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Moonspell: Alpha Noir

Steht dem Vorgänger in nichts nach
Wertung: 9/10
Genre: Gothic/Dark Metal
Spielzeit: 40:34/78:44 (limited Edition)
Release: 27.04.2012
Label: Napalm Records

Ganze vier Jahre hat es gedauert, bis Portugals bekannteste Metalband endlich mit dem Nachfolger zum überaus starken „Night Eternal“ aufwartet. Dafür haben Moonspell dieses Mal aber quasi gleich zwei Alben in petto. Dem regulären Output „Alpha Noir“ liegt in der limitierten Auflage noch eine zweite CD bei, die „Omega White“ getauft wurde und in der Promoversion zwar bedauerlicherweise nicht enthalten war, aber doch zu wichtig ist, um in dieser Besprechung einfach unter den Tisch zu fallen.

Namentlich sind die beiden Silberlinge also das genaue Gegenteil und natürlich haben die Portugiesen sich etwas bei diesen Bezeichnungen gedacht, denn – Opeth in der „Deliverance“- beziehungsweise „Damnation“-Phase lassen so ein bisschen grüßen – die beiden Scheiben sind auch musikalisch sehr unterschiedlich gehalten. So wartet die erste CD mit eher harten Kompositionen auf, bei denen Frontmann Fernando Ribeiro fast überhaupt keinen Klargesang einsetzt, sondern bis auf ganz wenige Ausnahmen lediglich seine typischen schwarzmetallisch angehauchten Shouts an den Mann bringt. Die cleanen Vocals hat er sich dann für die zweite CD aufbewahrt, auf der nur ruhige Nummern im düsteren Gothic-Balladen-Stil zu finden sind, die aber geschmack- und anspruchsvoll arrangiert wurden und nichts mit klischeebehafteten Plattheiten à la HIM und Konsorten zu tun haben. Höchstens „New Tears Eve“ ist nicht nur wegen seines Titels ein wenig kitschig geraten: Etwas cheesige Keyboards reißen das Stimmungsbarometer kurz ein wenig nach unten, ansonsten sind Nummern wie das erhabene „Whiteomega“, das in der Strophe mit leichten Type O Negative-Vibes versehene „White Skies“ oder vor allem das finale „A Greater Darkness“ mit seinen fantastisch wabernden, bezaubernden Gitarren umso beeindruckender und besser geworden.

Nichtsdestotrotz muss man den regulären Teil des Albums als den stärkeren einstufen – wenn auch möglicherweise mit etwas Anlaufzeit. An Fernando Ribeiros Gesang muss man sich jedes Mal wieder aufs Neue gewöhnen; natürlich hat der Kerl was drauf, überhaupt keine Frage, zumal er trotz manchmal durchschimmernden, charmanten portugiesischen Akzents sehr gut verständlich intoniert (was man leider nicht gerade von allen seinen Kollegen sagen kann) – aber während die Instrumentalfraktion nicht weniger als schlichtweg perfekt agiert, fehlt mir bei ihm manchmal so ein bisschen der letzte Punch, der bei extremem Gesang nötig ist, um dem Hörer akustisch richtig schön in den Allerwertesten zu treten. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase erledigt sich das Problem wie gesagt jedoch wieder – wahrscheinlich rein persönliches Empfinden.

Keine Diskussionen kann es hingegen bezüglich des Songmaterials geben. Ein paar Rotationen und jeder Song – wirklich jeder – entpuppt sich als waschechter Hit. „Night Eternal“ war wie gesagt wirklich ein sehr starkes Album, doch das Niveau kann „Alpha Noir“ problemlos halten. Moonspell verstehen es nach wie vor bestens, große dunkle Melodien, atmosphärische Keyboards und majestätische Gitarrenriffs zu üppigen Arrangements zu formen, legen dabei aber dankenswerterweise immer noch Wert darauf, dass der Song selbst im Vordergrund steht.

„Axis Mundi“ als mächtig einheizender Opener mit wuchtigen Drums vermag schon mitzureißen, doch auch danach haben die Jungs einen ganzen Sack voll geiler Düster-Metal-Hymnen am Start. „Lickanthrope“, „Em Nome Do Medo“, „Opera Carne“ oder „Grandstand“ sind gespickt mit brillanten Gitarrenmelodien und eingängigen Gesangslinien, die sich nach ein paar Durchläufen total festsetzen und mit „Love Is Blasphemy“ liegt ein absoluter Überflieger vor. Sehr gelungen ist auch das regelrecht tanzbare „Versus“; ein Stück der Marke „Wie man aus wenig viel macht“: Das Ganze scheint nicht mehr als eine Zwei-Akkord-Nummer zu sein, fast schon primitiv, doch am Ende des Songs baut man darauf beinahe unauffällig ein Streicherarrangement auf.

Abgeschlossen wird der offizielle Teil der Platte mit „Sine Missione“, einem absolut epischen Instrumental, das nur als atemberaubend bezeichnet werden kann und so etwas wie die Überleitung zum ruhigeren Part des Doppeldeckers bildet. Es gilt: Schon die „Alpha Noir“-Einzel-CD ist eine lohnenswerte Anschaffung, die jeder Moonspell-Fan blind kaufen kann, doch natürlich sei hier die limitierte Auflage mit beiden Scheiben empfohlen.

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