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My Dying Bride: For Lies I Sire

Die Rückkehr der Violine
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 59:51
Release: 27.03.2009
Label: Peaceville Records / SPV

My Dying Bride waren immer eine Formation, die man unter tausend verschiedenen Bands heraushören konnte und eine der wenigen, denen dabei das ganz große Kunststück gelungen ist, sich dennoch auf keinem Album zu wiederholen. Es gab durchaus Experimente wie das mit Industrial-Elementen versehene „34,788 %... Complete“, trotzdem blieb man immer seinen Wurzeln treu und spielte seit jeher Doom Metal – auch als Martin Powell die Gruppe verließ, um bei Anathema und später bei Cradle Of Filth anzuheuern. Mit ihm verschwand die Violine als besonderes Merkmal der Band, doch aufgrund ihres dennoch einzigartigen Stils blieben die Engländer unverkennbar.

Natürlich wird sich der ein oder andere jetzt die Frage stellen, warum man es denn plötzlich scheinbar doch als nötig erachtete, die Geige wieder zurück in die Band zu holen, wo man doch mit glänzenden Alben in den letzten Jahren bewies, dass es auch ohne geht. Den Skeptikern sei zweierlei gesagt: Erstens war es mehr ein Zufall, dass mit Katie Stone eine Keyboarderin zu My Dying Bride stieß, die auch die Violine beherrscht (mehr), und zweitens hat das Endresultat nichts, aber auch gar nichts mit Selbstzweck zu tun.

Nach so langen Jahren gilt selbstverständlich, vorsichtig abzuwägen, ob man dieses Element tatsächlich wieder in den Bandsound aufnehmen soll, es steht die Frage im Raum, ob man tatsächlich in der Lage ist, die Geige wieder auf diese einzigartige, atmosphärische Weise zu integrieren wie früher – und das, ohne bloß olle Kamellen aufzuwärmen.

Die Band hat sich Zeit gelassen mit der Überlegung, die Geige wieder zu verwenden – noch dazu, wo es galt, das Line-up erst einmal wieder zu stabilisieren, nachdem der langjährige Bassist Adrian Jackson die Band verließ und von Lena Abé ersetzt wurde –, die Entscheidung dafür kann allerdings nur als gelungen bezeichnet werden. Bereits im Opener „My Body, A Funeral“ wird deutlich, dass hier nichts dem Selbstzweck dient, sondern die Violine überlegt und effektiv eingesetzt wurde. Eben wegen der Geige hat man auch des öfteren das Gefühl, die Band ginge noch etwas mehr back to the roots. Tatsächlich sind auch immer wieder in den Gitarrenstimmen Passagen zu finden, die an Stellen aus „Turn Loose The Swans“ oder gar „The Angel And The Dark River“ erinnern, andererseits jedoch gibt es auch genügend Parts, die auf einer der vorigen Platten hätten stehen können oder die man in der Form noch gar nicht kannte.

So wird bei „Fall With Me“ zu Beginn eher in „A Line Of Deathless Kings“-Manier gerifft, während später Harmonie-Läufe, die an das Ende von „The Crown Of Sympathy“ denken lassen, auftauchen. Nach einem Geigensolo wartet man dann mit einem verspielten Riffing auf, das für My Dying Bride-Verhältnisse fast schon positiv klingt, trotzdem jedoch passend eingebaut wurde.

Letzten Endes präsentiert die Band ein typisches My-Dying-Bride-Album, auf dem es eine ganze Menge zu entdecken gibt. Man will nur die Augen schließen und sich von der Musik treiben lassen. Natürlich ist auch „For Lies I Sire“ wieder eine Platte, die nicht sofort zünden wird und auf der einige nicht leicht verdauliche Brocken darauf warten, erforscht zu werden, aber gerade die Alben, die erst noch wachsen müssen, sind gemeinhin die besten; die, die sich als wahre Klassiker entpuppen. Mal abgesehen davon aber ist diese Tatsache jedem Fan der Band bekannt und gerade darauf freut man sich ja als Bräute-Anhänger.

Es ist insbesondere die zweite Hälfte der CD, die etwas Geduld erfordert; Stücke wie „Shadowhaunt“ oder „Santuario Di Sangue“ bauen sich langsam und schwerfällig auf, während beispielsweise „Bring Me Victory“ oder der schon erwähnte Opener „My Body, A Funeral“ mit einigen richtig eingängigen Passagen aufwarten. 

Insgesamt legt das Sextett jedenfalls wieder ein äußerst gelungenes Album vor, das um einiges abwechslungsreicher als der ebenfalls hervorragende Vorgänger ausgefallen ist. Langen Epen wie „Death Triumphant“, „Fall With Me“ oder „Santuario Di Sangue“ stehen kürzere Songs wie „Bring Me Victory“ oder „Shadowhaunt“ gegenüber; ruhige, melancholische, mit herrlichen Melodien versehene Perlen wie „The Lies I Sire“ oder „Echoes From A Hollow Soul“ bilden den Kontrast zu einer Blastbeat-Raserei der Marke „A Chapter In Loathing“ (mindestens so brutal wie „The Forever People“ und „The Fever Sea“). Letzteres beginnt mit dem letzten Riff von „The Blood, The Wine, The Roses“, dem finalen Stück von „A Line Of Deathless Kings“, und sollte ursprünglich am Anfang der neuen CD stehen; diese Idee wurde jedoch wieder verworfen.

Katie Stone erweist sich als würdige – wenn auch spät auf der Bildfläche erschienene – Nachfolgerin von Martin Powell und auch Aaron zeigt sich in Bestform: er singt, jammert, klagt, kreischt und growlt und offenbart praktisch alle Facetten seiner Stimme.

Die Harmonieläufe der Gitarren sind wie immer durchdacht arrangiert und schlichtweg zum Dahinschmelzen schön und die unglaubliche Dynamik und die Arrangements unterstreichen den Ausnahmestatus der Engländer in der Szene: Was die Musikalität und die Schönheit der Musik selbst angeht, kann keiner im Doom-Bereich My Dying Bride das Wasser reichen – was Authentizität und Attitüde angeht, dürfte es sich allerdings ähnlich verhalten.   

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