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Mr. Irish Bastard: A Fistful Of Dirt

Party all night long
Wertung: 9.5/10
Genre: Irish Folk Punk Rock
Spielzeit: 46:07
Release: 23.04.2010
Label: Reedo Records / Rough Trade

Was zur Hölle geht denn hier ab? Da flüchtet einer aus Irland, lässt sich in der Studentenstadt Münster nieder und sammelt diverse Gestalten um sich. Den köstlichen Banjo und Mandoline spielenden Gran E. Smith, das leckere Bassgewitter Bouef Strongenuff und Lady Lili, welche glücklicherweise nichts mit dem Schlagerduo Gitti und Erica zu tun hat, am Gesang und Whistle sowie den Motorradfahrer aus der Hölle, Ivo K`Nivo. Komische Mischung, aber ach ne, die werden ja alle etwas anders geschrieben. Ich Dummerchen.

Da ist was durcheinander geraten, also noch mal von vorn: Mr. Irish Bastard legen mit „A Fistful Of Dirt“ ihre dritte Scheibe vor. Natürlich wird auch hier wieder dem folkigen Punk Rock gefrönt. Also, was sollte man vor dem Abspielen der Scheibe tun? Stellt Bier und Whisky, nein, Whiskey bereit, macht Platz in der Bude, zieht den Lautstärkeregler in das obere Drittel, aber auch nicht auf vollen Stromverbrauch. Scheibe einlegen und los geht die Party.

Das Intro „Thirty Pieces Of Silver“ animiert zu “Riverdance”-artigem Getanze des Rezensenten. Seid froh, dass ihr das nicht sehen könnt, selbst die Kater guckten erst verdutzt und traten dann die Flucht an. Aber die Stimmung steigt mit einem breiten Grinsen. Yehaa, was für ein seltsamer Einstieg. Aber deutlich rockiger wird es dann mit „Bite The Dust“. Sobald der Backgroundchor erklingt, meint man, irgendwie ein wenig Die Toten Hosen-Flair zu erhaschen. Das Stück selbst ist etwas rau und geht recht straight voran. Von Folk ist hier weniger zu spüren, aber die Melodie geht schnell ins Ohr und sorgt für weitere Körperbewegungen, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, zumal sich der erste Bierhumpen auch schon dem Ende naht, aber man hat sich ja vorbereitet.

„Skin & Bones“ beginnt fast wie ein kleines Seemannslied, man schunkelt und grölt mit, bevor es einen raschen Richtungswechsel gibt, das Tempo wird forciert, Banjo und Flöte sorgen für richtig Stimmung, Die Stromgitarren bleiben im Hintergrund und trotzdem geht hier gerade eine Party los.

Dann wird es wieder deutlich punkrockiger. „I Smell The Blood (Of An Irish Man)“. Kräftig treiben The Irish Bastard, Boeuf Strongenuff und Schlagwerker Gran E. Smith den Hörer vor sich her. Der Schädel fliegt vor und zurück, das Tanzbein wird geschwungen, die Wohnung verändert sich bedrohlich in ein Endzeitthema, aber die Mengen verschütteten Biers halten sich erstaunlicherweise noch in Grenzen

„Ghosttrain“ lädt dann zum ersten großen Glas Whiskey ein. Leicht alkoholisiert wankt man grölend zum Takt mit. Ja, so kann man sich ein wenig erholen und den Promillewert anheizen, denn das wird schnell notwendig, um bei „Paddys Last Tango“ weitere Teile der Inneneinrichtung zu zerstören, weil irgendwie alles so eng geworden ist. Mit kräftigen Punkwurzeln wird hier dem Folk gefrönt und zum Mitgrölen animiert. Der Nachbar hämmert an die Tür und fragt, ob ich auch ein Erdbeben gespürt hätte. Scheiß egal, nun trinkt und tanzt er mit, so macht es auch mehr Spaß, wenn die Arme übereinander gelegt werden und man die Beine in die Luft schleudert, Prost.

