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Motorjesus: Wheels Of Purgatory

Ein ehrliches Album mit großartigen Musikern
Wertung: 8/10
Genre: Hardrock, Metal
Spielzeit: 53:20
Release: 10.12.2010
Label: Drakkar Records

Eine Band mit dem blumigen Namen The Shitheadz kommt dank Mütterchen Zensur nicht weit im Leben. Sich in Motorjesus umzubenennen, war darum vermutlich die intelligenteste Entscheidung, die die Combo aus Mönchengladbach jemals getroffen hat. Sowieso passt der nicht mehr ganz so neue Name – immerhin fand die Neutaufe schon vor vier Jahren statt – wie Arsch auf Eimer zu der Musik des Quintetts. Mit ihrem mittlerweile vierten Longplayer „Wheels Of Purgatory“ füllen die Hardrocker eine Lücke in der deutschen Musikszene – denn, man möchte es kaum für möglich halten, irgendwie klingen sie, als könnten sie die deutschen Monster Magnet sein.

Spaßig vorwärts gerockt wird hier, dabei gibt sich die Band aber nie der pseudomäßigen Dicke-Eier-Lächerlichtkeit preis, wie man das immer mal bei anderen Combos erleben muss. Die beiden Gitarristen Guido Reuss und Andreas Peters feuern ein großartiges Solo nach dem anderen ab und auch dazwischen stehen die Saiten niemals still – von Sänger Christoph „Howling“ Birx gar nicht zu reden. Von Grunge-behaftetem Gegrummel über theatralische Classic Metal-Einschübe bis hin zu den obligatorischen Hardrock-Gesängen beherrscht der Mann so ziemlich alle Stile.

Man müsste ja denken, es gäbe schon genug Hardrock-Kapellen aus deutschen Landen, die übertrieben posend auf den Bühnen dieser Welt ihr Unwesen treiben und, seien wir ehrlich, das Kerosin-belastete Cover der neuen Motorjesus-Scheibe lässt jetzt nicht wirklich auf großartige Individualität hoffen. Das muss es aber auch gar nicht. Klar war das alles schon mal da, vornehmlich in den Achtzigern, wo man die Musik vor lauter Spandex und Haarspray durchaus mal aus den Augen verlieren konnte – stellt euch das Ganze nun mal mit Lederhosen und schwingenden Matten vor und ihr könnt euch in etwa vorstellen, was die vierzehn Songs bereit halten.

Gut, auf das „Ignition“-Intro hätte man verzichten können, aber so werden die Boxen schon mal auf Zukünftiges eingestimmt. „Motor Discipline“ groovt dann im Refrain schön nach vorne und man wippt automatisch ein bisschen mit, aber wirkliche Begeisterungsstürme kommen erst bei „Fist Of The Dragon“ auf: Im Intro mit lustigen Kungfu-Kampfgeräuschen bestückt, steigert sich der Song dann zu einem Hardrock-Schieber der Extraklasse. Ein bisschen James Hetfield spielt in Birx’ Gesang mit hinein, mit dem Unterschied, dass Motorjesus hier eine großartige Ohrwurm-Bridge kreiern, die Hetfield und Konsorten so schon länger nicht mehr hinbekommen haben.

„Fuel The Warmachine“ ist dann eher traditionell gehalten und erinnert von der Dynamik her ein bisschen an die Scorpions, auch wenn mir Birx’ Stimme um Längen besser gefällt als die von Klaus Meine. „Hammer Of The Lord“, die Hymne für alle, die Jesus schon immer als Schwarzenegger-mäßigen Actionhelden gesehen haben (ja, darum geht’s in dem Track tatsächlich), kommt eine gute Spur heavier aus den Boxen, auch wenn der Refrain dann wieder klassisch metallisch angehaucht ist und ein wenig Iced Earth-Stimmung verbreitet. Ein guter Track, bei dem man allein wegen des Textes schon schmunzeln muss – und das Gitarrensolo kann auch noch überzeugen.

Beim Titeltrack wird dann noch mal eine ordentliche Schippe Dreck in die Stimme gepackt, und das passt natürlich wunderbar zum Sound der Band, auch wenn der Refrain ein leicht deprimierendes Flair versprüht. Selbiges Gefühl wird mit dem rasanten „The Church (Of Booze And Kerosene)“ allerdings recht schnell wieder vertrieben – hier darf die Matte ebenso wie die Hüfte geschwenkt werden, und wer bei dem Song und vor allem dem grandiosen Gitarrensolo noch still sitzt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Fernab des „normalen“ Albums haben die Motorjesusse noch zwei Bonustracks mit auf die Platte gepackt – Numero uno, „Electric Rise“, entpuppt sich, wie man sich beim Titel hätte denken können, als schneller Rocker mit ordentlich Dreck in der Stimme und einem leichten Metal-Einschlag im Refrain. Eine größere Überraschung bildet da der Schlussakt: „Old Man“ ist eine Coverversion, die im Original von niemand geringerem als Neil Young stammt – mutig, sich als Hardrock-Band an einen solchen Godfather heranzuwagen. Mit Akustikklampfe und dezentem Schlagzeug singt sich Christoph mit viel Herz, aber niemals schmalzig durch den Track, bis man sich im Refrain in einer zentimeterdicken Gänsehaut verliert. Eine großartige Neuinterpretation, die sicherlich auch dem ursprünglichen Künstler gefallen würde. Ein absoluter Anspieltipp und ein sicherer Vertreter für den Titel „am häufigsten auf Repeat gestellter Song“.

Fazit: „Wheels Of Purgatory“ ist nicht nur von vorne bis hinten stimmig, man hat auch zu keiner Sekunde das Gefühl, dass die gerade erzeugte Stimmung bloßes Kalkül ist. Von Stampfern wie „Hammer Of The Lord“ bis hin zum zu Tränen rührenden „Old Man“-Cover klingt die Band immer ehrlich und geradeheraus. Eben dieses Gefühl macht die Platte nicht nur zu einem Highlight für alle Hardrock-Fans, sondern für alle, die sich mal wieder zu ehrlicher Musik das Toupet wegbangen wollen.

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