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Mucc: Kyutai

Weniger Experimente, besseres Gesamtpaket
Wertung: 8.5/10
Genre: Modern Metal / Neo Thrash / Rock
Spielzeit: 48:18
Release: 24.04.2009
Label: Gan Shin-Records

Gerade ein Jahr ist es her, da Mucc ihr letztes Album „Shion“ veröffentlicht haben und schon liegt mit „Kyutai“ der nächste Longplayer vor. Nun kann eine so kurze Zeit zwischen den CDs entweder einen Schnellschuss oder ein hohes Maß an Kreativität bedeuten. Bei dem neuen Album der Japaner ist letzteres der Fall, denn wieder einmal hat das Quartett, das zur Spitze der modernen Visual Kei-Szene zählt, neue musikalische Wege beschritten, die allerdings nicht jedem Fan behagen dürften.

Waren auf dem Vorgänger die Pop-Elemente mehr denn je in den Vordergrund getreten und der Stilmix mit einer düsteren Atmosphäre angereichert, so wurde dieses Konzept auf der aktuellen Platte wieder komplett verworfen. Die mit zahlreichen modernen Metal-Bands wie Bullet For My Valentine und As I Lay Dying bestrittene „Taste Of Chaos“-Tour scheint Mucc ein ganzes Stück weit beeinflusst zu haben, denn "Kyutai" ist zu großen Teilen das härteste Album der Japaner geworden, auch wenn sich der Sound stark von dem der eben genannten Bands unterscheidet. So sind die Pop-Einflüsse weiterhin in den eingängigen Refrains und einzelnen Songs vorhanden, wobei die Ausrichtung oftmals deutlich aggressiver als auf älteren Werken ist.

Schon nach dem Intro „Sphere“ gibt der erste richtige Track „Howling“ die Marschrichtung vor: Treibende Thrash Metal-Riffs verbinden sich mit dem ungewohnt garstigen Gesang, der nun auch des öfteren in wütendes Gebrüll übergeht. Im enorm mitsingtauglichen Refrain ist dann wieder die unverkennbare Stimme Tatsuros zu hören, die in ihrer klaren Form noch ein wenig mehr Charisma besitzt als sonst.

Mit „Ageha“ folgt dann das wahrscheinlich härteste Stück, das Mucc jemals geschrieben haben. Donnerndes Riffing wechselt sich mit tiefem Shouting und einigen Growls ab, bevor der großartige Refrain wieder mehr Melodie ins Spiel bringt. „Hide And Seek“ führt die Mischung aus Härte und Melodie fort und begeistert mit tollen Chören im Refrain, bevor mit „Heat Devil“ die erste Ballade auftaucht, die den harten Stücken aufgrund ihrer Emotionalität in nichts nachsteht.

Die zweite Hälfte des Albums gestaltet sich zwar ein wenig ruhiger als die erste, hält aber auch einige starke Songs bereit. Bei „Oz“ gelingen Mucc überraschende Wechsel zwischen poppigen Teilen und plötzlichen metallischen Eruptionen, „Flotage“ hingegen erinnert wohl von allen Stücken am meisten an ältere Mucc-Songs. Neben der rockigen Single „Sora To Ito“ befinden sich mit „Hymn“ und „Hanabi“ noch zwei Stücke auf „Kyutai“, die ein wenig experimentierfreudiger daherkommen als der Rest des Albums.

Auf „Hymn“ liefert sich Tatsuro ein Duett mit der Sopranistin Hisako Chou, wobei er oftmals auf sein Falsetto zurückgreift und dabei tatsächlich zu überzeugen weiß. Das Ganze wirkt insbesondere in der zweiten Hälfte des Songs geradezu episch, wenn beide Stimmen gemeinsam überraschenderweise „Ave Maria“ anstimmen. Mit „Hanabi“ erhält das Album dann einen würdigen Abschluss, denn das Stück baut sich stimmungsvoll auf und wartet mit einigen symphonischen Elementen auf.

Mit ihrem technischen Können, welches das auf den Vorgängern noch einmal in den Schatten stellt und der nahezu perfekten Produktion wird das Album optimal abgerundet, so dass man „Kyutai“ mit Recht als eines der besten Werke Muccs bezeichnen könnte, wenn nicht sogar als die Nummer Eins. Man könnte zwar auch behaupten, dass die Japaner ihre Identität und die Lust am Experimentieren verloren hätten; angesichts eines qualitativ solch hochwertigen Albums dürften aber alle, die etwas mit der neuen musikalischen Ausrichtung der Band anfangen können, „Kyutai“ mögen.

Zusätzlich zu der CD befindet sich in dem edel aufgemachten Digipak noch eine DVD, auf der ein Teil eines in New York mitgeschnittenen Konzertes zu finden ist. Mucc präsentieren sich hier als eine energetische Live-Band und spielen selbst die poppigeren Stücke angenehm rau, obwohl die Setlist ansonsten eher auf härtere Stücke setzt, was sich auch in den ungewohnt düsteren Outfits der Band niederschlägt.

Tatsuro animiert das Publikum wunderbar und erfreut mit lustigen Geräuschen an einigen Stellen der Songs und seiner agilen Performance, in die er gegen Ende sogar einen spektakulären Sprung zurück auf die Bühne einbaut. Auch der Rest der Band hat sichtlich Spaß an der Sache, so ist die Saiten-Fraktion mit Dauerposing beschäftigt, während der Schlagzeuger spontan eine großartige Leistung abliefert.

Die DVD rundet das sowieso schon gelungene Album noch einmal ab und macht „Kyutai“ zu einem gelungen Gesamtpaket, das gekonnt zwischen modernem Metal und Einflüssen aus Pop, Elektro und anderen Genres schwankt; bei der nächsten Platte dürfen aber ruhig wieder ein paar mehr Experimente her.

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