Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Mr. Irish Bastard: Never Mind The Bastards - Here Is Mr. Irish Bollocks

Das Folk-Punk-Pferd von hinten aufgezäumt
Wertung: 7.5/10
Genre: Irish Folk-Punk
Spielzeit: 38:36
Release: 23.09.2011
Label: Reedo Records/Rough Trade

Der Tourbus von Rockbands ist als gemeinschaftliches Transport- und Trinkvehikel ein hervorragender Geburtsort für skurrile Musikprojekte. So überrascht es nicht, dass die Münsteraner Irish-Folk-Punkrocker Mr. Irish Bastard ausgerechnet auf einer längeren Autofahrt auf die Idee kamen, das anstrengende Songwriting einmal hintenan zu stellen und stattdessen zu covern. Nicht nur einen Song, sondern gleich ein ganzes Album; genauer: Das wegweisende (und einzige) Album der nicht weniger wegweisenden britischen Sex Pistols. „Never Mind The Bastards – Here Is Mr. Irish Bollocks“ war – zumindest in Gedanken – geboren und acht Monate Studioarbeit später schließlich vollendet.

Mit ihrer Idee einer folkigen Hommage an ein 1977er-Punkrockalbum, zäumen Mr. Irish Bastard das Folk-Punk-Pferd gewissermaßen von hinten auf: Während Bands wie Fiddler's Green und Dropkick Murphys gern mal altehrwürdigem Folk per Stromgitarre einen Iro rasieren, verpassen die fünf Bastarde Johnny Rotten und Co. eine Infusion mit Banjo, Mandoline, Tin Whistle und Blechbläsern. Klingt witzig – aber klingt es auch so?

Zunächst klingt es vor allem gar nicht so wenig wie das Original. Eigentlich kein Wunder, denn die Trägerelemente sind eben nach wie vor bratende Gitarren, treibende Drums und räudige Vocals. An den Songstrukturen ändern die Münsteraner ebenfalls nicht viel, so dass es den traditionellen Instrumenten überlassen ist, für eine eigene Note zu sorgen. Im Opener schöpft man in dieser Hinsicht daher auch erst einmal richtig aus den Vollen: Stetig pluckert das Banjo, die Tin Whistle fügt sich trällernd in die Gitarrenriffs ein und gekonnt gesetzte Bläser sorgen für mehr Punch.

„Bodies“ eröffnen Mr. Irish Bastard mit Unterstützung eines Akkordeons, halten sich ansonsten aber ein bisschen mehr zurück was Gedudel und Geklimper angeht. In der Strophe ist allenfalls im Hintergrund ein bisschen Banjo zu hören, im Refrain kommt dann auch die Whistle mal wieder zum Einsatz. Erst gegen Ende des Songs ist das gesamte Instrumentarium wieder am Start. Im Klassiker „Anarchy In The UK“ macht die Band wiederum besonders exzessiv Gebrauch von ihrer Bläsersektion, die den hymnischen Refrain noch ein bisschen dicker macht und auch zwischendurch den ein oder anderen Tusch herausposaunen darf. Zur vielleicht eigenständigsten Coverversion der Platte gerät anschließend die bastardisierte Fassung von „Submission“. Der im Original ziemlich basslastige Brecher bietet reichlich Raum für folkige Melodien und bringt vor allem die Tin Whistle, die bei anderen Songs gern ein bisschen im Hintergrund bleibt, gut zur Geltung.

Die eigene Einstellung zur irischen Hirtenflöte ist übrigens einer der ausschlaggebenden Faktoren dafür, ob man „Never Mind The bastards – Here Is Mr. Irish Bollocks“ als Hörer für eine gelungene Huldigung oder überflüssigen Unsinn hält: Wem das Gefiepe schon nach drei Songs auf den Zwirn geht, der lässt besser die Finger von der Platte. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass Letzteres auch für Folk-Puristen, Banjoverachter und Akkordeonhasser gilt. Wer die Originalscheibe kennt und sie vor allem ihrer rohen Energie wegen liebt, sollte an das Werk der Bastarde ebenfalls vorsichtig herangehen. Stellenweise geraten deren Coverversionen nämlich leider etwas zu brav und hätten vor allem soundtechnisch ein Quentchen mehr Rotz vertragen können. Von einer Zerstörung eines Meilensteins, wie sie bei Coverprojekten immer gefährlich nahe liegt, kann aber zum Glück noch lange keine Rede sein: Dafür gehen Mr. Irish Bastard viel zu respektvoll mit der Vorlage um – manchmal trauen sie sich vielleicht sogar zu wenig. Als angemessene Verneigung vor den eigenen Idolen und kurzweiliges Folk-Punk-Ständchen geht die Platte aber allemal durch.

comments powered by Disqus