„Forty Something Street“ geht dann auch direkt in die Beine und der eigentlich reichlich vorbereitete Biervorrat neigt sich langsam zum Ende, aber zum Glück feiert der Nachbar ja ebenso mit und so wird kurzerhand Nachschub aus dem Keller herangekarrt. Folkrock mit angezogenem Tempo ist doch etwas Schönes.

„Don`t Judge Me“ lebt einmal mehr von The Irish Bastards rauer Stimme. Freudige „Fuck You“-Rufe sorgen für weiterhin ausgelassenes Punkfeeling. Coole Nummer mit genug Blut im Alkohol. Insgesamt zwar nicht der Song, der qualitativ bei dem bisher Gebotenen mithalten kann, aber zu diesem Zeitpunkt ist die Party eh am kochen, Prost!

Bei „Second World Song“ wird abwechselnd auf einem Bein durch die Bude gehüpft, um mit angezogenen Armen zu wedeln und freudig mitzugrölen. Die Begegnungen mit dem Nachbarn würde ich mal als Softslamdance bezeichnen. Versöhnlich geht es dann Arm in Arm im Kreis herum. Yehaa, der Whiskey ist nun  auch schon alle.

„Refugee From Hell“ marschiert dann mit mächtig Groove durch den Schädel, der Zwei-Mann-Chor in der Wohnung wird auch schon zeitweise von Fußgängern vorm Haus unterstützt und ich frage mich nur, wer denn den Lautsprecher durch die Scheibe auf den Balkon umdekoriert hat. Ein Song, bei dem man einfach mitmachen muss. Von so etwas träumten The Boss Hoss auf ihrem letzten Album.

Dann wird es Zeit für die traditionelle Coverversion des Albums. Diesmal durften Dead Or Alive dran glauben. „You Spin Me Round“ wurde einer Mr. Irish Bastard-Kur unterworfen. Punkiges Countryfeeling kommt da auf. Wüsste man es nicht besser, hätte das auch eine Eigenkomposition sein können. Cool, wie Another Man`s Country“ dann zum Kopfschütteln anregt mit dem brillanten Banjo. Was tritt diese Band in den Allerwertesten. 

„Isn`t It Grand, Boys?“ fordert dann nochmal die letzten Kraftreserven und zum Glück wird das forsche Tempo nach zweieinhalb Minuten zurückgeschraubt, denn man liegt zu zweit auf der Erde und kann sich nicht mehr so recht koordiniert bewegen. Da scheint wohl des Nachbars Bier schlecht gewesen zu sein, also krabbelt man auf allen vieren zum Getränkeschrank und greift einfach zu. Lesen kann man in diesem Zustand eh nicht mehr, aber das schlechte Bier muss mit Alkohol desinfiziert werden. Leider war es die Flasche Absinth, die als erstes in die Hände fiel.

Zu dem, was sich dann im Schädel abspielt, passt der Song „End Of The World“ dann wie ein Leberhaken von Vladimir Klitschko. Eine tolle Vocalline, perfekt von den Musikern unterstützt, ohne das Ganze ins Schmalzige abdriften zu lassen. Ne, was ist das schön. Irgendwie bekomme ich die letzten Töne auch gar nicht mehr mit. Dass das Ende der Welt erreicht ist, bemerke ich als ein recht unfreudiges „Was ist denn hier passiert?“ an meine Lauschorgane herantritt. Der Stimme nach zu urteilen, scheint meine Frau gerade von der Arbeit gekommen zu sein. Und da waren sie wieder, meine Probleme. Von dem, was dann folgt, erzähle ich euch vielleicht ein andermal…

Fazit: Eine absolute Hammerscheibe, die mehr als nur mitreißt. Hier wird gekonnt gezockt und Stile miteinander vermischt. Selten wird man auch körperlich dermaßen zum Bewegen angeregt. Alkoholgenuss wird stimuliert und Partyfeeling kommt auf. Da verzeiht man auch, dass Iren Whisky mit e schreiben. Das Ganze in einem kleinen Pub und keiner kann für die Einrichtung garantieren. Da trink ich gerne 9,5 von 10 Bierkrügen.

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