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My Dying Bride: Bring Me Victory

Gute EP, bei der die Coverversionen interessanter sein dürften als der Titelsong selbst
Wertung: 8/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 28:11
Release: 11.12.2009
Label: Peaceville Records

Im März veröffentlichten Englands Vorzeige-Doom-Metaller My Dying Bride ihr neuestes Album „For Lies I Sire“, bei dem bekanntermaßen nach vielen Jahren wieder die Geige zum Einsatz kam. Nun ist mit „Bring Me Victory“ auch quasi eine Single ausgekoppelt worden, wobei das Ganze offiziell als EP betitelt wird, was bei einer guten halben Stunde Spielzeit plus einem Videoclip zu „Bring Me Victory“ auch durchaus gerechtfertigt ist. Außerdem erscheint die Scheibe in einem richtigen Jewelcase und nicht lediglich im Single-CD-Format.

Der Titelsong der EP selbst ist sicherlich nicht unbedingt das größte Highlight auf „For Lies I Sire“, aber auf jeden Fall ein gutes Stück mit einigen hübschen, prägnanten Läufen und gefälligen Riffs, welches sich wegen der Länge von vier Minuten als Auskopplung nun einmal recht gut eignet. Interessanter sind jedoch vielmehr die Coverversionen von „Scarborough Fair“ und „Failure“.
 
Erstgenanntes erlangte hauptsächlich durch die Version von Simon & Garfunkel Berühmtheit, wobei fälschlicherweise oft angenommen wird, der Song sei auch tatsächlich von dem Folk-Rock-Duo komponiert worden – tatsächlich jedoch handelt es sich um ein traditionelles englisches Volkslied. Mit seiner melancholischen Grundstimmung scheint es geradezu prädestiniert als Cover für My Dying Bride, die dem Stück natürlich ihren Stempel aufgedrückt haben und es in ihrem unverkennbaren Sound mit den typischen Gitarren erklingen lassen. Aaron Stainthorpe, der sogar zwei neue Strophen für den Song, der wohl im 16. oder 17. Jahrhundert geschrieben wurde und inzwischen dutzende Verse besitzt, verfasst hat, glänzt einmal mehr mit unheimlich gefühlvollem Gesang, während Neuzugang Shaun Macgowan, der die schon wieder abgewanderte Katie Stone ersetzte, erstmals auch im Studio beweisen kann, was er an der Violine so drauf hat.

Das zweite Cover, „Failure“, stammt von der Band The Swans, einer erklärten Lieblingsgruppe von Aaron. Hier herrscht dem Titel entsprechend ebenfalls nicht gerade die fröhlichste Stimmung – mit dem teilweise fast schon gesprochenen Text und den sich stets wiederholenden Akkorden wohnt dem Ganzen vielmehr eine beklemmende Atmosphäre inne. Mit anderen Worten: Auch dieses Stück hat die Band mit Bedacht als Cover ausgewählt, zumal auch die Lyrics gut zu My Dying Bride passen.

Als Bonbon gibt es dann noch eine Liveversion des Uraltsongs „Vast Choirs“ (vom ersten Album „As The Flower Withers“), der in exzellenter Manier auf dem belgischen Graspop-Festival im letzten Jahr dargeboten wurde. Die Band ist in Topform, doch live scheinen die Engländer immer gut zu sein – was man als Fan wohl auch verlangen darf, so selten wie sie auf der Bühne stehen. Gerade Aarons Growls sind schlicht großartig, vor allem, wenn man sie mal mit denen von der Studioversion vergleicht – auch wenn diese zugegebenermaßen schon 17 Jahre alt ist und diese Gegenüberstellung daher etwas hinkt.

Über den Sinn des von Charlie Granberg gedrehten Videos zu „Bring Me Victory“ kann man dann sicherlich streiten, zumindest aber lässt es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu. Die Anschaffung der EP lohnt sich aus meiner Sicht jedenfalls hauptsächlich wegen der beiden Coverversionen und wegen des Livetracks – den Song „Bring Me Victory“ sollte eh schon jeder kennen und besitzen, da der echte Fan wohl selbstredend „For Lies I Sire“ bereits im Regal stehen hat. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann