Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Morbid Angel: Illud Divinum Insanus

Ein bisschen Death, eine Menge Industrial
Wertung: 4.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 56:38
Release: 07.06.2011
Label: Season of Mist

Bei den amerikanischen Death-Metallern Morbid Angel hat sich eine Menge getan seit dem letzten Release "Heretic", das nun mittlerweile schon acht Jahre zurückliegt. Um 2004 verließ Sänger Steve Tucker die Band und der ehemalige Frontmann und Bassist David Vincent kehrte zurück. Vincent hatte 1996 die Band verlassen, um der Industrial-Metal-Band Genitorturers seiner Frau beizutreten. Mit viel Schminke und Lederkostümen spielte die Legende somit in einer zweitklassigen Indie-Band, bis er wie besagt 2004 zurück zu Morbid Angel fand. Seit 2008 wurde außerdem Destructhor als Live-Gitarrist an Bord geholt.

Morbid Angel gehören seit 1984 zu den Urgesteinen des Genres und unumstritten zu den technisch versiertesten. Ihr Debut "Altars Of Madness" gehört für viele Fans zu einem der Wegbegleiter des Death Metal. Zu diesem Erfolg trug insbesondere die unglaubliche Arbeit von Drummer Pete "Commando" Sandoval bei. Dieser muss leider seit 2010 durch den ehemaligen Hate Eternal- und Divine Heresy-Drummer Tim Yeung ersetzt werden, da sich Sandoval von einer Rücken-Operation erholen muss. Meiner Ansicht nach ist mit ihm ein guter Ersatz gefunden, denn Yeung hat bereits in anderen Bands bewiesen, dass er einiges auf dem Kerbholz hat und selbst bei ungeheuren Geschwindigkeiten sehr präzise bleibt.

Am 7. Juni wurde dann das neue Album veröffentlicht, diesmal nicht unter Earache, sondern unter dem neuen Label Season Of Mist. Betitelt wurde die Platte "Illud Divinum Insanus", da nach Tradition die Anfangsbuchstaben ihrer Alben dem Alphabet folgen und sie mittlerweile beim "I" angekommen sind. Die Erwartungen sind hoch, sowohl an Vincents Comeback als auch an Aushilfe Drummer Yeung und vor allem nachdem "Heretic" eher ein schwaches Album war.

Mit "Omni Potens" wartet ein Intro, wie man es von Morbid Angel gewohnt ist. Schaurig, böse, episch und versiert mit David Vincents Growls. Doch was ist das? Kaum beginnt der zweite Track "Too Extreme!", fällt dem Hörer auf, dass das hier so gar nicht dem guten alten Morbid Angel entspricht. Wo bleiben die düsteren Riffs, die schnellen Blastbeats und das Gefühl, wenn einem die Kinnlade vor lauter Schlagzeuggeknüppel runterkippt? Stattdessen erwarten mich sechs Minuten monotones Techno-Bassdrum-Gestampfe, wirres Gitarrengeschrabbel und ein allgemein viel zu fremd wirkender Industrial-Sound. Leider fallen ein Großteil der Songs auf "Illud Divinum Insanus" so aus ("Destructos vs. The Earth/Attack", "Profundis - Mea Culpa"). Da muss man sich doch fragen, was haben sich die Herren dabei gedacht ?

Auf der Platte sind zwar auch einige Tracks nach guter alter Morbid Angel-Manier (und die sind wirklich fett geworden, z.B. "Existo Vulgoré", "Blades For Baal" oder "Nevermore"), doch machen diese nur etwa ein Drittel des Albums aus. Schade, denn wäre das gesamte Album in diesem Stil besagter Tracks, wäre es ein verdammt geiles Comeback geworden.

Entweder ist das hier ein Geniestreich Trey Azagthoths oder David Vincent hat einfach zu viel Haarspray eingeatmet bei den Genitorturers, denn Morbid Angel ist nur ein Drittel des Albums. Die Platte wirkt wie ein zaghafter Versuch, eine neue Richtung einzuschlagen, aber auf halber Strecke doch bei altbewährten Mitteln zu bleiben. Doch selbst davon abgesehen, dass es Morbid Angel hier in Richtung Industrial verschlägt, sind die neuartigen Songs recht billig gemacht, wirken eher nach einer krampfhaften Bemühung, um etwas Neues und wissen so leider gar nicht zu überzeugen. Das Album zeigt, dass Experimente in neuen Gebieten nicht gerade optimal sein müssen und es sich manchmal sehr wohl lohnt, eine altbewährte Schiene zu fahren.

Trotz allem muss man sagen, dass sich David Vincent nach all den Jahren immer noch die Seele aus dem Leib growlt, als hätte er Eier aus Stahl (die sollte er auch haben, wenn er mit dieser Gen verheiratet ist). Seine Stimme klingt enorm kraftvoll und härter denn je und sein Lachen kommt nach wie vor direkt aus der Hölle. Erwähnenswert ist hier auch die Arbeit an den Drums. Tim Yeung legt hier ein rasantes Tempo vor und trommelt die Tracks so authentisch ein, man könnte meinen Sandoval selbst hätte das Album eingespielt.

comments powered by Disqus