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Moonspell: Extinct

Trotz sehr unterschiedlicher Songs wie aus einem Guss
Wertung: 8.5/10
Genre: Gothic/Dark Metal
Spielzeit: 45:38
Release: 06.03.2015
Label: Napalm Records

Unfassbar, dass seit dem letzten Moonspell-Langspieler „Alpha Noir“ schon wieder drei Jahre vergangen sind. Die Zeit rast, es scheint doch erst ein paar Monate her zu sein, seit man mit etwas ungläubiger Miene gleich zwei CDs aus der Packung fischte. Wir erinnern uns: Die Portugiesen hatten damals gleich zwei Scheiben in petto, von denen „Alpha Noir“, die reguläre, das deutlich härtere Material beinhaltete, „Omega White“ hingegen mit wesentlich ruhigeren Klängen aufwartete.

Einen Doppeldecker gönnt der Fünfer seiner Anhängerschaft nun nicht gleich wieder, beim freundlich betitelten „Extinct“ handelt es sich wieder um ein Einzelalbum mit klassischer Länge von einer guten Dreiviertelstunde. Interessant war allerdings die Frage, wie die Band nach der Aufteilung beim letzten Output das Songwriting diesmal gestalten würde. Mit Fug und Recht darf man jedenfalls betonen, dass die Jungs nie dasselbe Album zweimal aufgenommen haben, sondern stets um Veränderung bemüht waren.

Dass es da das übliche Gemecker vom Ausverkauf gibt, weil Moonspell inzwischen sehr großen Gefallen am Keyboard gefunden haben, das längst zu mehr als nur atmosphärischen Zwecken im Hintergrund verwendet wird, ist völlig logisch, und so sei allen Querulanten gleich an dieser Stelle gesagt, dass sie wohl keine Freude an „Extinct“ haben werden. Die Truppe setzt so viel Tastenzauber ein wie wahrscheinlich noch nie. Das zeigt sich beim flotten Opener „Breathe (Until We Are No More)“ erstmals, bei dem besonders zum Ende hin orientalische Streicher zum Zuge kommen, doch das Quintett ist ja nicht erst seit gestern im Geschäft und weiß, wie man so etwas geschmackvoll und effektiv arrangiert.

Orientalisch wird es auch beim sehr starken „Medusalem“, bei dem man sich insbesondere im Refrain fragt, ob Fernando Ribeiro und Co. in letzter Zeit viel Orphaned Land gehört haben. Dass diese Einflüsse auch früher – und bei vielen anderen Metalbands ebenfalls – immer mal durchschimmerten, ist klar, doch auf dem inzwischen elften Studioalbum wird teilweise noch etwas auffälliger damit gespielt. Jedenfalls funktionieren diese Elemente prächtig, doch haben Moonspell noch weitaus mehr verschiedene Einflüsse in petto – „Extinct“ ist eine sehr vielseitige und spannende Platte geworden, bei der es sich lohnt, mittels mehrerer Durchläufe alle Details zu erkunden.

Kein Wunder allerdings, dass man sich nach dem ungewöhnlichen Format des letzten Doppeldecker-Albums nun wieder darauf konzentriert, alle Stärken auf einem einzigen Longplayer zu bündeln. Dass die Band es dabei mühelos schafft, unverkennbar zu bleiben, aber mit sehr unterschiedlichen Songs zu glänzen, zeigt, dass hier erfahrene Musiker am Werk sind, die trotzdem Lust haben, sich weiterzuentwickeln und jedes Mal versuchen, sich auf songschreiberischer Ebene nochmals zu verbessern und mehr herauszukitzeln. 

So stehen neben den erwähnten nahöstlich geprägten Stücken der äußerst hymnische und stampfende Titeltrack (die Vorstellung, dass die Fans bei Liveshows mit Powerfists in der Luft alle „a taste of your lips before we go extinct“ skandieren, hat schon was herrlich Makabres), das sehr mitreißende „Funeral Bloom“ (nein, um einen Song im Stile von Funeral Doom handelt es sich nicht, unter die im Schneckentempo agierenden Bands sind die Portugiesen jetzt nicht gegangen), oder das an letzter Stelle befindliche und ziemlich aus dem Rahmen fallende „La Baphomette“, das mit Klavier und Bläsern versehen und im Walzerstil gehalten wurde – dazu singt Fernando auf Französisch. Selbst dieses äußerst ungewöhnliche Lied jedoch passt in die Atmosphäre des Albums, die dank einer bärenstarken Produktion von Jens Bogren zu jeder Zeit greifbar ist.

Höhepunkt auf „Extinct“ dürfte jedoch ganz klar ausgerechnet die „Domina“ betitelte vierte Komposition sein: Die markante Leadmelodie der Gitarre verlässt den Schädel tagelang überhaupt nicht mehr und man erwischt sich immer wieder beim Singen dieses Tracks, doch auch das mit trippigen Effekten ausgestattete, sehr originelle „The Future Is Dark“ darf getrost zu den Highlights der Scheibe gezählt werden. Interessant ist auch das zwischen Ruhe und Bedrohlichkeit pendelnde „Malignia“, bei dem man wiederum auf effektive Keyboardspielereien setzt und bei dem Fernando sehr anschaulich und wirkungsvoll mit der Stimme bzw. verschiedenen Gesangsstilen experimentiert.

Keine Frage, dass sich Moonspell mit ihrem neuesten Streich weiterhin auf verdammt hohem Niveau bewegen. Eine Platte wie aus einem Guss, aber mit total unterschiedlichen Songs. Die etwas positiver tönenden Stücke „The Last Of Us“ und „A Dying Breed“ sind zwar auf einem leicht schwächeren Level als der Rest, aber alles in allem darf man sich erneut über ein tolles Album freuen, das zeigt, dass Moonspell es immer noch drauf haben und sich nicht zu schade sind, neue Sachen auszuprobieren. In der Deluxe-Auflage gibt es noch ganze vier Bonustracks, deren Titel Anspielungen auf einige Stücke der regulären Tracklist sind, was natürlich irgendwie ziemlich cool ist, leider jedoch waren diese in der Promoversion nicht vorhanden.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“