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Mundtot: Spätsommer

Hier muss noch ein bisschen am Songwriting gefeilt werden
Wertung: 6/10
Genre: Dark Rock, Dark Wave
Spielzeit: 42:50
Release: 20.04.2012
Label: Echozone

Wie sogenannter düsterer Indie Rock oder Gothic Rock nicht auszusehen hat, haben uns erst kürzlich Kalt mit ihrer "Der Sturm"-Platte bewiesen. Jetzt steht eine Formation an, die in einem ähnlichen Genre zugange ist, nämlich das Quartett Mundtot, die entgegen dem Bandnamen jede Menge zu sagen haben. Allerdings gehen die Bayern wesentlich motivierter und experimenteller zu Werke als Kalt, vermischen sie doch Dark Rock, Indie-Elemente und Industrial-taugliche, elektronische Samples mit einer durchaus auch mal monotonen Stimme von Sänger Tino, der aber selten in gelangweilte Tonlagen abgleitet, sondern eher eine gewisse Resignation ausstrahlt und damit des Öfteren an Dark-Wave-Bands der Siebziger oder Achtziger erinnert.

Der Backkatalog der Truppe schaut noch ein bisschen schmal aus, liegt doch mit der zwei Jahre alten "Endzeit"-EP und dem hier zu besprechenden Debütalbum "Spätsommer" nicht gerade viel Stoff zum Herzeigen vor. Einen Pluspunkt haben sich die Herren aber schon mal verdient: Sie bleiben konsequent auf der Schiene deutscher Texte und mischen nicht noch die englische Sprache mit hinein, wie es so viele Düsterbands so gerne versuchen (die meisten scheitern dabei spätestens am ersten Wort mit "th").

Mit zungenbrecherischen englischen Silben haben Mundtot also schon mal keine Probleme und auch Fremdschäm-Reime oder pathetisch-kitschige Phrasen werden auf "Spätsommer" gekonnt umschifft. Dafür hängt über dem ganzen Album ein richtig depressiver Schleier, aber was will man da auch sagen - die Welt ist nun mal nicht Friede, Freude, Eierkuchen und besteht nicht aus Regenbogen furzenden Einhörnern und fluffigen Tierchen (wobei es letztere sicherlich zuhauf gibt, allerdings landen die meistens auf dem Grill oder in der Pfanne). Dementsprechend handeln auch die Texte auf "Spätsommer" nicht von Liebe und Glück, zumindest nicht von Liebe in ihrer besten Form, sondern von Wut, Enttäuschung, Hass. Eben alles, was einem bei dem Wetter so in den Sinn kommt.

"Endzeit" bietet da einen ungewöhnlichen, aggressiven Einstieg für das Genre - schlimmer geht's immer, das ist die eigentlich Aussage des Songs und hier entwickelt sich schon der sympathisch resignierte Realismus des Sängers. Im Refrain schraubt sich das Stück zu einem richtig schönen Tanzflächenfüller hoch, der sicherlich demnächst in einigen Clubs laufen dürfte.

Stücke wie "Falscher Stolz" geraten dann fast schon eine Spur zu monton, allerdings greift auch hier der Refrain noch mal mit härteren Gitarren und entsprechenden Samples an - also eine gar nicht so schlechte Mischung, wenn man nicht den faden Beigeschmack im Mund hätte, dass Mundtot so ziemlich jedes aggressivere Stück nach diesem Muster gestalten würden.

Dafür markiert "Tanz den Untergang" aber zweifelsfrei das Highlight der Platte: Allein die Kombination der recht forschen Gitarren im Refrain, die mit Tinos fast etwas zu leisem Gesang konkurrieren, ist einen Anspieltipp wert. "Spätsommer" kommt mit erstaunlich rockigen Gitarren daher und hält sich für einen Titeltrack sehr wacker, obwohl natürlich auch hier Zeilen wie "Genieß die Sonne ein letztes Mal" nicht unbedingt von grenzenlosem Optimismus zeugen. Umso schöner kommen aber solche Songs daher, denn Optimismus ist bekanntlich ohnehin nur ein Mangel an Informationen.

Insgesamt hat "Spätsommer" zwar einen wunderbar deprimierenden Unterton, am Songwriting kann aber durchaus noch gefeilt werden, um die Songs nicht wirken zu lassen, als wären sie alle nach Schema F aufgebaut worden. Tracks wie "Spätsommer" und "Tanz den Untergang" zeigen das Potenzial der Truppe schon auf, man darf also als Gothic-, Industrial- oder auch Dark-Wave-Fan durchaus schon mal auf die nächste Platte gespannt sein.

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