde.

Obwohl der zweite Longplayer aus oben genannten Gründen immer verdammt schwierig ist, hatten My Dying Bride sich entschieden, genau das Gegenteil von dem zu tun, was die Leute erwarteten – und lagen damit goldrichtig (wie auch Aaron im Audiokommentar erläutert; zu diesem Feature später mehr). Statt die Scheibe mit einem harschen Death-Doom-Epos zu eröffnen, überraschte das Sextett mit äußerst sanften Klängen, eine ruhige Version von „Sear Me“, das in komplett anderem Gewand bereits auf dem Debüt dargeboten worden war, leitet das längst zum Klassiker avancierte Album ein. Erstmals in der Karriere der Engländer wagt sich Fronter Aaron Stainthorpe an cleane Vocals heran, begleitet wird er lediglich von Klavier und Geige, vorgetragen vom einzigartigen Martin Powell.

Erst beim zweiten Track „Your River“ werden härtere Töne angeschlagen, allerdings dauert es vier ganze Minuten, bis Gesang einsetzt – der erneut clean ist, erst gegen Ende des Stückes verwendet Aaron das erste Mal Growls. Eine durchaus mutige Vorgehensweise, die sich jedoch voll ausgezahlt hat, wie wir inzwischen alle wissen: „Turn Loose The Swans“ ist vollkommen zu Recht ein absoluter Klassiker, den jeder Genreanhänger und Freund düsterer, schwermütiger Klänge kennen sollte. Nicht nur „Sear Me MCMXCIII“ und „Your River“ haben sich schnell zu Fan-Faves gemausert, die auch heute noch gerne live gespielt werden; mit dem rhythmisch interessanten „The Songless Bird“, dem dramatischen „The Snow In My Hand“, dem überlangen „The Crown Of Sympathy“ mit seinem wunderschönen Gitarrenfinale sowie dem mächtigen Titelsong liegen ausschließlich unsterbliche, unverzichtbare Stücke vor, die jedem MDB-Fan ein Begriff sein müssen. Mit der todtraurigen Abschlussnummer „Black God“ hat die Band die Platte außerdem auf dieselbe Weise beendet wie sie sie begonnen hat: Mit ruhigen Klängen, in diesem Fall sogar angereichert mit weiblichem Gesang.

Zum Glück entschieden sich die Jungs dafür, diese Ideen, von denen sie ja nicht wissen konnten, ob die Fans sie tolerieren würden, konsequent umzusetzen – wer weiß, wo die Band sonst heute stünde bzw. ob sie überhaupt noch immer am Start wäre. Beim Folgealbum „The Angel And The Dark River“ ging man bekanntermaßen sogar noch einen Schritt weiter und verzichtete komplett auf Death-Metal-Vocals.

Was „Turn Loose The Swans“ betrifft, so haben sich Peaceville anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Scheibe dazu entschlossen, ein Neurelease herauszubringen. Es gab schon einmal ein Digipak des Meisterwerkes, bei der die Bonustracks „Le Cerf Malade“ (auch auf der EP „The Thrash Of Naked Limbs“ enthalten), „Transcending (Into The Exquisite)“ (später auch auf der „I Am The Bloody Earth“-EP veröffentlicht) sowie eine Liveversion von „Your Shameful Heaven“ (ebenfalls zu finden auf der Digi-Edition von „The Angel And The Dark River“) zur normalen Tracklist addiert wurden. Bonustracks gibt es diesmal keine, man wartet nicht einmal mit einem Remix oder Remaster auf. Dennoch ist diese Jubiläumsausgabe von „Turn Loose…“ ein Muss für jeden Fan.

Zunächst einmal fällt die sehr schöne Aufmachung ins Auge; eine robuste Digipak-Ausgabe in Buchmanier ist immer gern gesehen, außerdem ist das Booklet deutlich umfangreicher – erklärt wird hier unter anderem, wie das ungewöhnliche Coverartwork (bei dieser Auflage leicht modifiziert) entstanden ist –, doch der eigentliche Kaufgrund ist die Bonus-CD, auf der das gesamte Album von den beiden mittlerweile einzig verbliebenen Gründungsmitgliedern Aaron Stainthorpe und Andrew Craighan kommentiert wird. Eine sehr schöne Idee, die bei DVDs bzw. Blu-rays ja längst Standard ist – warum also nicht auch mal bei einer Audio-CD?

Wer schon immer wissen wollte, was für Equipment bei „Your River“ benutzt wurde, wie der Titel zu „The Songless Bird“ entstanden oder wie Martin Powell zu seiner speziellen E-Geige gekommen ist, sollte sich dieses höchst informative Feature unbedingt zu Gemüte führen. Zumal man nicht nur jede Menge Anekdoten und interessante Gedankengänge präsentiert bekommt, sondern auch bestens unterhalten wird. Mit wunderbar trockenem Humor sorgt vor allem Aaron dafür, dass das Ganze sehr locker bleibt, man seinen hörbaren Stolz auf die Band nicht als arrogant missinterpretiert und dem Hörer das eine oder andere Schmunzeln entlockt. Alles in allem ist die neue Ausgabe dieses fantastischen Albums auch für Leute, die es bereits im Schrank stehen haben, absolut wert, eingesackt zu werden. Für das Original gibt es selbstverständlich einen Zehner, da es sich hier um eine Art Sonderedition handelt, spare ich mir aber eine Wertung (und Anspieltipps).

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann