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Mr. Gil: Light And Sound

Zurücklehnen, Augen schließen und zuhören
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock, Acoustic
Spielzeit: 38:00
Release: 21.01.2011
Label: Electrum Production

„Light And Sound“, das dritte Album von Mr. Gil, ist keine typische Rockplatte. Die Band kommt mit Akustikgitarre, Cello und Piano aus und benötigt kein hartes Schlagzeug, die Texte sind poetisch. Unterstrichen wird die melancholisch-melodiöse Grundstimmung des Werkes mit der warmen und eindringlichen Stimme Karol Wróblewskis.

Schaffer dieses Albums ist Bandnamensgeber Mirek Gill, bekannter Gitarrist und Rockcomposer in Polen. Trotz der Melancholie, die von den sieben Gesangsstücken auf „Light and Sound“ ausgeht, schien er darauf bedacht zu sein, dass dieses Album keine zu schwere Kost wird. Womit man bei dem Intro „One Wish To Mother“ hätte rechnen können. Die beiden anderen Instrumentalstücke „Best Regards“ und „The Bright Island“ lockern die Stimmung auf und erinnern stark an keltische Folkmusik.

Auffallend an dem Album der polnischen Band ist die Harmonie, die von ihm ausgeht. Mr. Gil verzichten auf einzelne Songs als Albumaufhänger und bauen lieber auf ein solides Geflecht aus Liedern, die ein schönes Gesamtbild geben, ohne einzeln ihren Glanz zu verlieren.

Im bereits angesprochenen Intro „One Wish Mother“ ist allein Konrad Wantrychs Piano zu hören. Das eingängige Stück scheint darum zu bitten, sich zurück zu lehnen, damit man den folgenden Tracks aufmerksam lauschen kann.

Die Lieder „Easily” und „Annah“  zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Stimme des Sängers in einer Einheit mit den Instrumenten befindet. Die beiden Liebeserklärungen sind beinahe schon traumwandlerische Erzählungen, wobei Cello, Gitarre und Piano die Geschichten vervollständigen, mitsprechen.

Geschichten erzählen kann ebenso die Powerballade „King Of Gold“. Sie steht an sechster Stelle der CD und ist scheinbar ihr Herzstück. Cellistin Paulina Druch baut mit ihrem Instrument eine Grundspannung auf, die einem direkt in die Seele geht. Will dieses Lied beruhigen, keine Angst vor dem Tod zu haben, oder keine Angst vor dem Leben? Der Adressat soll weiter gehen, denn es gibt nicht nur einen Weg, in welche Richtung muss er entscheiden.

„Light And Sound“ gibt dem Album seinen Namen. In selten gehörten sanften Tönen wird eine Person, die ihren Liebhaber verletzt und dessen Schmerz nicht sieht, kritisiert. Text und Melodie bilden hier diesmal keine Einheit, sondern einen Kontrast. Dieses Lied wird geflüstert, beinahe als wispere eine leise innere Stimme.

Ein besonderer Song, der zweimal auf „Light And Sound“ vertreten ist, einmal passend im Akustikstil und einmal die rockige Originalversion als Bonustrack, ist „Kto Aniolem Byl?“ (frei übersetzt „Wer war (einst) ein Engel?“). Wer polnisch nie gesungen gehört hat, erfährt nun, wie schön diese Sprache klingen kann. Selbst wer kein Wort versteht, hört trotzdem heraus, dass wieder eine Geschichte erzählt wird. Dieses Gefühl geht in der Rockversion etwas verloren, doch ist die Version mit Schlagzeug, E-Gitarre und Chorstimme eine interessante Abwechslung und Überraschung am Ende des Albums.

Mr. Gil bringen mit „Light and Sound“ ein kleines Kunstwerk auf den Markt, das sich nicht auf die lauten, sondern eben auf die leisen Töne spezialisiert hat. Mit Liedern, die zu schade sind, um sie nur im Hintergrund dudeln zu lassen. Liedern, bei denen man sich zurücklehnen, die Augen schließen und einfach nur zuhören sollte.

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