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My Dying Bride: A Map Of All Our Failures

Wie immer sehr gut
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 63:50
Release: 19.10.2012
Label: Peaceville

Die meisten Bands werden, je länger es sie gibt, immer fauler, was Veröffentlichungen angeht und lassen sich immer mehr Zeit. Nicht so My Dying Bride, die nach den Releases von „Evinta“ und der EP „The Barghest O’ Whitby“ im letzten Jahr, 2012 schon wieder am Start sind und in Form von „A Map Of All Our Failures“ ihre elfte reguläre Studiolangrille präsentieren. Das im März 2009 veröffentlichte Album „For Lies I Sire“ hatte nach langjähriger Pause die Reintegration der Geige – einst eines der großen Trademarks der Engländer – markiert, obwohl die Platte selbst im Fanlager eher zwiespältig aufgenommen wurde. Der Autor fand die Scheibe sehr gut, doch sei hinzugefügt, dass mich die Band noch nie enttäuscht hat. So verhält es sich auch mit dem neuesten Bräute-Longplayer, der sich noch stärker zu den Wurzeln des Sextetts zurückbewegt als „For Lies I Sire“.

Wer sich den 27-minütigen Mammuttrack „The Barghest O’ Whitby“ angehört hat, bei dem es zum Teil ordentlich zur Sache geht, wird von dieser Tatsache vermutlich gar nicht mal so überrascht sein. Interessanterweise verwendet Frontmann Aaron Stainthorpe dabei trotzdem gar nicht mal übermäßig viele Growls, doch wenn, sind diese sehr gezielt platziert. Außerdem erinnern wir uns, dass auf dem nach wie vor grandiosen Album „The Angel And The Dark River“ überhaupt keine Death-Metal-Vocals verwendet wurden und es trotzdem kaum eine düsterere, beklemmendere, doomigere und trostlosere Atmosphäre geben kann als auf jener Scheibe.

Wie schon beim Vorgängerwerk steht auch auf „A Map Of All Our Failures“ der Opener ziemlich repräsentativ für die gesamte Platte beziehungsweise weist alle Merkmale auf, mit denen die Band im Laufe des Albums spielt und die sie auszeichnen: „Kneel Till Doomsday“ wird sehr effektiv mit Glockenschlägen eingeläutet („Black Sabbath“ lässt grüßen), bevor ein typisches Doom-Riff, alsbald untermalt von Aarons unverkennbarem Gesang, das Stück richtig beginnen lässt. Ein kurzes Geigen-Intermezzo bringt etwas mehr Tempo in die Angelegenheit, bis sich zur Mitte hin alles in einem aggressiven, schnellen Death-Metal-Part entlädt, um am Ende wieder zum Anfangsteil zurückzukehren, verziert mit einem hübschen Geigensolo.

Wer anhand dieses absolut großartigen Auftakts, der beim ersten Hören auf Anhieb zündet, nicht erkennt, dass die Briten auch nach über 20 Jahren immer noch in der Lage sind, fantastische Doom-Metal-Kompositionen abzuliefern, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen. Zwar setzt sich nicht jeder Track so schnell fest wie „Kneel Till Doomsday“, doch My Dying Bride wären nicht My Dying Bride, wenn man sich mit ihren Songs nicht länger beschäftigen müsste, um alles zu erfassen. Detailverliebt waren sie schon immer und laden auch anno 2012 wieder zu gemütlichen Kopfhörersessions bei Kerzenschein ein. In „The Poorest Waltz“ kommen die berühmten Doppelgitarrenmelodien erstmals wirklich auffällig zur Geltung – klar, da lassen die Herren Craighan und Glencross sich nicht lumpen und haben wieder einige feine Harmonieläufe hervorgezaubert. Jenes Lied ist mit etwa fünf Minuten noch die kürzeste Nummer des Albums, ansonsten bewegen sich die Stücke allesamt zwischen acht und neun Minuten, was bei dieser Combo aber ja auch nicht wirklich verwundert. Durchdacht wie eh und je zeigen sich die Arrangements, die teilweise mit Samples wie Wind, Meeresrauschen (bei „Hail Odysseus“) und ähnlichem unterlegt wurden, um zusätzlich Stimmung zu erzeugen.

Highlights herauszupicken ist bei den sterbenden Bräuten an sich nicht unbedingt die einfachste Aufgabe, doch darf man in diesem Fall neben dem erwähnten superben Opener wohl getrost „A Tapestry Scorned“ nennen, das mit einem spannenden Aufbau glänzt und bei dem insbesondere der finale Teil mit der erhabenen Orgel (so edel sakral klingt dieses Instrument im Metalbereich wohl auch nur bei dieser Band) hervorsticht. Auch „Like A Perpetual Funeral“ mit seinen typischen, hypnotischen Gitarren, das stampfend startende und mit klassischem Doom-Drumming versehene „Hail Odysseus“, bei dem man sich durchaus eine Kräfte zehrende und nicht enden wollende Irrfahrt auf See vorstellen kann, und das an letzter Stelle stehende „Abandoned As Christ“, das mit einem geradezu hoffnungslos klingenden Chor-artigen Gesangspart endet, sind jedoch Doom-Leckerbissen à la bonne heure.

Irgendwie schaffen es My Dying Bride immer wieder mit scheinbar wenig Veränderungen gute bis sehr gute Alben herauszubringen. Und obwohl man wie bereits auf „The Barghest O’ Whitby“ angedeutet so stark wie lange nicht mehr in der eigenen Vergangenheit wühlt, klingt hier nichts nach Wiederaufguss oder ollen Kamellen. Aaron – ohnehin ein Ausnahmetalent am Mikrofon – singt so facettenreich wie vielleicht nie, Shaun Macgowan tut sein Bestes, um aus dem Schatten des übergroßen Martin Powell zu treten und die hervorragende Produktion rundet „A Map Of All Our Failures“ würdig ab. Ausgeglichener und einen Tick besser als der Vorgänger, dem ich aus heutiger Sicht vielleicht einen halben Punkt zu viel gegeben habe.

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