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Mouga: The God And Devil's Schnapps

Wird Polen das neue Land des Experimental Metal?
Wertung: 9.5/10
Genre: Alternative Metal, Metalcore
Spielzeit: 35:46
Release: 19.04.2010
Label: Mystic Production

Das in Polen ansässige Label Mystic Production hat uns schon des Öfteren positive Überraschungen beschert, zuletzt mit dem genialen Album „Black ’N’ Roll“ von Black River. Diesmal geht das, was da aus dem Hause Mystic zu uns herüberschwappt, musikalisch zwar in eine völlig andere Richtung, qualitativ kann es sich aber durchaus mit dem rotzigen Release der oben genannten Band messen. Mouga heißt die vierköpfe Combo, die hier mit ihrem Debüt „The God And Devil´s Schnapps“ zum Angriff blasen.

Den Hörer erwartet nicht nur eine frische Mischung aus modernem Metal, sprich mit ordentlichem Metalcore-Einschlag, sondern mit Konyu auch ein Sänger (und Gitarrist), der sein Handwerk versteht und dessen Stimme wohltuend aus dem Einheitsbrei moderner Vokalisten heraussticht. Die Polen taten sich bereits 2005 zusammen und spielen bis heute in ihrem Gründungs-Line-Up. Erst seit letztem Jahr ist das Quartett bei Mystic Production unter Vertrag, und wenn man sich den ersten Output der Jungs so anhört, bekommt man fast Angst ob der ungeahnten Möglichkeiten, die ihnen in den nächsten Jahren noch bereitstehen.

Direkt zu Anfang kann zumindest ich mir das Grinsen nicht verkneifen: Kennt hier noch jemand Alien Ant Farm, die 2001 mit ihrer zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Coverversion von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ die Charts stürmten? Das Anfangsriff des Mouga-Openers „Placebo Silence“ erinnert extrem an den AAF-Song „Movies“. Startet mal den Vergleich, es lohnt sich. Der polnische Vierer geht hier zumindest direkt an die Decke, der Song macht es sich in der Metalcore-Ecke gemütlich, versprüht aber gleichzeitig einen leicht progressiven Touch und eine absolut mitreißende Dynamik, die an die älteren Stücke von Silverstein erinnert.

Alle, die mit der Stimme von Scars On Broadway-Sänger und System Of A Down-Maniac Damon Malakian nichts anfangen können, können sich a) das Weiterlesen sparen und brauchen b) die Band überhaupt nicht erst anzuchecken, denn Konyu klingt stellenweise verblüffend nach dem Armenier. Wie auch bei Malakian, wird seine Stimme in den höheren Nuancen ein wenig anstrengend, entbehrt aber nicht eines gewissen Funkens Wahnsinn, der die Songs erst richtig spannend macht.

Im Gegensatz zum recht experimentellen Einstieg steuert „Who Killed The Phoenix?“ eher Richtung Emocore, beinhaltet aber auch einige deftige Shouts, die man dem Kerlchen so gar nicht zugetraut hätte. Die Kollegen Bazant und Dywan geben an der Saitenfraktion alles und auch Drummer Stepol macht an den Fellen keine Gefangenen und unterstützt mit sehr tightem Spiel. So muss sich eine Band anhören, so macht sogar das bloße Zuhören Spaß – wie die Jungs live loslegen müssen, kann man sich kaum vorstellen!

Mit „I Can Hold“ bieten die Vier eine astreine Emocore-Ballade, bevor mit „Mescaline“ wieder aus allen Rohren gefeuert wird. Zwar ist die Dynamik etwas konfus und der Gesang erinnert an AAF-Sänger Dryden Mitchell, aber Mouga überzeugen trotzdem durch ihren eigenen Charme. Zu meiner Überraschung klingt Konyu beim Dampfhammer-Song „Veins“ einen Moment lang wie Ittai von Blessed By A Ghost und ich frage mich, ob sich die Bands vielleicht untereinander kennen?! Zeit zum Nachdenken bleibt kaum, denn Mouga hauen dem Hörer mit „Animal“ die geballte Metalcore-Power um die Ohren, und klingen dabei fast wie ihre amerikanischen Brüder im Geiste.

Die Platte hört mit „Schackles & Feathers“ so auf, wie sie angefangen hat: Überraschend kraftvoll, individuell und vor allem mit absolut genialem Gesang. Mouga haben auf ihrem Debüt definitiv alles richtig gemacht und sorgen hoffentlich bald auf deutschen Bühnen für einen ebensolchen Wirbelsturm wie auf ihrem Album.

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