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Motörhead: The Wörld Is Ours Vol. 1 - Everywhere Further Than Everyplace Else

Solides Produkt mit ein paar Schwächen
keine Wertung
Genre: Rock'n'Roll
Spielzeit: DVD: ca. 173 Min. / CDs: 117:05
Release: 18.11.2011
Label: EMI

Bei „The Wörld Is Ours Vol. 1 – Everywhere Further Than Everyplace Else“ handelt es sich bereits um das sechste audiovisuelle Live-Produkt, das Motörhead auf den Markt werfen, und die erste Live-DVD seit dem 2005er Release „Stage Fright“, damals aufgenommen in der Düsseldorfer Philipshalle. Herzstück dieser neuen Veröffentlichung ist ein im April 2011 in der chilenischen Hauptstadt Santiago mitgeschnittenes, gut 90-minütiges Konzert, das vom Spielerischen her die gewohnte Motörhead-Qualität aufweist – man sagt ja nicht von ungefähr, dass die Engländer eigentlich keine wirklich schlechten Konzerte in ihrer langjährigen Karriere gegeben haben. Die Setlist bietet wenig Überraschungen, es gibt den gewohnten Mix aus altem und neuem Material; dass Songs wie „Killed By Death“, „Ace Of Spades“ und „Overkill“ nicht fehlen dürfen, ist sowieso klar, doch aktueller Stoff der Marke „Get Back In Line“, „I Know How To Die“, „Rock Out“ oder „The Thousand Names Of God“ steht praktisch gleichberechtigt daneben und fügt sich nahtlos ein.

Aber Motörhead sind eben Motörhead und haben sich nie derart signifikant verändert, als dass irgendwelche Songs live nicht zünden würden. Mal abgesehen davon, werden die südamerikanischen Zuschauer ihrem Ruf als fanatischstes Publikum mehr als gerecht und rasten in ähnlich heftiger Manier aus wie bei Rushs „Rush In Rio“ – völlig egal, welches Stück gerade auf der Bühne zelebriert wird. Das Konzert ist professionell in Szene gesetzt, die Schnitte sind nicht zu heftig, sondern genau richtig und auch das Bild ist scharf und bietet gute Qualität, doch was erwartet man auch anderes von einem Regisseur wie Sam Dunn, der mit seinem Kumpel Scot MacFayden unter anderem die schon jetzt als Kultklassiker geltenden Filme „Metal – A Headbanger’s Journey“, „Iron Maiden: Flight 666“ und „Rush: Beyond The Lighted Stage“ abgedreht hat und zurecht als Experte in Sachen Heavy Metal gilt?

Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle unbedingt erwähnt, dass das gesamte Santiago-Konzert in schwarz-weiß gefilmt wurde, was im Blu-Ray-Zeitalter (auch in diesem Format ist der Silberling erhältlich) natürlich die Frage aufwirft, ob diese Entscheidung besonders glücklich war. Klar hat das irgendwo Stil, doch viele Fans dürften sich ob dieser Tatsache doch etwas verwundert am Kopf kratzen. Andererseits passt es zu einem Old-Schooler wie Lemmy, der sich garantiert diebisch darüber freuen wird, dass sich besonders die ständig nörgelnde Internet-Community hundertprozentig in diversen Foren tierisch darüber aufregen wird, und es beweist, dass Motörhead auch anno 2011 noch allen genüsslich den emporgereckten Mittelfinger entgegenstrecken.

Wie immer man dazu steht – ziemlich unstrittig dürfte sein, dass der Ton nicht durchgängig als optimal bezeichnet werden kann. Man hat die Wahl zwischen 5.1 und 2.0, doch in jedem Fall ist das insgesamt leider relativ undynamisch und wird einer echten Motörhead-Live-Performance nicht gerecht. Besonders Lemmys so charakteristisch knarzender Bass ist manchmal kaum zu hören und geht zwischen Gitarre und Schlagzeug teils völlig unter. Dafür darf man sich über gewohnt lässige Ansagen des Meisters freuen – allein der Satz „The next song is called ,Going To Brazil‘ – no pun intended“ ist einfach nur göttlich.

Das Bonusmaterial mit Auszügen der Shows aus New York und Manchester (hier ist alles in Farbe) schwankt in der Qualität ebenfalls erheblich. Während der Gig in New York mit gutem Sound punkten kann, klingt der Auftritt in Manchester matschiger, außerdem wirkt Lemmys dank jahrzehntelangem Whiskey- und Zigarettenkonsum ohnehin versoffene und verrauchte Stimme arg angegriffen. Auch den Gastauftritt von Hanoi Rocks’ Michael Monroe bei „Born To Raise Hell“ hätte man sich schenken können, denn der Finne ist stimmlich bedauerlicherweise ein Totalausfall. Ein Ähnliches gilt allerdings für den Besuch von Doro Pesch in New York, da sie lediglich den Refrain von „Killed By Death“ mitsingt, was kaum herauszuhören ist.

Ganz interessant sind teilweise die Interview-Sequenzen, besonders jene aus Atlantic City, bei dem alle Bandmitglieder zusammen knapp 25 Minuten Fragen beantworten, ein paar nette Anekdoten zu Tage kommen, und angesichts des feinsinnigen und gleichzeitig so trockenen Humors von Lemmy und Co. selbstredend einige Lacher vorprogrammiert sind. Auch zeigt sich einmal mehr, dass Herr Kilmister auch im Alter von 66 Jahren noch längst nicht genug von der holden Weiblichkeit hat (und wer will es ihm verdenken?). Sogar Untertitel auf Deutsch, Englisch und Französisch sind anwählbar, was, wenn man bedenkt, dass gerade Lemmys Genuschel nicht immer allzu leicht verständlich ist, eine erfreuliche Angelegenheit darstellt.

Alles in allem liegt ein durchaus wertiges und vor allem umfangreiches Gesamtpaket vor, das neben der DVD/Blu-Ray auch noch zwei Audio-CDs enthält, auf denen die Live-Performances noch einmal für alle, die sich das Teil zum Beispiel auch mal unterwegs geben möchten, festgehalten wurden. Wie erwähnt, gibt es leider ein paar Schwächen und natürlich muss jeder selbst wissen, ob ihn das Bild in schwarz-weiß stört oder nicht, doch als solides Produkt darf man „The Wörld Is Ours Vol. 1“ allemal bezeichnen. Trotzdem wäre mehr drin gewesen – vielleicht aber dann ja auf „Vol. 2“…

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