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My Dying Bride: The Barghest O' Whitby

Wie immer bei den Königen des Doom kann man bedenkenlos zugreifen
Wertung: 8.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 27:04
Release: 11.11.2011
Label: Peaceville

Nachdem sie im Mai anlässlich ihres 20. Jubiläums mit „Evinta“ ein experimentelles Album, auf dem sie einige ihrer Songs im klassischen, orchestrierten bzw. Ambient-Gewand präsentierten, als besonderes Bonbon für ihre Fans servierten, steht nun wieder ein regulärer Release im Hause My Dying Bride an. „The Barghest O' Whitby“ ist eine EP, die ursprünglich in drei Parts aufgeteilt werden sollte, aus denen letztlich aber doch lediglich ein einziger Track wurde, welcher allerdings die stolze Länge von 27 Minuten erreicht. Da kann es ja nur heißen: einen bequemen Sessel suchen, Licht aus, Augen zu und genießen. Die Thematik – der Barghest ist der Legende nach ein unheimlicher, großer schwarzer Hund, der vor allem in Yorkshire (wo auch die kleine Stadt Whitby liegt) sein Unwesen treiben soll; zu sehen auch auf dem von Bräute-Sänger Aaron Stainthorpe persönlich gestalteten Cover – lässt zumindest schon bevor man auch nur eine Note gehört hat auf eine neuerliche Portion amtlichen, atmosphärischen Doom Metal schließen.

Tatsächlich geht es sehr stimmungsvoll los: Donnergrollen und schaurig pfeifende Winde versetzen einen auf der Stelle ins passende Ambiente und wenn dann die ersten, äußerst schweren Gitarrenklänge ertönen, befindet man sich sofort im My-Dying-Bride-Universum, aus dem es wenigstens für die nächste knappe halbe Stunde kein Entrinnen mehr geben wird. Langsam und schleppend beginnt „The Barghest O' Whitby“, die mahlenden Riffs werden von zarten Geigenmelodien verziert und Aarons Growls sind so garstig und fies wie seit „Turn Loose The Swans“ nicht mehr. Es dauert etwa sechs Minuten, bis das Epos an Fahrt aufnimmt und das Tempo beschleunigt wird. Im Folgenden ziehen My Dying Bride alle Register, die sie zu bieten haben und einmal mehr wird deutlich, auf wie vielen Ebenen diese Band unverkennbar und einzigartig ist: Da ist zum einen der emotionale und zerbrechliche Klargesang, wie ihn so nur Aaron Stainthorpe bringen kann, da sind zahlreiche, elegische Geigensoli, die Neuzugang Shaun Macgowan (übrigens erst 23 Jahre alt) mit geradezu erschreckender Brillanz vorträgt (man bedenke, wie fürchterlich dilettantisch die meisten anderen Violinisten im Metalbereich fiedeln), und natürlich die typischen Gitarrendoppelläufe, die immer wieder ein Hochgenuss für jeden Harmonics-Feinschmecker darstellen.

Kaum nötig zu erwähnen, dass die Briten aufgrund ihres hohen musikalischen Niveaus natürlich das nötige Gespür besitzen, wann es Zeit für einen Wechsel ist, wie lange eine Passage ausgereizt werden kann und wie man solch einen langen Song arrangiert, ohne das Interesse des Hörers zu mindern. Gerade schwelgt man noch in den wunderschönen Melodien des erhaben-getragenen Mittelteils, da wird einem zum Ende noch einmal ein wütendes Riffgewitter allererster Kajüte um die Ohren geschleudert – nein, langweilig wird es hier wirklich zu keinem Zeitpunkt. My Dying Bride bieten zwar nichts wirklich Neues, bündeln ihre Stärken aber zu einem 27-minütigen Trip, dem man sich mit voller Aufmerksamkeit widmen sollte, aber dass diese Gruppe nicht gerade Musik zum Nebenbei-Berieseln-lassen macht, dürfte ohnehin klar sein.

Im Gegensatz zu anderen früheren britischen Doombands (namentlich Anathema und Paradise Lost) sind die Bräute ihrem Sound immer treu geblieben und trotzdem haben sie nie einen belanglosen Release veröffentlicht oder sich selbst kopiert – davor kann man nur den Hut ziehen. „The Barghest O' Whitby“ ist eine weitere, sehr starke Veröffentlichung, die Lust auf mehr macht. Es wird nämlich gemunkelt, dass eine Doku-DVD und eine Biographie in Arbeit sind – My Dying Bride wollen ihre Fans zu ihrem runden Geburtstag anscheinend so richtig verwöhnen. Mit „Evinta“ und „The Barghest O' Whitby“ haben sie dieses Jahr allerdings schon eine ganze Menge geboten.

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