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Moonsorrow: Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maasa

Düsterer als je zuvor, aber keinen Deut schlechter
Wertung: 9.5/10
Genre: Epic Pagan Metal
Spielzeit: 61:10
Release: 25.02.2011
Label: Drakkar/Sony Music

Mit ihren letzten beiden Releases haben Moonsorrow ihre ohnehin schon epische Musik auf die Spitze getrieben: Das letzte, 2007 erschienene reguläre Studioalbum „Viides Luku – Hävitetty“ enthielt lediglich zwei Tracks, die jeweils eine gute halbe Stunde dauerten, und die ein Jahr später herausgebrachte EP „Tulimyrsky“ (mit knapp 70 Minuten eine der längsten EPs der Metalhistorie) beinhaltete mit dem Titelsong einen weiteren halbstündigen Track. Auf dem sehnsüchtig erwarteten neuen Werk mit dem Zungenbrecher-Titel „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maasa“ präsentieren die Finnen nun nicht etwa einen Longtrack von einer Stunde Länge, wie manch einer vielleicht augenzwinkernd vermuten könnte, sondern wieder etwas kürzere Stücke; vier Epen zwischen zwölf und 16 Minuten, sowie drei jeweils etwa anderthalbminütige Zwischensequenzen.

Der Titel des neuen Albums bedeutet in etwa „As shadows we walk in the land of the dead“, und erinnern wir uns: Der letzte Output mit den beiden Halbstündern behandelte das Ende der Welt aus verschiedener Sichtweise, der neue bildet nun die Fortsetzung dessen – es gibt also quasi einen Neubeginn, dieser bedeutet jedoch nach der vorigen Zerstörung eine Welt, die von „Verwüstung, Verzweiflung und Tod“ geprägt ist, wie es in der Info heißt. Sicher haben sich Moonsorrow noch nie wirklich den fröhlichen Seiten des Daseins zugewandt, doch das hier ist jedenfalls noch mal eine ganze Ecke düsterer.

Dies deutet ebenfalls die Übersetzung des ersten Tracks „Tähdetön“ („Starless“) an; vor allem aber geht man auch musikalisch finsterer zu Werke. Zunächst scheint es, als sei das folkige Element mehr in den Hintergrund gerückt, doch nach ein paar Durchläufen stellt man fest, dass das Folkige und Metallische einfach noch gekonnter miteinander verschmelzt wurden, klirrende Gitarren und eine gewisse Rohheit dabei aber klar im Vordergrund stehen. Auch agiert man etwas Midtempo-lastiger, Blastbeatpassagen sind lediglich im letzten Stück kurz zu hören (da klingt die Band sogar ein wenig nach Wolves In The Throne Room), aber trotz allem ist die Scheibe absolut Moonsorrow-typisch. Die Band hat sämtliche Tugenden zu erneut fantastischen Kompositionen voll unendlicher Weite, beeindruckender Tiefe, gewaltiger Dramatik, garstiger Schönheit, großen Emotionen und purer Naturverbundenheit verknüpft, und Ville Sorvali kreischt sich einmal mehr die Seele aus dem Leib und transportiert damit die perfekte Stimmung für die Scheibe. Nach wie vor gilt: Keine andere Band der Szene versteht es derart gekonnt, mit so verhältnismäßig wenig Riffs maximale Wirkung zu erzielen und Songs aufzubauen, die sich wie von selbst zu gewaltigen, fesselnden Epen entwickeln – dagegen nehmen sich alle anderen Pagan-Bands wie Witzfiguren aus. Dauerrotationen sind vorprogrammiert, um die vielen kleinen Details, die natürlich wieder en masse vorhanden sind, in ihrer ganzen Pracht zu entdecken.

Die Zwischensequenzen bilden im Übrigen die perfekten Bindeglieder zwischen den akustischen Dramen und sorgen für reibungslose Übergänge. Hierin sind stets im Schnee knirschende Schritte zu hören, dabei werden die Atemzüge der Person, die diese verursacht, immer angestrengter, bis sie sich schließlich in „Kuolleille“ in einem markerschütternden, verzweifelten Schrei entladen – dies trägt selbstverständlich ebenso maßgeblich zur bedrückenden und intensiven Atmosphäre bei.

Daran hat auch das gehabt stilvolle Artwork seinen Anteil, das die passenden Bilder zu der düsteren Geschichte liefert – auch hier lassen sich die Finnen nicht lumpen und liefern gewohnte Qualität ab. Genauso was die Produktion angeht, die ebenfalls superb ausgefallen ist – die Jungs zementieren ihren Status als beste Pagan-Band (die ebenfalls göttlichen Enslaved zähle ich nicht mehr zu diesem Genre) und „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maasa“ ist ganz klar schon jetzt ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres. Anspieltipps schenke ich mir natürlich, denn so eine Scheibe muss am Stück gehört werden.

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