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Mourning Beloveth: Rust & Bone

Zwischen irischer Folklore und Doom Metal
Wertung: 7,5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 37:31
Release: 22.01.2016
Label: Ván Records

Die Iren sind für vieles bekannt: Guiness, Irish Stew, Barschlägereien, rote Haare – aber Doom Metal gehört nun wirklich nicht auf die Liste der irischen Klischees. Das Quintett Mourning Beloveth scheint dies ändern zu wollen, gehen sie doch bereits mit ihrem sechsten Album an die Startposition. „Rust & Bone“, so der Titel, ist optisch schon mal passend aufgemacht, kommt die EP doch im schwarzen Karton mit Goldgepräge daher, schlicht, aber wirkungsvoll. Textlich haben es sich die Iren nicht nehmen lassen, im finalen „A Terrible Beauty Is Born“ W.B. Yeats' Gedicht „Easter 1916“ zu zitieren – auch eher ungewöhnlich für eine Metalband.

Beim ersten Blick auf die Tracklist fallen die Spielzeiten auf, die zwischen einer Minute und 16 Sekunden („Bone“) und 16 Minuten 23 Sekunden („Godether“) doch sehr stark schwanken und zeigen, dass Mourning Beloveth durchaus wissen, welche Arrangements mehr Raum benötigen, um sich richtig entfalten zu können. Das überlange „Godether“ beispielsweise wird mit diffusen Gitarren eingeleitet, dazu gesellt sich der fast sehnsuchtsvolle, klare, leicht verzerrte Gesang von Sänger Darren Moore, der einen fast orientalischen Touch mit sich bringt, bevor die elektrischen Gitarren eingestöpselt werden und der Gesang in Growls umschlägt. Immer wieder wird der Ausbruch abgebremst, sei es durch die Akustikgitarre, geflüsterte Passagen oder leicht gruselige, geisterhafte Hintergrundgesänge, die ebenso gut einer Frau wie einer singenden Säge entsprungen sein könnten.

„Rust“ und „Bone“ markieren mit jeweils unter zwei Minuten die kürzesten Stücke, zwei quasi-instrumentale Songs, die die Brücke schlagen zwischen den längeren Tracks, von denen „The Mantle Tomb“ mit teils fast klassischem, teils aggressivem Gesang und drängenden Gitarren typisch doomige Stimmung verbreitet, immer darauf bedacht, leichte Monotonie mit einfließen zu lassen – die Verzweiflung, die Doom-Bands ja naturgemäß verbreiten, wird dadurch noch verstärkt, dem kommen natürlich auch die dezenten Anleihen an My Dying Bride zugute.

Neben dem ästhetisch ansprechenden Artwork und den lyrischen Ausflügen zu Yeats und Co. nutzen Mourning Beloveth außerdem eine handgefertigte Akustikgitarre, die ihren Höhepunkt im bereits erwähnten, finalen „A Terrible Beauty Is Born“ findet, das erstmals mehr als einen Hauch irischer Folklore verbreitet. Unterstützt von Gitarrist Frank Brennan nutzt Sänger Darren hier den klaren Gesang, um dem Publikum die Ursprünge seiner Heimat näher zu bringen, die Anlehnungen an das Yeats-Gedicht kreiern eine zusätzliche spannende Atmosphäre, was den Song zu einem der Highlights der EP macht, zumal der erklärte Kriegspoesie-Gegner Yeats hier abschließend mit Kanonenschüssen untermalt wird.

Insgesamt ist „Rust & Bones“ sicherlich ein interessantes Stück Musik geworden, bei dem man auch mal in die im Booklet abgedruckten Texte eintauchen muss, um sich in die richtige Stimmung zu versetzen. „Einfach mal nebenbei hören“ sollte man die fünf Songs starke EP nicht unbedingt, sonst gehen mit Sicherheit einige Highlights verloren. Die beiden Instrumentalstücke sind zwar hilfreich, um die Gedanken wieder zu sammeln, hätten aber nicht unbedingt auf der EP sein müssen und dienen so leider eher als Lückenfüller. Dennoch: Hören lohnt sich!

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