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Motorjesus: Electric Revelation

Die wohl besten Motorjuppis aller Zeiten
Wertung: 9,5/10
Genre: Heavy Rock
Spielzeit:
Release: 21.02.2014
Label: Drakkar Entertainment

Die Geschichte der Heavy Rocker Motorjesus aus Mönchengladbach ist zweifelsfrei sehr wechselvoll, und immer, wenn sie wie beim Biathlon-Staffellauf beim letzten Schießen den Podestplatz hätten sichern können, dann ging es doch irgendwie daneben und man hinkte wieder hinterher. Nein, hier soll jetzt nicht das bis vor ein paar Jahren heftig drehende Personalkarussell aufgerollt werden, aber ein paar Worte sollten vielleicht doch über das eigentlich missratene 2013 fallen. Wie ärgerlich bitte schön ist es, dass man geradewegs ins Studio spazieren will, dann doch aber alle Aktivitäten einstellen muss, weil die Gesundheit vorgeht – Frontmann Chris musste sich bekanntlich einer Herz-OP unterziehen, mit ungewissem Ausgang. Im sehr persönlichen Interview letzten Monat hat er da schon reichlich preisgegeben, lesenswert allemal.

Und wenn es gerade nicht so gut läuft, dann mache das beste daraus, die Erwartungen dürften dann nicht mehr ganz so hoch wie nach dem famosen „Wheels Of Purgatory“ hängen, doch die ersten Liveshows und die dort auch vorgestellten Songs haben es eigentlich bewiesen: Mit MJ ist weiterhin auf ganzer Linie zu rechnen. Und wie schafft man es nun, den ganzen Erwartungsdruck einfach abzuschütteln, wieder ein paar typische Bandklassiker aus dem Ärmel zu zaubern und den ganzen Schwarzmalern die lange Nase zu zeigen? Anscheinend ganz leicht: Ein paar sachte Neuerungen einbauen und den Stil eigentlich beibehalten.

Was sich so leicht anhört und woran doch so viele Bands im Endeffekt scheitern, mutet den heimischen Heavy Rockern wohl nur ein müdes Lächeln ab, denn nach dem kleinen Intro „The Arrival“ gibt es unverkennbar das komplette Motorjesus-Programm. Sogar die Befürchtung, das Experiment, Dan Swanö fürs Mixen zu nehmen, könne in die Buchse gehen, erweist sich als völlig unbegründet, denn die unter Achim Kaiser eingespielten Songs versprühen über jede Note hinweg den kompletten MJ-Charme.

„Wieso etwas ändern, wir fühlen uns doch wohl in unserer Haut“, so Chris – Recht hat er, denn das können auch die Motorjesus-Fans unterstreichen, die mit „Dead Army“ einen schon bekannten Song präsentiert bekommen, einen fett treibenden Arschtrittrocker, wo Drums und Gitarre mit wuchtigem Punch einfach nur mächtig in die Eier treten. Besonders deutlich gegenüber dem „Original“ auf der „100,000 Volt Survivor“-EP von 2009 kommt aber auch die wirklich breitbeinige Produktion zum Tragen, die einfach diesen Klassiker noch ein Stückchen weiter nach oben treibt.

Kaum zu glauben, dass die Trauben damit schon so hoch hängen, aber auch der zweite Track, der als Titel von der EP schon bekannte „Stromüberlebende“ kann auf ganzer Linie durch das mehr als lässiger Drumming, das entspannte Riffing und den großartigen Bassläufen einmal mehr auf voller Linie überzeugen. Aber auch beim Blick auf die neuen Songs lassen die Jungs nichts anbrennen. „Trouble In Motor City“ mit seinen kurzen, in den ersten Sequenzen zu hörenden Motörhead-Reminiszenzen bockrockt enorm und tischt die kompletten Trademarks aus Mönchengladbach Rock City auf: Typischer MJ-Aufbau, enorm eingängiger Refrain, ein Solo, wie es auch auf dem Shitheadz-Debüt „Dirty Pounding Gasoline“ hätte stehen können, treibende, aber auch immer lockerflockig lässige Drums, ein wahres Headbanger- und Pommesgabelmonster mit Anspruch auf die zukünftigen MJ-Setlisten-Pole-Positionen.

Und was schon beim Opener deutlich wird, ist die eindeutige veränderte, nach oben gesteigerte Gesangsleistung von Birx. Tribut ist da wohl dem „Schleifer“ Dennis Marschallik (Synasthasia, Blood Of God) zu zollen, war er doch für die Gesangsaufnahmen zuständig. Einmal mehr hat er wohl mit seinem Talent alles aus Chris herausgekitzelt, um so der Erfolgsleiter einfach noch eine Sprosse mehr anzuheften.

Motorjesus haben einmal mehr die ganz großen Melodien intus. Mit leicht metallischer Schlagseite und diesem positiven Girl-School-Vibe schleicht sich „Back In The Action Car“ ins Rockerohr und will fortan dort nicht mehr weg. Der Titeltrack „Electric Revelation“ selbst fungiert als Verbindung aller MJ-Hooks von Debüt bis zu „Wheels…“-Zeiten. „The Warning“ wirkt eine Spur düsterer als der Rest des Albums, reiht sich aber ohne Schwierigkeiten nahtlos ein, auch wenn Motorjesus hier ein wenig ihre klassischen Songstrukturen aufbrechen. Der Uptempo-Rocker „Midnight Rider“ glänzt mit einigen geschickten Tempoveränderungen, einem unvergleichlich eingängigen Refrain und dürfte gerade im schneller rockenden Part wiederum für mehr als nur Geschiebe im Publikum dienen. Leichte Abzüge kann das Album nur mit der Powerballade “Rust“ einfahren. Zwar wird hier doch noch ordentlich angezogen, den Tiefgang wie bei der „Old Man“-Coverversion oder gar „Burning“ vom Debüt erreichen sie leider nicht.

Eigentlich bleibt nur noch eine Frage offen: Wie hätten die Songs gewirkt, die erst nach Birxens Genesung verändert wurden, die zum großen Teil mit neuen Texten versehen wurden? Motorjesus haben sich nicht unterbuttern lassen, schließen mit „Electric Revelation“ nicht nur an ihre alten Scheiben an, sondern zeigen sich reifer, auf den Punkt, gefestigt beim Songwriting und dadurch als die wohl besten Motorjuppis aller Zeiten. Da möchte man nicht in der Haut der Jungs stecken, wenn irgendwann Numero fünf geschrieben werden will. Bis dahin aber dürfen sie gerne ihren Ruhm auch über die Staatengrenzen hinaus einfahren. Vorerst aber gibt es hier fast die Höchstnote, verdientermaßen.

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