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My Cold Embrace: Hausgeist

Solche Scheiben machen stolz auf den Underground
Wertung: 9/10
Genre: Death Metal , Grindcore
Spielzeit: 35:17
Release: 23.02.2008
Label: Eigenproduktion

eheimatet in dem beschaulichen hessischen Städtchen Kassel ist eine Band namens My Cold Embrace. Und ehrlich gesagt hätte ich es kaum für möglich gehalten, dass etwas so Großartiges aus dieser mir bislang eher wenig sagenden Stadt kommen könnte. Doch anstatt schon jetzt in Lobeshymnen zu verfallen, sollte ich erstmal die Gründe dazu ausführen, oder?

Zu dem musikalischen Werdegang der Jungs kann ich leider an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen machen, da ich leider und zu meiner Schande gestehen muss, dass mir bislang noch keine früheren Werke der Jungs in die Hände bzw. Scheiben in den Player gekommen sind. Wir haben es bei der Mucke der fünf (Dennis – Vocals, Duerch – Gitarre, Knoedgen – Bass, Denn-Ass - Drums und Reidel – Gitarre) jedoch mit richtig fettem Death Metal zu tun, der Ansätze ohne Ausuferungen in Richtung der schwedischen melodischen Schule zeigt und besonders drumtechnisch und was die Vocals angeht auch gut und gerne mal seine Vorliebe für den Sektor des Grindcore preisgibt. Was hier völlige Fehlanzeige ist, das ist hirnloses Geballer, denn man kann den Jungs verbriefen, dass sie sich seitens des Songwritings aber mal richtig Gedanken gemacht haben. An dieser Stelle des Reviews erkennt man dann schon unschwer eine gewisse Sympathie mit dem Material meinerseits, aber kommen wir nun trotzdem einmal zu den Songs im Einzelnen…

Mit einem Defibrillator wieder in einen Sinusrhythmus gebracht (nicht ich, um Gottes Willen, das Intro des Songs) geht´s ab in den ersten flotten Song „Bloodwritten“, bei dem schon auffällt, dass mir Denn-Ass´s Arbeit an den Drums sehr gut gefällt und eine erste kräftige Duftmarke zu setzen weiß. Mit „More Or Less“ lässt man mal ganz gepflegt stellenweise die Nähe zum Grindcore raushängen.

“The Isolated Society” beginnt mit Geknüppel in seiner reinsten und zugegeben ziemlich geilen Form und driftet dann unglaublich vielseitig in melodischere Gefilde durch Reidel´s und Duerch´s Gitarren ab. „Apollo“ lässt zunächst an einen Industrialsong denken mit dem in den Song einführenden Sprachsample. Doch dann erklingen sowohl sehr gefällige Gitarren als auch Dennis´ Growling und in der groovigen Bridge kommt ein Anflug swedish Death Metal durch. Sehr schön. Das vielseitige Drumming fällt auch wieder auf. Lustig am Ende des Songs ist das Hüsteln.

Sehr interessant ist das Instrumental „No More Headtrips“ – hier lauscht man einem Keyboard nebst spacy Hintergrundgeräuschen und Percussion. Interessant, welche Seite ihres Könnens uns die Jungs hier zeigen. Lediglich einen gewissen kleinen Sperrigkeitsfaktor erweisen die Jungs dann in dem Riffing des deutschsprachigen „Hausgeister“, das allerdings ein echt kultiges Sprachsample beinhaltet, ich sag nur Schlagbohrer innen Kopp tut doch weh…Schön, wie hier Knoedgens Bass immer wieder mal durchklingt.

Das gewaltige “Ghost Of Our Suicide” präsentiert wieder alle Register, die die Kasseler bereit und imstande sind zu ziehen. Der Mittelteil, in dem man diese Gitarren neben Blastbeats wiederfindet, ist einfach nur geil. „Everything You´ve Wronged“ kommt vom Arrangement her ein wenig sperrig rüber. So richtig in die Fresse haut das Ding leider nicht, zeigt aber die Vielseitigkeit der Jungs. Fast schon thrashig starten wir unseren Weg auf die grüne Meile in „Das Grüne Führt Ins Schwarze“, das danach stark Richtung Crustcore schwenkt. Was danach mit „A Tear Shed And A Promise Made“ folgt, ist nahezu unerreicht: Selten hab ich eine so geniale Kombination aus Grindcorevocals und solch genialer Gitarrenarbeit hören dürfen. Weltklassesong. Man beschließt das Album danach nicht ohne ein Augenzwinkern mit dem Bonustrack „My Surf Embrace“. Zu viel will ich hierüber nicht verraten, lasst euch überraschen, ich sag nur „Chopper“.

Der wahrhaft einzig und alleinige Grund, mit dem sich die Jungs Schelte bei mir einfangen, ist eine Ungehörigkeit, die so nicht geht: Die Spielzeit dieser professionell produzierten Scheibe ist mit gerade mal 35 Minuten viel zu gering ausgefallen. Nur 35 Minuten solch genialer Mucke, das ist zu wenig. Da will man mehr, auch wenn die CD zusätzlich mit einem feinen Multimediapart ausgestattet ist, denn da gibt es beispielsweise Videoclips, Wallpapers uvm. Es blutet mir das Herz, dass wegen der zu geringen Spielzeit Punktabzug erfolgen muss, aber 35 Minuten sind wirklich zu wenig, auch wenn das, was in diesen passiert, weltmeisterlich gut ist.

Bei dieser Band bestätigt sich mein persönlicher Slogan ein ums andere Mal, der da lautet: „Support the Underground!“, denn die Jungs stecken mit dieser Scheibe etliche womöglich voreilig gesignte Bands aber mal locker in die Tasche. Für läppische 8 Euronen könnt ihr dieses Geschoss direkt bei der Band ordern, und hell yes, das rate ich euch!

Fazit: Verdammt kernig, verdammt fett und besser als ich es hier mit Worten fassen kann. Gehört in diesem Genre mit zu den besten Scheiben, die ich dieses Jahr gehört habe. Und frage mich einmal mehr, warum eine solch gute Band wie My Cold Embrace mit solch starkem Material keinen Deal angeboten bekommt und stattdessen so viele Blindgänger in so manchem Label-Backkatalog rumgammeln. Ich bin stolz auf den Underground, den ich auch immer gern und wo es geht unterstütze; ich bin stolz, dass es Bands gibt wie My Cold Embrace.

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