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Moonsorrow: Tulimyrsky EP

Die zweitlängste EP der Welt
Wertung: 9/10
Genre: Epic Pagan Metal
Spielzeit: 68:18
Release: 09.05.2008
Label: Drakkar Records

Schon witzig: Das letzte Album von Moonsorrow, das geniale „Viides Luku – Hävitetty“, welches in Sachen Songaufbau, Produktion und Epik den bisherigen Höhepunkt in der Karriere der Finnen darstellte und welches man ja praktisch auf Dauerrotation stellen konnte, ohne dass es jemals langweilig wurde, bestand aus lediglich zwei Stücken, die zusammen etwa eine Stunde Spielzeit ergaben. Ein Jahr später legt man nun mit „Tulimyrsky“ eine EP nach, die insgesamt länger dauert als das letzte Full-Length-Album – die spinnen, die Finnen!

Es muss jedoch hinzugefügt werden, dass es sich bei zwei der fünf Songs um Coverversionen und bei wiederum zweien um Neuauflagen alter Tracks handelt, insofern wäre die Frage, ob man „Viides Luku – Hävitetty“ tatsächlich toppen konnte, eher deplatziert und wohl frühestens beim nächsten regulären Studioalbum relevant. Hinzu kommt, dass die Band laut Labelinfo die Idee zu dem Stück „Tulimyrsky“ – was übersetzt so viel wie „Feuersturm“ bedeutet – schon seit mehreren Jahren hatte, es jedoch zum Konzept des vorigen Silberlings nicht gepasst hätte, weswegen man beschloss, den erneut überlangen Track nun endlich auf einer EP zu veröffentlichen und diese mit einigen Bonustracks zu garnieren.

Vergleicht man „Tulimyrsky“ mit den Stücken auf „Hävitetty“ – was schon aufgrund der ähnlichen Länge automatisch passiert – so stellt man fest, dass es sich schon von den Songs „Jäästa Syntynyt“ und „Tuleen Ajettu Maa“ unterscheidet. Ich habe insbesondere den Eindruck, dass man eher wieder etwas roher zur Sache geht; nicht nur, was den Härtegrad betrifft, auch die Gitarren klingen harscher und der Gesang so heiser, kratzig und kreischig wie lange nicht mehr.

„Tulimyrsky“ beginnt ähnlich wie „Jäästa Syntynyt“: Einzig mit Naturgeräuschen, die wie die Ruhe vor dem Sturm anmuten; allerdings sind diese mit einigen gesprochenen Passagen untermalt, was während des Stückes noch des öfteren auftaucht. Ziemlich schnell – um beim Vergleich mit „Jäästa Syntynyt“ zu bleiben, wo man erst nach sechs Minuten richtig loslegte – geht man bei vorliegendem Werk in Raserei mit Blastbeats über, um dann wieder etwas getragener zu agieren – dabei aber bleibt es natürlich stets episch. Schon irre, welch mächtige Gitarrenwände Moonsorrow jedes Mal aufzufahren in der Lage sind. Die Epik erinnert hier meiner Ansicht mehr denn je an Bathory.

In der Mitte des Songs – also nach fast fünfzehn Minuten... – ertönt wieder eine gesprochene Passage und die unverzichtbaren folkloristischen Klänge mit Akustikgitarren, Mandoline und Maultrommel tauchen zum ersten Mal auf. Einmal mehr beweisen die Finnen hier, wie meisterhaft sie es beherrschen, derartige Sequenzen behutsam aufzubauen: Nach und nach gewinnt das Ganze wieder ein bisschen mehr Härte, es kommen ein paar Growls hinzu, bis das Folk-Thema plötzlich vollständig im elektrisch verstärktem Gewand dasteht, um dann in eine erneute Akustikpassage mit gesprochenem Text und Naturgeräuschen wie rauschendes Wasser überzugehen, die wiederum in den nächsten epischen Part à la Bathory überleitet. Zum Schluss kehrt man auf bravouröse Weise wieder in das Thema vom Anfang zurück, um das halbstündige Meisterwerk Filmsoundtrack-mäßig mit orchestralen Sounds und den typischen, folkloristischen Chören ausklingen zu lassen.

Angesichts der Tatsache, dass bei „Tulimyrsky“ wieder mehr Blastbeats als auf dem Vorgänger regieren und auch der Sound wieder roher klingt, passt es natürlich ganz gut ins Konzept, zwei alte Stücke neu aufzunehmen: „Taistelu Pohjolasta“ war zuvor auf der 1999-er Scheibe „Tämä Ikuinen Talvi“ zu hören und wird hier in einer etwas kürzeren Version (das Intro wurde außen vor gelassen) präsentiert und „Hvergelmir“ stand bereits auf dem Demo „Metsä“ (1997), dem übrigens aufgrund seines unglaublich miesen Sounds ein gewisser Kultfaktor durchaus nicht abgesprochen werden kann.

Sehr neugierig aber waren wohl alle Moonsorrow-Fans auf die bereits angesprochenen Cover, die auf der EP zu finden sind; besonders sicherlich vor allem auf den alten Metallica-Klassiker „For Whom The Bell Tolls“. Ich persönlich bin alles andere als ein Fan von Covern, muss aber auf jeden Fall sagen, dass Moonsorrow das Stück schon sehr originell umgesetzt haben. Es klingt einfach hundert Prozent nach Moonsorrow mit allen Folklore-Elementen, dem typischen Gesang und dem epischen Flair – schon cool gemacht. Zum Merciless-Cover „Back To North“ kann ich hingegen leider nicht viel sagen, da ich das Original nicht kenne, aber anhand der dreizehn Minuten Spielzeit kann sich ja jeder denken, dass es sich hier ebenfalls um eine sehr epische, heroische Nummer handelt.

Fazit: Beim Titelsong, dem Kernstück dieser EP, handelt es sich erneut um ein Moonsorrow-typisches, kleines Meisterwerk, das wieder etwas härter ist als die Ausrichtung des vorigen Albums, mal wieder durch einen genialen Aufbau besticht und eine kurzweilige halbe Stunde bietet. Die Band hat es einfach kontinuierlich geschafft, ihre Songs immer strukturierter und epischer zu gestalten – weswegen sie wohl auch immer länger werden. Dabei haben sie es allerdings überhaupt nicht nötig, komplexe Rhythmuswechsel oder ähnliches einzubauen; neben Primordial sind sie die wohl beste Pagan-Band, die es glänzend versteht, „aus wenig viel zu machen“. Die Cover sind originell umgesetzt und mit einer eigenen Note versehen und die Neuaufnahmen fügen sich gut ins Gesamtkonzept ein. Hier gibt’s neun fette Punkte!

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