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My Defense: No Place Like Home

Livestimmung direkt im Wohnzimmer
Wertung: 7,5/10
Genre: Melodic Hardcore, Punk
Spielzeit: 31:34
Release: 03.10.2014
Label: Horrorbusiness Records

Die Wege der Plattenindustrie sind manchmal unergründlich. Wie sonst lässt es sich erklären, dass die aktuelle My Defense-Scheibe „No Place Like Home“ laut Internet schon seit einem Jahr unter den Leuten rumort und jetzt erst ein Review-Exemplar bei uns eintrudelt? Egal, Do It Yourself braucht manchmal einfach länger, dafür hat man mit dem schnicken Papierhüllchen mit eingelegter CD und gefaltetem Booklet aber was Hübsches in der Hand und mit dem mittlerweile seit zehn Jahren praktizierten Melo-Hardcore-Punk was Gefälliges auf den Ohren.

My Defense begegnen einem Hardcore-Fan so ziemlich überall, da wundert es doch, dass abgesehen von der sechsten Platte „No Place Like Home“ (und dem eher mittelprächtig bewerteten „Delorean“) noch kein anderes Album den heimischen CD-Schrank ziert. Muss nachgeholt werden, auch live sollte man die Jungs sicherlich mal auschecken, klingen die 14 Songs der aktuellen Platte doch nach ordentlichem Livefutter für die Tanzbeine.

Dass es den Herren nicht um Erfolg geht, lässt sich im Hardcore natürlich immer leicht sagen, tatsächlich herrscht auf der knappen halben Stunde aber eine solche Spielfreude, dass es fast nichts ausmacht, dass man nichts wirklich Neues serviert bekommen. Die meisten Songs sind knapp zwei oder drei Minuten lang, der Opener „What’s The Big Deal?“ legt mit seinen einladenden Gangshouts etwa die Marke fest, was man den Rest des Albums zu erwarten hat – und das ist guter, flotter, melodischer Hardcore mit Punk-Attitüde, den man sich ruhig öfter anhören kann.

„N.M.A.“ gehört da sicherlich zu den härteren Tracks, hier wird Richtung Agnostic Front die Basecap gelüpft, die Beine gehen automatisch mit und bald rieselt der Staub von der Decke, weil man bei solch einer Musik automatisch den Lautstärkeregler weiter nach rechts dreht. Die Nachbarn werden’s danken, „Dead And Gone“ zerschneidet mit flirrenden Gitarren die morgendliche Stille, Sänger Perry bahnt sich mit feuchter Aussprache einen Weg durch die Instrumentalwand und hier wird sogar richtig viel Melodie eingebaut – vor dem geistigen Auge wähnt man sich bereits mitten in der zweiten Reihe und reicht den ein oder anderen verschwitzten Stagediver weiter, bevor man sich im ruhigeren Part in den Armen liegt und die Gangshouts mitgrölt.

Ausraster à la „Paralysis“ oder das rasante „MAD MTV“ lassen die Schweißdrüsen dann schon beim heimischen Solo-Sitzpogo im Quadrat hüpfen, auch hier werden wieder an markanten Punkten die Gangshouts eingestreut, die auf „No Place Like Home“ insgesamt sehr stark vertreten sind und damit tatsächlich schon auf Platte eine sehr schöne Live-Atmosphäre verbreiten.

38 Sekunden lang regen sich die Herren in „Longboarding Sucks!“ über ein Fahrgerät auf (gibt es da womöglich Traumata zu verarbeiten?), bevor „Point Of View“ zum Finale läutet. Für das Genre recht ungewöhnlich wird da erstmal ein Gitarrenintro bereitsgestellt, das eher klingt als könnte gleich eine Metalkapelle zum Kahlschlag blasen, natürlich wird kurz darauf aber bereits mit galoppierendem Schlagzeug und Hardcore-Gebell gezeigt, dass auch zum Albumschluss alles beim Alten bleibt.

Wesentlich besser als die „Delorean“-Scheiblette kommt „No Place Like Home“ durch die Boxen – man sollte sich wohl doch noch mal eingehender mit dem übrigen Backkatalog der Kölner befassen. 7,5 Zähler gibt es für eine halbe Stunde Livestimmung ohne Livealbum. Das muss man erstmal hinbekommen.

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