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Mushroomhead: Beautiful Stories For Ugly Children

Eine überraschend vielschichtige Platte
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Metal, Crossover
Spielzeit: 49:32
Release: 12.11.2010
Label: Filthy Hands/Megaforce Records

Acht Kerle mit Masken, dazu eine etwas bizarr anmutenden stilistische Mixtur aus Techno, Rapcore und Nu Metal – das klingt ein bisschen, als hätten Slipknot es mit den Australiern The Berzerker getrieben. Das hat aber weder mit der einen noch mit der anderen Band sonderlich viel zu tun. Mushroomhead mögen zwar, ähnlich wie der Neuner aus Iowa, Anfang der Neunziger die Underground-Bühnen der Metalwelt betreten haben, konnten sich aber nie den Status erspielen, den Slipknot heute erreicht haben.

Warum nicht, fragt man sich da, hat die Combo rund um Shouter Waylon, Sänger Jeffrey Nothing, Bassist Pig Benis, Gitarrist Gravy, Keyboarder Shmotz, Sample-Man St1tch, Schlagzeuger Skinny und Percussionist L.D. doch einen nicht unwesentlichen Vorteil: Die Musik der Band ist wesentlich leichter zugänglich. Was nicht heißen soll, dass hier Popmusik gemacht wird. Überraschend ist der Sound der neuen Platte „Beautiful Stories For Ugly Children“ aber dennoch – keine Spur ist hier mehr von den Nu Metal-lastigen Track der 2003er-Platte „XX“ zu hören. Stattdessen trumpfen Mushroomhead mit großartigem Gesang, erdigen Gitarren und einem Southern Rock-lastigen Sound, der mal gechillt dahingleitet, mal direkt nach vorne prescht und mal den Hörer von hinten ins Knie schießt. Dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde, ist klar, haben die Männer doch mit Filthy Hands nicht nur ihr eigenes Label am Start, sondern konnten sich mit dem gleichnamigen Studio auch in den eigenen vier Wänden verbarrikadieren. Und weil man grade so schön im "DoIt Yourself"-Modus war, klemmte sich Schlagzeuger Skinny hinter das Mischpult und produzierte den ganzen Spaß am Ende auch noch. Das ist doch "family business".

Aber nun geht es um die Platte: Neben dem großartigen mehrfach aufklappbaren CD-Schuber, der jedem der Pilzköpfe eine eigene Seite zugesteht, wodurch man die Möglichkeit hat, die Masken in all ihrer gruseligen Pracht zu bewundern (und im Gegensatz hierzu sehen die Jungs von Slipknot zeitweise aus wie auf einem Kindergeburtstag). ist direkt der Opener und gleichzeitig die erste Single „Come On“  das erste Sahnehäubchen. Der Track schreddert nach vorne, die verzerrten Vocals erinnern dabei durchaus an ältere Mushroomhead-Scheiben und spätestens, wenn Jeffrey Nothing mit erstaunlich variabler Stimme „do you really wanna fuck with me tonight?“ gröhlt, weiß man: Mit dem Mann sollte man sich besser nicht anlegen - was für ein Opener!

Dabei führt uns der erste Song hier ein bisschen an der Nase herum, denn so manisch angehaucht geht es keineswegs weiter. Von den Rap-Einlagen früherer Tage ist wenig übrig geblieben, dafür überzeugen die Gitarrenläufe fast auf der ganzen Strecke und selbst Songs, die sonst ein wenig an einem vorbeigegangen wären, werden durch Gravys Fingerfertigkeiten deutlich aufgewertet. Jeffrey klingt – und das ist besonders beeindruckend, weil ich einen Teil der älteren Mushroomhead-Scheiben kenne – wie eine etwas aggressive Mischung aus Corey Taylor auf Stone Sour-Niveau und Zakk Wylde. Dazu passen die überwiegen erdigen, rauen Gitarren und der Bass natürlich perfekt und das Ganze gibt ein äußerst stimmiges Bild.

Vor allem in nicht ganz so rasanten Stücken wie dem brillianten „I’ll Be Here“ wird dieses Südstaaten-Feeling perfektioniert. Es ist ein Song, zu dem man zwar durchaus headbangen kann, sich aber auch einfach mit einem guten Whiskey auf die Veranda verziehen könnte. Ähnlich ruhig angelegt ist das etwas gruselige „Holes In The Void“, das mit Marschmusik-mäßigen Trommeln im Hintergrund und hauptsächlich weniger gesungenem als vielmehr gesprochenem Text daherkommt. Das ist für Mushroomhead-Verhältnisse gänzlich ungewohnt, aber der Song hat durchaus seine Daseinsberechtigung auf dieser Platte.

Besonders großartig ist der leicht zynische Unterton, den Fronter Jeffrey in manchen Songs an den Tag legt; vor allem bei „Your Demise“ kann man das ironische Grinsen beinahe hören. So machen die Stücke natürlich direkt noch ein bisschen mehr Spaß. Mit „The Feel“ gibt es ein Gänsehautfeeling, das man auf einer Mushroomhead-Scheibe so gar nicht erwartet hätte, umso willkommener ist die Überraschung, die sich hier in Form von wunderbaren Gitarrensoli und bluesigen Gesangesleistungen auftut.

Fazit: Mushroomhead sind mit „Beautiful Stories For Ugly Children“ einen großen Schritt nach vorne gegangen und haben nach diversen Label- und Line-Up-Wechseln wieder festen Boden unter den Füßen. Das Album in all seiner Vielschichtigkeit dürfte nicht nur Fans der Band gefallen, sondern auch allen Musikvernarrten, die ein bisschen Openmindedness mitbringen.

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