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Motorjesus: Race To Resurrection

Mehr Abwechslung und noch immer bockstark
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Rock/ Stoner
Spielzeit: 57:12
Release: 15.06.2018
Label: Drakkar Entertainment

Über die Jahre hinweg hat man Motorjesus schon in vielen Personalvarianten gesehen, das fing damals ja schon bei den Shitheadz an und ist bis heute nicht wirklich aufgelöst. Und dennoch ist eines geblieben: Der unverwechselbare Sound der Mönchengladbacher, der sich über die Jahre hinweg immer wieder ein wenig verfeinert oder leicht verändert, im Grunde aber als Erkennungsmerkmal sich bis heute durchgesetzt hat. Sprich: Wenn man sie einmal kennt, erkennt man sie auch immer wieder. Und das dürfte dann auch eines der größten Pluspunkte heutzutage überhaupt sein.

Und so wechselvoll die letzten Jahre auch für den Motorjupp waren, so wechselvoll sind auch die Songs auf dem vorliegendem Album, und dennoch haben sie es einmal mehr geschafft, alles wie aus einem Guss klingen zu lassen – starke Leistung und Hut ab dafür, denn unvoreingenommen geht man auch als „Heavy-Rock-Veteran“ nicht an ein neues Werk ran, wenn zahlreiche erfolgreiche Shows auch Erwartungen an zukünftige Outputs knüpfen.

Den vermeidlichen Druck aber schütteln sie nervenstark ab, schütten Bleibenzin statt Biodiesel in den motorjuppschen Tank und zeigen mit dem Opener „Tales From The Wrecking Ball“ gleich vom Start weg auf, wo die Heavy-Rock-Glocken hängen: Höllisch groovend, alternativ zum Mitsingen oder Headbangen geeignet, sofort eingängig wie nichts mit einem Killerrefrain und einem Solo wie ein maßgeschneidert Anzug bei den MTV Awards. Satter hätte man sich kaum ins Ohr des geifernden Fans fräsen können.

Schon ein zwei Durchläufe später wird klar: Motorjesus wirken abwechslungsreicher denn je, ohne aber ihren roten Faden auch nur einmal aus der Hand zu geben. In „Casket Days“ lebt Frontmann Birx seinen Faible für Death Metal aus (und ruft quasi alle todmetallischfreudigen Fans zum heiteren „Titel im Text“-Mitraten auf), wobei der Songs natürlich null Komma nichts mit Todesblei zu tun hat, vielmehr beim Refrain erneut die ganz großes MJ-Schulkelle herausholt und nur so vor Energie und Eingängigkeit strotzt. Ja ja, könnte man glatt meinen, das haben doch so viele Bands drauf, doch dazu ein entschlossenes ja und nein, denn die Mönchengladbacher verstehen es, auch bei sanften „Korrekturen“ ihren Stiefel beizubehalten und jedem Song eines mitzugeben: Das ist klar Motorjupp.

Und gerade der letzte Song „Awaken The Tyrants“ mutiert dann zur Blaupause des Albums: Ein paar etwas metallischere Gitarren eingesetzt, die Becken peitschen zwischendurch wie zum letzten Aufbruch und auch der Refrain sitzt auf den Punkt wie angegossen, mitten im Song aber wird kurzerhand die Akustikklampfe herausgeholt, Birx singt mit ungewöhnlich viel Gefühl und packt einen Haufen mehr Emotionen hinein, bevor eine dominante Leadgitarre das Zepter übernimmt und nach dem rockigen Ausflug Motorjesus wieder den Kreis zum metallischeren Ritt schließen.

Und es sind eben immer wieder die zwingenden Refrains, die den Unterschied machen. „The Infernal“ mit seinen Akustikklampfen und der dadurch bedächtig rockigeren Ausrichtung wollen die Jungs selbst in die 90er Grunge-Ecke verorten – okay, einverstanden. Bei „Speedway Sanctuary“ werden kurzerhand ein paar 70er Momente mit eingeflochten und „Re-Ignite“ mit dem Killerrefrain erinnert zu Beginn an einen freudigen Schunkler, doch der wohl persönlichste Birx-Song wird dann auch mit einer Gesangsleistung ganz weit vorne abgerundet. Und wem das nicht reicht, der skippt dann halt zu „The Damage“, ein Abgehrocker in typischer MJ-Manier, da hätten Rotz und Energie aus Schweden durchaus ihre Freude dran.

Leicht haben es die Mönchengladbacher sicher nicht gehabt, und doch liefern sie auf ihrem fünften Album (ja, schon gut, vielleicht ist es nicht so ganz korrekt, „Dirty Pounding Gasoline“ in die Discographie einzubinden, aber: Motorjesus sind Shitheadz sind Motorjesus) durchweg homogene, famose, ständig an die Eier packende und fast immer mit unfassbar griffigen Refrains ausgestattete Songs an, der Wiedererkennungswert schreit förmlich nach Mönchengladbacher Schmiede, und man weiß: Da ist der letzte Takt noch lange nicht gespielt. Wenn schon eines der vielen Chapeaus, dann hier erst recht.

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