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Motörhead: The Wörld Is Yours

Auf Motörhead ist Verlass - gut wie immer!
Wertung: 8/10
Genre: Rock 'n' Roll
Spielzeit: 39:12
Release: 10.12.2010
Label: Motörhead Music / EMI

Weihnachten steht vor der Tür – und damit auch der bereits 65. Geburtstag von Motörhead-Frontwarze Lemmy Kilmister, der, wie vielen bekannt sein dürfte, am 24. Dezember sein Wiegenfest feiert. Passend dazu hat er mit seinen beiden Sidekicks Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) ein neues Album eingetütet, mittlerweile die immerhin 21. Studiolangrille in der Geschichte der Band – eine wahrlich stolze Anzahl. Aber auf die unkaputtbaren Engländer ist eben einfach Verlass; seit Jahren wird in schöner Regelmäßigkeit eine Scheibe nach der anderen herausgehauen (meist im Zweijahres-Rhythmus) und Grund zur Beschwerde hatte eigentlich nie jemand: Bei Motörhead weiß man, was man bekommt, und dennoch – oder gerade deswegen – steht die Combo stets für Qualität.

Die letzten Platten „Inferno“, „Kiss Of Death“ und „Motörizer“ waren jedenfalls allesamt gutklassig und um es gleich vorweg zu nehmen: Auch bei „The Wörld Is Yours“ – ein in typischer Lemmy-Manier zynischer Titel, da genau dies eben nicht der Fall ist, Politiker, die Lemmy bekanntermaßen alle hasst, den Leuten dies aber gerne vorgaukeln, von wegen Demokratie etc. – handelt es sich wieder um ein mehr als solides Motörhead-Album, das jeden Fan zufriedenstellen sollte. Amtlich und klar von Cameron Webb produziert, schwingt bei Gitarren und Bass selbstverständlich wie es sich gehört jede Menge Dreck im Sound mit, während die Drums etwas polierter als auf dem Vorgänger erscheinen, trotzdem natürlich immer noch sehr erdig klingen. In jedem Fall kommt einmal mehr deutlich zum Vorschein, welch geiler Schlagzeuger Mikkey Dee ist – allein, ihm bei „Outlaw“ zuzuhören, ist ein einziger Genuss.

Was das Songschreiberische angeht, so agiert man vielleicht sogar noch einen kleinen Tick stärker als auf „Motörizer“. „Born To Lose“ ist gleich mal ein richtig genialer Opener, der in der Strophe vom Kontrast simpel durchgezogener Akkorde in der Gitarre plus Doublebass bei den Drums lebt, während der Chorus ein supereingängiges Riff zum Mitgrölen bietet. Ein Auftakt nach Maß, dem sich das ebenfalls sehr starke und ruppige „I Know How To Die“ anschließt, welches erneut mit einem superben Refrain überzeugen kann. Mensch, wie machen die Herren das nur, man sollte ja meinen, dass nach so langer Zeit, so vielen Songs und so vielen Alben irgendwann mal die Luft raus ist, aber nix da!

Und es geht fett weiter: Von „Get Back In Line“, das allein schon durch die grandiose Textzeile „if you think that Jesus saves, get back in line“ Erwähnung verdient, über das großartige „Devils In My Head“ (ein erneut absolutes Killer-Mainriff und ein melodischerer Refrain geben sich die Klinke in die Hand), das bereits erwähnte „Outlaw“, bis zum finalen „Bye Bye Bitch Bye Bye“, welches einen hervorragenden Rausschmeißer markiert, da wir einen sehr flotten, regelrecht tanzbaren Track vorliegen haben, der sich live prächtig machen dürfte und zudem mit einem der besten Gitarrensoli von Campbell auf diesem Album gekrönt wurde, finden sich keine Ausfälle.
 
Dann wären da noch „Rock’n’Roll Music“ (wiederum macht Lemmy deutlich, was er von organisierter Religion hält, indem er erklärt „Rock’n’Roll music is the true religion“ bzw. „Rock’n’Roll music is my religion, I don’t need no miracle vision“, auch wenn wir das natürlich längst wussten) und „Waiting For The Snake“, die in die rock’n’rolligere Ecke gehen (beim Titel des erstgenannten Stückes wohl nicht weiter verwunderlich) und vor allem  „Brotherhood Of Man“, der mit etwas über fünf Minuten längste Track des Albums, in welchem Lemmy seinen unverkennbaren Gesangsstil noch ein wenig variiert, indem er die Vocals sogar noch rauer als gewöhnlich herauspresst. Der Song - eine Abrechnung mit der Ignoranz und Arroganz der Menschheit gegenüber der Natur - fällt im Vergleich zum restlichen Material ziemlich aus dem Rahmen, da er deutlich düsterer als die anderen ausgefallen ist und mit einem langsamen, walzenden Groove aufwartet – definitiv ein Highlight der Scheibe!

Tja, was soll man noch großartig sagen? Eigentlich nur dies: Motörhead können anscheinend nicht enttäuschen. Bei dieser Band erwartet niemand große Veränderungen und die will auch niemand hören, solange sich das Songwriting auf diesem konstant guten Niveau hält. Auch „The Wörld Is Yours“ enthält wieder einige Tracks, die den Weg auf die Setlist bei kommenden Konzerten finden dürften. Sehr schön, dass es noch Bands gibt, die schon so lange im Geschäft sind, aber eben nicht ausschließlich nur von ihren alten Hits leben.

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