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Moonsorrow: Viides luku - Hävitetty

die spinnen, die Finnen
Wertung: 10/10
Genre: Epic Viking Metal
Spielzeit: 56:29
Release: 19.01.2007
Label: Spinefarm Records

Die spinnen, die Finnen!

Während die Leute von Moonsorrow durch Interviews als feierfreudige Partymenschen bekannt sind, ist ihre Musik das krasse Gegenteil davon: Bombast und Epik werden hier gross geschrieben. Die 1995 von den beiden Cousins Henri und Ville Sorvali gegründete Band liess stolze sechs Jahre auf ihr Debütalbum „Suden Uni“ warten. Danach ging es allerdings Schlag auf Schlag weiter: Noch im gleichen Jahr erschien das Nachfolgeralbum „Voimasta Ja Kunniasta“, 2003 folgte dann „Kivenkantaja“ und Anfang 2005 schließlich „Verisäkeet".

In der immerhin vier Alben umfassenden Diskographie ist eine Entwicklung der Musik deutlich erkennbar: Es wurde immer progressiver und komplexer, die Atmosphäre immer düsterer. „Verisäkeet“ bildete mit dem Spagat von melancholischen Folkloremelodien bis hin zu rasenden Black Metal Parts den Höhepunkt dieses Verlaufs. Bis jetzt! Mit ihrem neuem Werk „Viides Luku: Hävitetty“ (zu Deutsch etwa: 5. Kapitel: Verwüstet) setzen Moonsorrow dem Ganzen noch die Krone auf und bieten dem Hörer eine außergewöhnliche Hörerfahrung.

Nachdem man die Scheibe in die Anlage gelegt und ungläubig die Augen gerieben hat, wird schnell klar, in welche Richtung das Album geht: Bei einer Laufzeit von über 56 Minuten umfasst die Tracklist tatsächlich nur zwei Songs! Aber die haben es in sich: In dieser einen Stunde wird man auf eine Reise voller Emotionen mitgenommen. Bemerkenswert ist, dass Moonsorrow es schaffen, trotz aller neuen Elemente, die sie einfließen lassen, ihre bewährten Stärken nicht außer Acht zu lassen: Auch im fünften Kapitel kommen wieder hymnische Chöre und bezaubernde Akkordeonmelodien vor, auch wenn letztere nicht mehr so häufig vertreten sind wie auf den Vorgängern.

Mit bedrohlichen Knacken von Gletschereis beginnt der erste Song „Jäästä Syntynyt / Varjojen Virta“ („Born of Ice / Stream of Shadows“) und baut damit eine zerreissende Spannung auf. Langsam setzen für Moonsorrow sehr untypische Cleangitarren ein, die sich über sieben Minuten steigern, bis das Lied schließlich mit dem ersten verzerrten Akkord voll durchstartet. Wuchtige Riffs treffen hier auf einen treibenden Drumbeat gepaart mit Villes aggressiver Stimme. Dies wird des Öfteren durch klare Stimmen und Gitarren aufgelockert.

Die Produktion wurde bewusst roh gehalten, die Gitarren knarzen nur so durch die Anlage. Allerdings ist der Gesamtsound alles andere als dünn, was keinesfalls verwunderlich ist bei teilweise mehr als 150 (!!) übereinander gelegten Spuren. Sprich: Auch hier haben Moonsorrow ihren Hang zum Pompösen wieder voll ausgelebt und eine fast erdrückende Soundwand erschaffen. Das Lied ändert im Verlauf mehrmals seinen Charakter; einem getragenen Akustikteil folgt ein heftiger Blastpart, der wiederum von einer beruhigenden Akkordeonmelodie abgelöst wird. Erstaunlich dabei ist, dass der Spannungsbogen immer aufrecht gehalten wird, den Höhepunkt erreicht das Lied tatsächlich erst gegen Ende.

Das zweite Lied „Tuleen Ajettu Maa“ („A Land Driven Into Fire“) dagegen beginnt schon in Moonsorrow Manier mit astreiner finnischen Folklore mit allem was dazu gehört. Insgesamt wirkt der Anfang sehr wie eine Art Ritual, da die Stimme monoton und beschwörend klingt, ähnlich wie auf dem Album „Kivenkantaja“ im gleichnamigen Lied. Nachdem das Lied ins Rollen gekommen ist, bietet es wieder die volle Bandbreite an Atmosphäre, hier kommen auch wieder verstärkt die Folkelemente wie Akkordeon und Maultrommel vor. Extra zu erwähnen wären noch die Vocals, es ist wirklich beachtlich, was Ville und die anderen mit ihrer Stimme anstellen. Vom aggressiven Krächzen über verzweifelten Schreien bis hin zu den epischen Chören ist das ganze Spektrum vertreten. Mehr will ich über das Lied gar nicht verraten, der interessierte Leser mag das am Besten selbst herausfinden. Das Lied endet genau so, wie die Scheibe angefangen hat: in der Eiswüste.

Das Album gibt es nur in der Jewelcase Version, aber hier sei noch das stimmige Coverartwork erwähnt, das den Gesamteindruck komplementiert. Die bedrohliche Atmosphäre der Musik wird in dem Bild meiner Meinung nach recht gut eingefangen. Wie schon oben erwähnt, sind die Lieder auf diesem Album selten lang.

Nach dem ersten Durchhören ist man erstmal von der Flut an Eindrücken etwas erschlagen, „Easy Listening“ stellt man sich auf jeden Fall anders vor. Das Album braucht definitiv ein paar Durchläufe, bis es sich entfalten kann, bis man Strukturen und Harmonien in den Liedkolossen entdeckt und sich einzelne Melodien festsetzen. Das erfordert zwar etwas Geduld, allerdings ist somit die Gefahr des Überhörens sehr gering; das Album ist dermaßen komplex und verspielt, dass es nie langweilig wird.

Moonsorrow bieten zwar genau das, was jeder von ihnen erwartet, nämlich erhabene Bombastmusik, machen aber dennoch einen großen Schritt weiter in die progressive Richtung und es gelingt ihnen, eine noch düsterere Atmosphäre zu erschaffen. Herausgekommen ist der Soundtrack zum Weltuntergang (wovon die Lyrics auch im Groben handeln), der einen fernab der Realität entführt. Wie oben erwähnt benötigt man dazu zwar höchste Konzentration und Geduld, aber wer dies mit sich bringt, wird mit einem Meisterwerk belohnt, was wirklich absolut jedem zu empfehlen ist, der Musik, die vom Herzen kommt, zu schätzen weiß.

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