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Motorcity Brags: You Don't Deserve Anything Better Than That

How retro can you go?
Wertung: 8/10
Genre: Rock 'n' Roll
Spielzeit: 27:51
Release: 12.06.2005
Label: Cumshot Records

How retro can you go?

Die italienischen Motorcity Brags beweisen jedenfalls, dass sie so unverfälschten, ursprünglichen Punk/Rock 'n' Roll kreieren können, dass man sich nicht sicher ist, ob man mit dem Einlegen der CD nicht eine in der Stereoanlage versteckte Zeitmaschine aktiviert hat und sich nun in einem Zeitalter befindet, in dem Motörhead, Misfits und die Ramones nicht mehr bloß Selbstkarikaturen und müde belächelte Relikte der Punk/Rockgeschichte waren.

Das wirkt insgesamt so authentisch, dass es doch unmöglich mit diesem überschätzten Prädikat namens "Retro" abgespeist werden kann, wenn ich mal mein Fazit vorweg nehmen darf.

Ihr Sound klingt nach Eimerweise Straße, Staub und Asphalt, und vor allem muchos Cohones, Mann!

Im Prinzip könnte ich mir alle nachfolgenden Detailausführungen vom oben Gesagten sparen, denn die "Motorcity Brags" sind Rock in Reinkultur, eine Instanz, welche sich nicht mehr zu erläutern lohnt, da sie zwar schon tausend Mal gespielt wurde, ihr wahres Wesen jedoch für alle Zeit verborgen bleibt; naja, lasst mich doch wenigstens etwas zum hier vorgestellten Album "You Don't Deserve Anything Better Than That" (hoho, welche Selbstironie) sagen.

Und tatsächlich, die werten Herren nehmen sich selbst nicht allzu ernst und gehen mit der althergebrachten Maxime "we rule, you suck" stilsicher und spielfreudig zu Werke und präsentieren hier zehn astreine Tanznummern.

Die Lieder sind insgesamt sehr bluesig, midtempolastig und rau gehalten, animieren förmlich zum aktiveren Mittanzen (will sagen, ein wenig Pogo) und könnten so manchen Abend aufmischen; "Torino Boulevard" ist unter diesem Blickpunkten sicher mustergültig. Getragen werden die Songs sehr stark von Sänger und Bassist Paul McKills leicht versoffener Stimme, der gesangstechnisch ohne Weiteres auch mit Größen wie "Jet" kompetitieren könnte.

Punkiger geht es auch ohne Probleme, wie der Dreiakkorder "Punk Rocker Hero" beweist; das Label "Cumshot Records" (jaja, einmal alle lachen, bitte) hat dabei ein besonderes Händchen bewiesen, produktionstechnisch auch bei so einem Track nicht in Matsch und Mulm zu verfallen.

Das "Queen"-Cover "Sleeping On The Slidewalk" gibt einen Einblick in die recht häufig auch mit Coversongs besetzte Setlist des Trios, recht souverän performt; würde man das Original nicht kennen, könnte man meinen, es wäre von ihnen selbst, so sehr wird es "verbragt".

Mit "Motorcity Jail Rejects" hingegen lässt unser Freund Paule auch basstechnisch nichts anbrennen und zeigt Muskeln in einem mächtig angezerrten, uptempolastigen Bassriff; aber damit nicht genug, hier glänzen alle Brags gleichsam, nicht zuletzt aufgrund des fantastischen Gitarrensolos und einem Finale, an dem sich nachfolgende Generationen messen können.

Als besonderes Schmankerl für den Linguisten gibt es dann noch zum Schluss ein italienischsprachiges Nümmerchen, kompositorisch jedoch identisch zum bereits bekannten "Blowjob Queen".

Man hat das Album jetzt einmal durchgehört, ist aber eigentlich nicht viel schlauer als vorher, denn insgesamt wurde eine für meinen Geschmack doch zu lineare Achterbahnfahrt abgeliefert, die richtigen Knaller blieben genauso wie die herben Flops aus, was ein regelrechter Albtraum für einen Redakteur sein kann, da ihm so jegliche Angriffspunkte genommen wurden, im Positiven wie im Negativen; zugreifen kann dennoch jeder Rocker, auch wenn eine nicht allzu kleine Schnittmenge von diesen mit den "Brags" überhaupt nichts anfangen können, da ihnen bereits deren Vorbilder nicht trendy genug waren (vielleicht vorher mal probehören: myspace.com/rnrhooligans).

Nevertheless: Motorcity hat ihre Helden, weiter so, das geht noch besser!

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